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09.10.2009
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Studie kritisiert Verordnungspraxis der Ärzte

Rückenschmerzen – bloß nicht ins Bett!

Bei Rückenschmerzen werden zu häufig Bettruhe, Spritzen, Wärme- oder Kälteanwendungen als passive Therapiemaßnahmen verordnet. Dies kritisiert die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) aufgrund einer Studie der Universitätsklinik Heidelberg und fordert mehr Aufklärung – für Patienten wie Ärzte gleichermaßen.

„Die besten Chancen auf schnelles Wohlbefinden haben Patienten, die ganz normal weiterleben, sich bewegen und in der schlimmen Phase höchstens kurzzeitig Schmerzmittel einnehmen“, heißt es in einer Pressemitteilung der DGSS. Chronische Rückenschmerzen sind eine häufige Erkrankung. Sie verursachen in Deutschland knapp 4 Prozent aller medizinischen Versorgungskosten, machen 15 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage aus und 18 Prozent aller Ursachen für Frühverrentungen.

In der Studie waren 630 Rückenschmerzpatienten in orthopädischen Praxen befragt worden. Das Ergebnis: Neben Physiotherapie wurden vor allem Ruhe und Bettruhe sowie Spritzen verordnet, oft kombiniert mit einer Krankschreibung. „Diese Verordnungspraxis steht in deutlichem Widerspruch zu den aktuellen Therapieempfehlungen, die vor allem die Aufklärung des Patienten sowie die Ermunterung zu Bewegung beinhalten“, resümierten die Forscher.

Ruhe bei 80 Prozent der Patienten als wirksamste Therapie

Neben Physiotherapie (47% der Fälle) wurden vor allem Spritzen (44%) und Medikamente (33%) verordnet, sowie Wärme- oder Kältetherapien und Massagen (jew. 27%). Aber auch Ruhe/Bettruhe (9%) und Krankschreibungen (16%) waren noch sehr häufig. Je chronischer die Schmerzen waren, desto mehr Therapien wurden parallel in Anspruch genommen – allerdings auch mehr passive. Die subjektiv wirksamste Therapie bei fast 80 Prozent der befragten Patienten war Ruhe/Bettruhe. Auch Physiotherapie und Spritzen waren aus Sicht der Patienten mit 70 bzw. 63 Prozent subjektiv überaus erfolgreich.

Dass dieser subjektive Eindruck einer Schmerzlinderung durch passive Therapien eine Selbsttäuschung ist, zeigte die Wiederholungs-Befragung nach 6 Monaten. Bei 66 Prozent der Patienten, deren Schmerzen anfangs noch nicht chronisch gewesen waren, verschlechterte sich die Lage. Bei über der Hälfte der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen änderte sich nichts an ihren Beschwerden, bei knapp 13 Prozent verschlechterten sie sich sogar. Nur ein Drittel profitierte von der Behandlung.

Aufklärung und Fortbildungsoffensive gefordert

In ihrem Fazit fordern die Wissenschaftler mehr Information und Aufklärung – für Patienten wie Ärzte gleichermaßen: “Die Untersuchungen dieser Studie zeigen, dass in Deutschland passive Therapieelemente immer noch einen bedeutenden Anteil bei der Behandlung des chronischen Rückenschmerzes ausmachen. Dies steht konträr zu den aktuellen nationalen und internationalen Therapieempfehlungen. Als Konsequenz bedarf es einer umfassenden öffentlichen Aufklärung der Bevölkerung zum Thema chronische Rückenschmerzen und einer Fortbildungsoffensive für Allgemeinmediziner, Fachärzte und Therapeuten sowie einem Mehrangebot an interdisziplinär arbeitenden Therapieeinrichtungen.” (pm)
(pm)

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