Ausgabe up 3-2017 | Rubrik Branchennews

KBV verschiebt Starttermin für zertifizierte Heilmittelverordnungs-Software

vom: 10.02.2017

Bundestagsabgeordneter fordert: keine Retaxationen in der Übergangszeit

Laut Gesetzgeber sollte die Zertifizierung der Heilmittelverordnungs-Module in ärztlicher Praxissoftware bis zum 1. Januar 2017 abgeschlossen sein. Einen Monat nach Stichtag ist das immer noch nicht der Fall, die KBV verhängt eine Übergangsregelung. Damit das nicht zulasten der Therapeuten geht, sollten Krankenkassen in der Zwischenzeit auf Retaxationen verzichten.

Eine Gesetzesänderung sieht vor, dass Ärzte seit 1. Januar 2017 nur noch zertifizierte Verordnungssoftware nutzen (Paragraf 73 Abs. 8 SGB V). Damit will die Politik sicherstellen, dass alle verwendeten Softwareprodukte die Informationen enthalten, die Ärzte für eine korrekte Verordnung benötigen. Die KBV wurde vor über zwölf Monaten mit der Zertifizierung beauftragt, hat sie aber noch nicht komplett durchgeführt.

Die offizielle Liste der KBV „Verzeichnis zertifizierter Software“, Stand 9. Februar 2017, enthält 61 erfolgreiche Zertifizierungen. Es verbleiben 23 Systeme mit Heilmittelverordnungs-Modul, die die KBV noch prüfen muss. Damit sind eineinhalb Monate nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Start der Zertifizierungspflicht immer noch 27 Prozent der Systeme nicht entsprechend zertifiziert. Die KBV kündigte deswegen eine Übergangsregelung an: Arztpraxen dürfen im laufenden 1. Quartal 2017 weiterhin nicht-zertifizierte Software für Heilmittelverordnungen nutzen.

Zwei Übergangregelungen sorgen für Unruhe in Arztpraxen

Das ist bereits die zweite Übergangsregelung, die nach dem Jahreswechsel eintritt. Denn der 1. Januar 2017 war auch der Stichtag für die Einführung neuer Heilmittelverordnungs-Vordrucke. Doch die Formulare waren noch nicht flächendeckend verfügbar, also kippte der GKV-Spitzenverband die Deadline. Die Kassen werden nun nach eigenen Angaben die alten Verordnungsformulare im ersten Halbjahr 2017 noch akzeptieren.

An der Verordnungsfront, in den Arztpraxen, herrscht nun Unruhe: Ärzte, die zertifizierte Heilmittelverordnungs-Software pünktlich installiert haben, schlagen sich mit Softwarefehlern und schlechter Benutzerführung herum. Manche Arztpraxen erzählten Therapeuten außerdem, sie könnten aufgrund der neuen Software zum Beispiel keine Verordnungen außerhalb des Regelfalls mehr ausstellen. Wo noch alte Software und alte Verordnungsformulare vorliegen, sind Ärzte sogar oft unsicher, ob sie überhaupt Heilmittel verordnen dürfen – die Angst vor möglichen Regressen verschärft die Situation. Das alles zeigt: Neue Software allein sorgt nicht dafür, dass Arztpraxen Heilmittelverordnungen verstehen.

Retaxationen in der Übergangsfrist aussetzen

Den meisten Ärger haben jetzt Therapiepraxen, die von Ärzten formal ungültige Verordnungen erhalten. Sie müssen sich mit Änderungen und späteren Kürzungen durch die Krankenkassen herumärgern. Eine „Übergangsfrist für Retaxationen“ fordert deswegen der Bundestagsabgeordnete Roy Kühne: „Wenn KBV und Krankenkassen es nicht schaffen, mit mehr als zwölf Monaten Vorlaufzeit die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen, dann darf dieses interne Problem nicht zu Lasten der Heilmittelerbringer gehen!“ Deswegen fordert Kühne, dass Krankenkassen für die Zeit der Übergangsfristen auf Retaxationen verzichten, die offensichtlich auf Ausstellungsmängel zurückzuführen sind.

„Therapeuten können nur die formalen Vorgaben auf Verordnungen prüfen, an die Ärzte sich auch wirklich halten müssen“, erläutert Kühne das Problem. Damit spricht der Bundestagsabgeordnete ein grundsätzliches Problem an: Krankenkassen kürzen Rechnungen von Therapiepraxen wegen fehlender IDC-10-Codes auf Verordnungen. Die Codes müssen Ärzte aber nicht zwingendermaßen dokumentieren, weil die entsprechenden Verträge für solche Fälle Ausnahmeregelungen vorsehen. Im Ergebnis bekommt also ein Therapeut kein Honorar, weil auf einer Verordnung eine Information fehlt, die der Arzt gar nicht verbindlich eintragen muss.

Therapeuten weisen „Prüfpflicht“ mit Vermerk nach

„Bekommen Ärzte Übergangsfristen eingeräumt, dann müssen die Kassen für diese Zeiträume ihre Retaxations-Politik entsprechend ändern. Die Gesetzliche Krankenversicherung darf Therapeuten nicht zu ihrer Verordnungs-Polizei erklären“, fügt Kühne hinzu. Wie auch immer die Politik nun interveniert – auch Praxisinhaber selbst müssen sich die Kürzungen nicht gefallen lassen. Die Rechtslage ist eindeutig: Eine „Prüfpflicht“ für die Gültigkeit einer Verordnung kann sich nur auf Informationen einer Heilmittel-Verordnung beziehen, die Ärzte verpflichtend dokumentieren müssen. Wenn Übergangsfristen oder Ausnahmeregelungen Ärzten Spielraum einräumen, darf das nicht zu Lasten der Therapeuten gehen.

Ganz konkret: Wenn ein Arzt einen formalen Fehler auf einer Verordnung nicht ändern will, dann lässt sich das Problem in vielen Fällen mit einem Tipp der AOK Bayern lösen. Diese hatte schon vor Jahren für solche Fälle vorgeschlagen, Therapeuten sollten einen Vermerk auf der Verordnung anbringen: „Nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt: Arzt besteht auf Durchführung der Verordnung wie ausgestellt“ Damit dokumentiert der Therapeut, seiner „Prüfpflicht“ nachgekommen zu sein und beugt Absetzungen vor.

Bildnachweis: Fotolia, yanlev

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