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28.01.2009
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Schulmediziner stoßen bei der Therapie von Rückenbeschwerden an ihre Grenzen

Zahl der Rückenpatienten seit 1998 deutlich gestiegen

Die Zahl der Rückenpatienten in Deutschland ist in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen. Das fand eine Langzeitstudie im Auftrag der BKK heraus. Der Kostenfaktor für Rückenpatienten ist enorm, eine Lösung des Problems scheinbar nicht in Sicht.

„Guten Tag, ich habe Rückenschmerzen“. Diesen Satz hören Physiotherapeuten fast täglich in ihrer Praxis. Und die Zahl der Rückenpatienten nimmt immer mehr zu. Der BKK Bundesverband bestätigt dies mit einer Langzeitstudie zum Thema Rückengesundheit. Danach leiden zwei Drittel der Deutschen unter Rückenschmerzen. Vor zehn Jahren war es nur die Hälfte. Allerdings gehen nur noch ein Drittel der Betroffenen heute zum Arzt, stellt die Studie fest – 1998 waren es noch 54 Prozent. Im gleichen Zeitraum sei aber auch die medikamentöse Therapie von Seiten der Ärzte gestiegen, statt 47 bekämen jetzt 64 Prozent der Befragten Medikamente. Auch die Verordnungen für Krankengymnastik hätten stark zugenommen: Bekamen 1998 nur 22 Prozent der Betroffenen ein Rezept, verließen heute bereits 61 Prozent die Arztpraxis mit einer Verordnung für Krankengymnastik.

Mehr Verordnungen = bessere Therapie?

Diagnosen wie „Lumbalsyndrom“ sind wenig aussagekräftig, kommen dafür aber umso häufiger vor. 73 Prozent der Befragten gaben an, der Schmerz sitze bei ihnen im Lendenwirbelbereich. Dem Physiotherapeuten bleiben in der Regel sechs Behandlungen, um den Patienten schmerzfrei zu bekommen. Das gelingt nicht immer. Rund 81 Prozent der Patienten bekommen, laut Studie, nach der ärztlich verordneten Maßnahme wieder Schmerzen. Auf dem 33. Interdisziplinären Forum „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“ der Bundesärztekammer in Berlin wurde über Lösungen zum Thema Rückenschmerzen diskutiert. Die klassische medizinische Sichtweise stoße bei Rückenbeschwerden an ihre Grenzen, erklärte Professor Jan Hildebrandt, Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ).

Verfahren nicht effektiv

Nicht effektiv seien die meisten Verfahren zur Behandlung akuter und chronischer Rückenschmerzen, die sich strengen wissenschaftlichen Untersuchungen unterzogen haben, so Hildebrandt weiter. Ob Injektionen, muskuläre Infiltration oder Facettenblockaden, Bettruhe, Korsetts, Bandagen oder physikalische Therapieverfahren wie Wärme- und Kälteanwendungen sowie Elektrotherapie, Bäder, Akupunktur und elektrische Nervenstimulation (TENS) – die Wirksamkeit konnte bislang nicht nachgewiesen werden. In der Rückenschmerzumfrage werden insgesamt 4.055 Rückenschmerz-Betroffene segmentiert und signifikante Rückenschmerz- Typen identifiziert. Die größte Gruppe sind mit 46 Prozent „Personen mit gelegentlichen Kreuzschmerzen“. Sie würden eher selten unter Rückenschmerzen leiden und trieben häufig drei bis sechs Mal pro Woche Sport. Die verordneten Maßnahmen führten bei dieser Gruppe überdurchschnittlich häufig zu einer kompletten bzw. längeren Schmerzfreiheit. Das verwundert nicht weiter. Wer regelmäßig Sport treibt, hat ganz andere körperliche Voraussetzungen als Menschen, die sich nie bewegen. Prof. Hildebrandt sieht die Lösung in mehr Eigenverantwortung des Patienten. Es müsse eine alltagstaugliche Rückenbelastbarkeit angestrebt werden. Die Patienten sollten dabei – unter kontrollierten Bedingungen – die Erfahrung machen, dass Bewegung und Belastung ihnen nicht schaden, sondern im Gegenteil zur Aufrechterhaltung des gesamten körperlichen Systems notwendig seien.

Ein sport- oder krankengymnastisches Training könne auf diese Weise – neben den primären Zielen der Verbesserung der Körperkoordination, Gelenkfunktion, Muskelkraft- und Ausdauersteigerung – auch zu positiven Verhaltensänderungen führen, so das Fazit von Prof. Hildebrandt.


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