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30.01.2009
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Kritische Reaktion der Ärzte auf Studie zur Einsparung von 9,5 Mrd. Euro

Effizenzreserven im Gesundheitswesen

Die gesetzlichen Krankenkassen verfügen über Effizienzreserven in Höhe von 5,6 bis 9,8 Milliarden Euro. Das ergibt eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und des Lehrstuhls für Gesundheitsökonomie der Universität Duisburg-Essen im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

Die brachliegenden Effizienzreserven seien eine Folge des mangelnden Wettbewerbs im Verhältnis der Kassen zu den Leistungserbringern, heißt es in einer Pressemitteilung zur Studie. Dies äußere sich unter anderem in überhöhten Preisen und zu hohen Fallzahlen bei Leistungen der Krankenhäuser und Arztpraxen, Überkapazitäten bei Krankenhäusern und überzogenen Handelsmargen bei Arzneimitteln. Untersucht wurden die stationäre und ambulante Versorgung sowie der Arzneimittelbereich. Die drei Sektoren machen zusammen 72 Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung aus. Der Heilmittelbereich wurde nicht mit in die Untersuchung mit einbezogen.

Die Studie stellt fest, dass sich die Kosten für medizinische Leistungen in den 16 Bundesländern stark unterscheiden. Das Einsparvolumen errechne sich, wenn jeweils das Preis- und Mengenniveau der teuren Bundesländer auf das Niveau der günstigeren gesenkt werde. Im konservativen Szenario A nahmen die Autoren als Referenzmarke für Einsparungen das durchschnittliche Preis- bzw. Mengenniveau aller Bundesländer. Dabei errechneten sie ein Einsparvolumen von 5,6 Milliarden Euro. Im optimistischen Szenario B diente jenes Bundesland als Referenzmarke, dessen Preis- bzw. Mengenniveau in der Mitte zwischen dem günstigsten und dem Durchschnitt aller Bundesländer liegt. Dabei errechnete sich ein Einsparvolumen von 9,8 Milliarden Euro.

Als höchst fragwürdig hat dagegen die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) die Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bezeichnet. „Die Schlussfolgerungen sind Gesundheitspolitik auf Stammtisch-Niveau, ohne die Konsequenzen zu bedenken“, meinte der 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, in einer Presseerklärung.„Wir haben nichts dagegen, wenn die Preise der medizinischen Leistungen allmählich bundesweit angeglichen werden. Aber dabei kann man doch nicht die schlechtesten Vergütungen und die dünnste Versorgung zum Standard machen. Der Grundirrtum der Studie liegt darin, dass jeder regionale Unterschied unmittelbar als Effizienzreserve gewertet wird. Das ist schon deshalb vermessen, weil Erkrankung und Genesung nicht – auch nicht von Instituten – normierbar sind.“

Erkrankungen und Genesungsverläufe seien vor allem vom jeweiligen Patienten und seinem persönlichen sozialen Hintergrund bestimmt. Institute dürften diese Tatsache bei ihren Studien über angebliche Effizienzreserven im Gesundheitswesen nicht ausblenden.

Der Auftraggeber der Studie, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, wird durch die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie finanziert und vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln wissenschaftlich begleitet. Ihr Ziel ist die Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft.

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