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01.04.2010
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Krankenkassen veröffentlichen Zahlen für 2009

2,2 Prozent mehr Heilmittelausgaben

78 Millionen Euro hat die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) 2009 mehr für Heilmittel ausgegeben als im Vorjahr. Das entspricht einem prozentualen Zuwachs von 2,2 Prozent. Nur in Bayern und Niedersachsen sind die Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.

Nimmt man den Zuwachs der gesamten Ausgaben der GKV für Heilmittel als Maßstab, dann heißen die Gewinner für 2009 Hamburg (+7,6%), Thüringen (+7,2%), Berlin (+7,1%) und Westfalen-Lippe (+6,9%). Klare Verlierer sind Niedersachsen (-4,2%) und Bayern (-3,7%).

Der Umsatzrückgang in Niedersachsen führt immerhin dazu, dass Ärzte in Niedersachsen keinerlei Angst vor Heilmittelregressen haben müssen, weil die Kassen sich vertraglich verpflichtet haben bei einem Rückgang der Heilmittelausgaben von drei Prozent auf Heilmittelregresse auch rückwirkend für 2008 zu verzichten.

Baden-Württemberg nicht mehr Umsatzkönig

Die oben genannten Zahlen relativieren sich allerdings, wenn man die Heilmittelausgaben ins Verhältnis zu der Anzahl der Versicherten setzt. Die offizielle Kennzahl dafür lautet „Heilmittelausgaben je 1.000 Versicherte“ und erlaubt einen Vergleich der Verordnungspraxis der verschiedenen KVen.

Die Bandbreite dieses Wertes sorgt regelmäßig für Irritation. Während in Westfalen-Lippe lediglich 41.355 Euro für die Heilmittelversorgung ausgegeben werden, belaufen sich die Heilmittelausgaben in Berlin auf 75.506 Euro. Das ist fast doppelt so viel. Damit hat Berlin jetzt erstmals Baden-Württemberg als „Umsatzkönig“ abgelöst.

Solche Unterschiede haben sich über Jahrzehnte entwickelt und können zum Beispiel damit erklärt werden, dass traditionell „teure“ KV-Gebiete oft auch auf eine ausgeprägte Bäder- und Kurgeschichte zurückblicken können (Baden-Württemberg, Bayern).

Wie werden Unterschiede angeglichen?

Unterschiedliche Ausgaben bedeuten auch unterschiedliche Versorgung. Das ist nicht im Sinne der Patienten und deswegen arbeiten die Politik und die Krankenkassen daran, die Heilmittelausgaben in Richtung auf ein bundesweit ähnliches Niveau zu steuern.

Dabei gibt es zwei Richtungen: Kostenträger argumentieren, dass der niedrigste Wert offensichtlich ausreichend ist und versuchen die Heilmittelausgaben auf den Wert von Westfalen-Lippe zu drücken. Leistungserbringer (Therapeuten, aber auch Ärzte) argumentieren, dass der realistische Wert eher am oberen Ende der Skala zu finden ist und können ihre Argumente beispielsweise durch den Heilmittelkatalog auch gut untermauern. So hat die KV Westfalen-Lippe in 2009 ihre Ärzte ausdrücklich dazu aufgefordert, mehr Heilmittel zu verordnen (wir berichteten).

Vor diesem Hintergrund ist der wirklich interessante Wert der GKV-HIS Zahlen die Veränderung der Heilmittelausgaben je 1.000 Einwohner. Die Frage lautet: Holt Westfalen-Lippe auf? Die Antwort für 2009 ist ein klares Ja. Mit einem Wachstum von 6,9% gelingt es den Lippischen Ärzten erstmals die 40.000 Euro Grenze zu überschreiten – das ist eine echte Kehrtwende von der Entwicklung der letzten vier Jahre.

Die Gewinn in der Rubrik Ausgabenveränderungen je 1.000 Versicherte lauten für 2009: Hamburg (+8,1%), Thüringen (+7,2%) und Westfalen-Lippe (+6,9%). Die Verlierer in dieser Disziplin kennen wir schon von den absoluten Werten: Bayern (-3,8%), Niedersachsen (-0,3%) und Baden-Württemberg (+1,0%). Am Beispiel von Bayern kann man gut erkennen, wie wichtig es ist, ob über die Summe der Heilmittelausgaben einer KV (-0,4%) oder über die Heilmittelausgaben je 1.000 Versicherte (-3,7%) berichtet wird.

Ganz konkret: Für die Kommunikation mit den verordnenden Ärzten ist es vollkommen legitim, den aus Sicht der Ärzte „besseren“ Wert zu nutzen. Im Beispiel Bayern würde man sich für -3,7% entscheiden.

Service: praxiswissen24-Kunden können bei der Hotline die für sie relevanten Daten abrufen. Bei Unsicherheit, welche Daten für die Arztkommunikation sinnvoller sind, können wir Sie gern beraten.

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