Editorial
16.01.2009
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Besser machen!

Es hat etwas gedauert. Aber besser spät als nie. Auch die Ärzte haben nun erkannt, dass sie mit Operationen und Spritzen bei Rückenpatienten nicht weiter kommen. Da könnten wir Therapeuten uns jetzt ja hämisch die Hände reiben und besserwisserisch verkünden: „Haben wir schon immer gewusst.“

Das tun wir aber nicht. Obwohl wir schon längst nach alternativen Lösungen Ausschau gehalten, ganzheitliche Therapiemodelle entwickelt und über den evidenzbasierten Tellerrand hinausgeschaut haben. Aber Triumph ist hier nicht angemessen. Denn erstens haben auch wir nicht das ultimative Erfolgsrezept für die Rückenprobleme dieser Welt entdeckt. Und zweitens kommen wir mit Besserwisserei nicht weiter. Es bringt einfach niemandem etwas, wenn Ärzte und Therapeuten ständig gegeneinander wettern. Besser wäre eine fruchtbare Zusammenarbeit im Sinne des Patienten.

Leider scheinen die Ärzte noch nicht auf diese Idee gekommen zu sein. Sie haben zwar das Scheitern ihrer schulmedizinischen Therapiemethoden wissenschaftlich belegt, zaubern aber nun eine unglaublich einfache Lösung aus dem Hut: Die Patienten sollen in Zukunft selber für einen gesunden Rücken sorgen! Immerhin wird dazu ausdrücklich Krankengymnastik und Sport empfohlen. Bei näherem Hinsehen ist dieser Vorschlag ähnlich absurd wie die Diagnose „Lumbalsyndrom“. Sollen die Rückenpatienten in spe sich in Zukunft ein Rezept vom Arzt holen, über sechs Mal präventiv Krankengymnastik? Ganz nach dem Motto: Hallo Doc, mein Rücken könnte mir in Zukunft vielleicht weh tun, schreib mir mal was auf?

Anstatt ernsthaft nach gemeinsamen, interdisziplinären Lösungen zu suchen, geben die Mediziner die Verantwortung an Patient und Therapeut ab. Die Zahl der Rückenpatienten ist in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen. Bis die Ärzte zu der Erkenntnis kommen, dass eine enge Zusammenarbeit mit Therapeuten durchaus effektiv wäre, können Physiotherapeuten ihr Angebot für Rückenpatienten weiter verbessern, zum Beispiel durch interdisziplinäre Kooperationen mit Verhaltenstherapeuten. Also: nicht besser wissen – besser machen.

Ihre

Heidi Kohlwes


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