Wie aus Konkurrenten Partner werden – Zur Struktur und zum Aufbau von Netzwerken
Netzwerke haben auch im Gesundheitswesen in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Der Handlungsspielraum für den Einzelnen ist kleiner, die Notwendigkeit zur Kooperation größer geworden. praxiswissen24 hat die Fachjournalistin und Kommunikationsberaterin Susanne Werner um einen Beitrag gebeten, der in drei Folgen veröffentlicht wird. Heute: „Netzwerke – ein Konzept des Gebens und Nehmens“.
Erfolgreiche Netzwerke leben in erster Linie von der Qualität, die unsere persönlichen Beziehungen entscheidend bestimmt: vom Vertrauen. Es geht um das Vertrauen in das System Netzwerk. Vertrauen aber muss erfahren werden. Erlaubt aber ist es – und häufig sogar äußerst notwendig – , dass die zentralen Manager des Netzwerks (oder eben die eingebunden Moderatoren) einzelne Schritte der gelungenen Kooperationen für alle deutlich machen. Â
Die Netzwerk-Idee basiert auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens – eine Lebensweisheit, die unsere Fähigkeit zu vertrauen auf eine harte Probe stellt. Schließlich gibt jeder Beteiligte Wissen ab und somit auch die Kontrolle, wie die Informationen von den anderen Netzwerk-Partnern genutzt werden. Es liegt auf der Hand, dass die Akteure Kosten und Nutzen des Zusammenschlusses immer wieder abwägen. Daher ist es für das Funktionieren des Netzwerkes wichtig, auch sogenannte „Netzwerk-Schmarotzer“ zu benennen und zu sanktionieren. Â
Am Anfang steht immer eine Idee – es ist der erste Schritt, um ein Netzwerk aufzubauen. In der Startphase geht es darum, gemeinsam die Ziele abzuklären, geeignete Partner einzuladen und sich gegenseitig zu prüfen sowie die Chancen und Risiken eines Verbundes gemeinsam auszuloten. Verständigt man sich auf ein gemeinsames Netzwerk, so ist im nächsten Schritt zu klären, wie man zusammen arbeiten will, was die Einzelnen beitragen können und wie offen der Verbund sein soll. Sind diese grundlegenden Fragen geklärt, kann erst die eigentliche Konstituierung – etwa mit einer Kick-off-Veranstaltung – erfolgen. Zum Gründungsakt gehört auch, dass die Ziele konkret vereinbart werden und der Grad der Organisation für alle transparent festgelegt ist. Auch sollten die „Spielregeln“ – beispielsweise zur Konfliktbearbeitung – bereits ausgehandelt sein. Â
Nach der Gründungsphase tritt das Netzwerk dann in seine eigentliche Arbeitsphase. Die Beteiligten verständigen sich darauf, wer im Netzwerk welche konkreten Arbeiten übernimmt. So lassen sich gemeinsame Ziele arbeitsteilig in Workshops und Arbeitsgruppen bearbeiten. Wichtig ist auch, der Pflege der Beziehungen genügend Raum und Zeit einzuräumen. In dieser Phase muss das Vertrauen gestärkt werden, dass das Netzwerk funktioniert und für alle Beteiligten von Vorteil ist. Eine Evaluation sollten den gesamten Prozess als Qualitätskontrolle begleiten. Die Evaluation bildet damit die Grundlage, immer präziser und effektiver zu arbeiten. Notwendige Veränderungen – etwa in der Organisation oder der Kommunikation – können so rechtzeitig erkannt und eingeleitet werden. Â
Es empfiehlt sich, auch das Auflösen eines Netzwerkes offensiv zu gestalten und die Zusammenarbeit nicht einfach auslaufen zu lassen. Mit einem formellen Akt, einer Festveranstaltung, einem abschließenden Workshop lässt sich der Wert der Zusammenarbeit nochmals deutlich machen und würdigen. Â
Den kompletten Bericht mit Literaturangaben finden Sie in der Printausgabe „Unternehmen Praxis“

