Gesundheitsreform – Kein Update
Zur Gesundheitsreform gibt es nichts Neues, denn politisches Hickhack ist nicht wirklich eine Meldung wert. Deswegen heute nur ein Blick auf interessante mögliche Folgen der Gesundheitsreform.
Die “Aldi-Krankenkasse” kündigt Wolfram Richter in einem Interview an. Richter ist Professor für Öffentliche Finanzen an der Universität Dortmund und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen. Er gilt als der geistige Vater des Gesundheitsfonds.
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 5. Januar 2007 weist er darauf hin, dass die Einführung des Gesundheitsfonds dazu führen wird, dass die Krankenkassen auch über eine Reduzierung der Leistungen nachdenken werden. Auf die Frage, ob die Krankenkassen nach der Reform denn viele Möglichkeiten hätten, ihr Leistungsangebot zu variieren, antwortet Richter: “Mehr, als viele Kritiker denken, beispielsweise bei der freien Wahl von Ärzten und Krankenhäusern. Zudem müssen Sie bedenken, dass der Leistungskatalog zwischen den Ärzten und den Kassen ausgehandelt wird. Die Kassen haben im geltenden System kein Interesse an einem eng definierten Pflichtleistungskatalog. Beim Gesundheitsfonds sieht das anders aus: Die Kassen wissen, dass nun ein Spartarif für viele Versicherte interessant wird – und werden dementsprechend anders über den Pflichtleistungskatalog diskutieren. Sie wissen, dass vom Markt ein Druck ausgehen wird, Zusatzleistungen von den Pflichtleistungen zu trennen und nur noch zu risikoadjustierten Prämien über Zusatzverträge anzubieten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mit dem Gesundheitsfonds auch bald die erste Krankenkasse mit Billigtarifen kommt, eine Aldi-Krankenkasse, wenn Sie so wollen.”
Sollten die Politiker ihre Streitigkeiten beilegen und die Gesundheitsreform umsetzen, verändert sich vielleicht doch mehr als manch einer bisher erwartet hat.

