Editorial
08.07.2010
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Reförmchen zweifach gut für Praxisinhaber

Einmal tief in die Beitragszahlertasche gegriffen, ´ne Kassenprämie hinzu gezaubert und schon steht die sogenannte „Gesundheitsreform“ des Bundesgesundheitsministers Philipp Rösler. In Wirklichkeit handelt es sich aber bloß um die Sicherstellung der Finanzierung eines untauglichen Systems. Dennoch – von den neuen Einnahmen profitieren werden vor allem die Leistungserbringer im Gesundheitswesen, also auch alle Inhaber von Logopädie-, Physio- und Ergotherapiepraxen.

Was für die Mehrheit der Bevölkerung zu erhöhten Kosten führt, sorgt für Praxisinhaber für ein sicheres Einkommen in der Zukunft. Denn – BMG sei Dank – wird es kurzfristig keine wirklichen Kostensenkungen im Gesundheitswesen geben. Und da jetzt die Beiträge für alle Patienten erhöht werden – und zwar ohne Deckeln nach oben, kann man getrost davon ausgehen, dass auch die Zuzahlungen und Eigenanteile nicht weiter steigen werden. Also bleibt auf der Einkommensseite alles gut.

Aber auch die Ausgabenseite sieht für Praxisinhaber vorteilhaft aus: Weil die zukünftigen höheren Versicherungsbeiträge allein von den Arbeitnehmern getragen werden müssen, werden sie als Arbeitgeber trotzdem keine steigenden Lohnnebenkosten haben.

Im Prinzip könnte es so immer weitergehen: Die Politik sorgt für mehr Geld im Gesundheitssystem und alle Leistungserbringer freuen sich über steigende Umsätze und stabile Lohnnebenkosten. Also kurzfristig eitler Sonnenschein.

Doch Vorsicht: Mittelfristig stellt sich die Frage, wie lange sich die GKV Versicherten von der Politik noch für dumm verkaufen lassen werden. Sobald diese die Zusatzbeiträge als zu hoch empfinden, muss nach Streichkandidaten auf der Ausgabenseite gesucht werden. Hoffen wir also, dass die Ausgaben der GKV möglichst lange einigermaßen stabil bleiben, damit die Heilmittel nicht erneut als Streichoption identifiziert werden.

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Kommentare

  1. Oliver Kiomall schrieb am 12.07.2010 um 16:08 Uhr

    ich möchte mal deutlich hinzufügen, daß es für mich als Arbeitgeber mitnichten ein Vorteil ist, wenn meine Mitarbeiter die Zusatzkosten allein tragen müssen. Letztlich muß ich die Gehälter, die ich zahle konkurrenzfähig halten. Wenn mein Mitarbeiter zu wenig Netto hat, steigt der Druck bezügl. Lohnerhöhungen. Und das besonders bei uns. Wir können als Heilmittelerbringer nur so wenig zahlen, daß Einschnitte nicht nur Luxuskürzungen sind.
    Wichtig wäre es einmal unnötige Medis/Untersuchungen zu vermeiden und dem Lobbyeinfluß der Leute die Gesundheit als Feld der Bereicherung auf Kosten aller ansehen etwas entgegen zu setzen.
    Entscheidend wäre auch das Bewußtsein der Leute für Ihre Gesundheit zu erhöhen. Letztlich ist es in eigenem und allgemeinen Interesse vorzusorgen: Thema Prävention

    Im Prinzip ist es uninteressant ob jetzt hier die Kosten steigen oder sinken. Es ist doch seit immer ein stetes Auf und (nicht) Ab.

    MfG.

    O. Kiomall

  2. Ralf Buchner schrieb am 12.07.2010 um 16:38 Uhr

    Solange Lohnnebenkosten automatisch zwischen Chef und Mitarbeiter aufgeteilt werden, habe ich als Chef weniger Gestaltungsspielraum. Wenn die Mitarbeiter in Zukunft (einen sehr kleinen) Anteil allein übernehmen müssen, dann kann ich mich als Chef entscheiden, wofür ich den eingesparten Betrag investieren will. Es geht ja gar nicht darum Mitarbeiter schlechter zu stellen, sondern mehr Freiraum für individuellen Gestaltung zu gewinnen.
    Ein paar Ideen finden Sie hier.

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