Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Neues Versorgungskonzept – bislang ohne Therapeuten
Die Versorgung alter Menschen in Hamburg soll verbessert werden. Darin sind sich die Leistungserbringer in der Hansestadt einig. Die Einbeziehung von Therapeuten ziehen sie aber bislang nicht in Betracht – Ärzte und Pflegekräfte beschränken sich bei ihren Plänen auf ihre Bereiche.
„Hamburgs Partner im Gesundheitswesen wollen die Versorgung alter Menschen in Hamburg gemeinsam weiter verbessern.“ Dieses Ziel haben sich das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), die Ärztekammer, die Pflegegesellschaft, die Krankenhausgesellschaft und der Hausärzteverband gesetzt und informierten die Öffentlichkeit über ihre Pläne. Zu diesen Partnern zählen offenbar keine Therapeuten – denn Ärzte und Pfleger wollen die Versorgung in erster Linie selbst und in Zusammenarbeit mit Wundexperten – also speziell geschulten Pflegekräfte – bewältigen. Â
Therapeuten bleiben unberücksichtigt
Auch die Hamburger Gesundheitsbehörde hat die Therapeuten erneut nicht auf der Rechnung. Wie schon beim jüngst vorgelegten Gesundheitsbericht, in dem die Therapeuten nur am Rande erwähnt wurden, konzentriert sich die Behörde auf die beiden genannten Berufsgruppen. Sie forderte ein gemeinsames Vorgehen von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Ärzten. Ob Therapeuten zu einem Termin, bei dem über ein weiteres Vorgehen entschieden wird, eingeladen werden, steht nach Auskunft der Behörde noch nicht fest – dies sei derzeit in der zuständigen Fachabteilung in der Abstimmung, hieß es. Â
Den Anstoß für das Bündnis ohne Therapeuten gab eine Studie der Rechtsmediziner am UKE, die Ärzte und Pfleger als „Mahnung und Ansporn zugleich“ auffassen. Für die Studie waren 8.518 Verstorbene ab dem 60. Lebensjahr untersucht worden. Daraus hat Professor Klaus Püschel vom UKE Rückschlüsse auf die gesundheitliche Versorgung in der letzten Lebensphase gezogen. Danach hatte nur rund die Hälfte der Verstorbenen zuvor Normalgewicht, 15 Prozent waren untergewichtig. Alarmierend waren auch die sozialen Umstände – mit hohem Lebensalter steigt offenbar auch das Risiko, einsam zu sterben. Auch die Ergebnisse zu Dekubitus, zur Sturzgefahr und zum Zahnstatus zeigen Handlungsbedarf. Mit Blick auf die zunehmend häufigeren künstlichen Gelenke der alten Menschen stellte Püschel fest: „Wir brauchen immer mehr Ersatzteile.“ Â
Weitere Anstrengungen dringend erforderlich
Püschel vermied Schuldzuweisungen und bescheinigte Ärzten und Pflegern gute Arbeit. Zugleich warnte er aber davor, sich zufrieden zurück zu lehnen. „Das reicht nicht aus, wir müssen deutlich mehr tun“, sagte Püschel. Â
In einem Zehn-Punkte-Programm fordert er weitere Anstrengungen. „Der demografische Wandel droht uns zu überrollen“, warnte der Rechtsmediziner. Klaus Schäfer, Vorsitzender des Hamburger Hausärzteverbandes, hält Verbesserungen für möglich, wenn Kranken- und Pflegekassen vorsorgende Hausbesuche von Ärzten honorieren würden. (di) (di)

