Editorial
20.05.2010
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Kompetenzgerangel statt Innovation

Der 113. Deutsche Ärztetag ist am vergangenen Freitag in Dresden zu Ende gegangen – nicht ohne sich mit einem Seitenhieb in Sachen Kompetenzgerangel zu verabschieden.

In einer Pressemitteilung forderte der Ärztetag die „politisch Verantwortlichen“ auf, „die zunehmende Aufweichung klarer rechtlicher Zuständigkeiten bei der Ausübung von Heilkunde zu verhindern“. Die Angst vor Kompetenzbeschneidung seitens der Ärzte ist nicht neu, die Forderung zu genüge wiederholt und die Begründung entsprechend weinerlich: die Aufweichung gehe zu Lasten der Versorgungsqualität und der Patientensicherheit und verletze haftungsrechtliche Standards.

Die Sache mit der Patientensicherheit wurde ja bereits umfangreich im Zusammenhang mit der sektoralen Heilpraktikererlaubnis diskutiert. Es stellt sich die Frage, warum Ärzte nicht einfach mit anderen Gesundheitsberufen kooperieren und deren fachliche Kompetenz zumindest respektieren, wenn schon nicht anerkennen können. Die Antwort gibt der Ärztetag freundlicherweise gleich mit dazu, denn es geht gar nicht um Zusammenarbeit, sondern um das Delegieren: „Das Delegationsprinzip muss fortentwickelt und rechtssicher so ausgestaltet werden, dass alle Bereiche der Patientenversorgung davon profitieren“. Punkt.

Der Ärztetag wünscht sich also nach wie vor das alleinige Recht des Delegierens, natürlich unter dem Deckmäntelchen der optimalen Patientenversorgung und begründet just, die seit einigen Jahren geforderte neue Aufgabenverteilung im Gesundheitswesen sei weniger an den Bedürfnissen der Patienten orientiert als „an einer ökonomischen Vorgabe für möglichst effiziente Prozessoptimierung sowie an berufspolitischen Wunschvorstellungen“. „Gemein, gemein“ trommeln da die Herrn Doktoren mit Fäusten auf den Boden und wollen nun endlich „die Kompetenzen und Zuständigkeiten der verschiedenen Gesundheitsberufe aufeinander abstimmen.“ Um sich wissenschaftliche Bestätigung zu holen, wer denn nun der Herr im Gesundheitshause ist, gab der Vorstand der Bundesärztekammer 2009 die Studie „Delegation ärztlicher Aufgaben an nichtärztliche Berufe in der stationären Versorgung“  in Auftrag. Und diese nennt natürlich – wie sollte es anders sein – zahlreiche Ansatzpunkte, „die ausschließlich den Notwendigkeiten des Versorgungsprozesses und nicht politischen Wunschvorstellungen einzelner Berufsgruppen gerecht werden“.

Wir sind erleichtert, dass Ärzte Heilmittelerbringern zumindest eine politische Vorstellung zusprechen. Das ist schon mal ein guter Anfang und macht Hoffnung auf mehr. Wer weiß? Mit viel therapeutischer Aufklärung werden wir vielleicht im nächsten Jahr nur noch einen klitzekleinen Empörungsaufstand des deutschen Ärztetages erleben dürfen. Wir freuen uns drauf.

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