TK kündigt Vertrag mit MVZ
Kooperationspartner stehen vor Scherbenhaufen

Ungewisse Zukunft: Das Atrio-Med in Hamburg. Die TK hat den Kooperations-vertrag gekündigt. Foto: TK
„Therapeuten, die eng mit dem Atrio-Med kooperieren, können auch unsere Partner in der integrierten Versorgung werden.“ So warb Hamburgs TK-Chefin Angelika Schwabe vor zwei Jahren, nachdem das umstrittene Medizinische Versorgungszentrum in der Hansestadt seine Arbeit aufgenommen hatte.
Die Perspektiven klangen rosig. Bis Ende 2009 wollte der Betreiber Health Care Managers (HCM) bundesweit zehn Standorte aufgebaut haben, die als Kooperationspartner für angrenzende Gesundheitsberufe attraktiv gewesen wären. Die TK hatte sich vertraglich verpflichtet, als Kooperationspartner an jedem Standort jährlich eine Million Euro zu investieren, außerdem sollten Verträge zur integrierten Versorgung eine enge Abstimmung zwischen den Berufsgruppen ermöglichen.
Rasante Talfahrt
Verglichen mit den Plänen gleicht die Realität heute einem Scherbenhaufen. Der Kooperationsvertrag ist gekündigt. Statt der angestrebten zehn Standorte wurden nur fünf (Köln, Hamburg, München, Leipzig und Berlin) realisiert. Und deren Betrieb sorgte für so viel Ärger, dass er weder der TK als unterstützende Kasse, noch anderen Kooperationspartnern viel Freude bereitet haben dürfte. Das Image der Zentren ging trotz des hehren Ziels, die Versorgung zu verbessern, in den Keller.
Dabei konnte sich das Konzept sehen lassen: Angestellte Fachärzte aus den Bereichen Innere Medizin, Orthopädie, Gynäkologie, Neurologie, Kinder- und Jugendmedizin, Psychotherapie und anderen Fachrichtungen arbeiten unter einem Dach zusammen und greifen auf eine Patientenakte zu. So soll den Versicherten eine aufeinander abgestimmte Versorgung mit möglichst kurzen Wartezeiten, ohne Doppeluntersuchungen und hohem Service geboten werden. TK-Versicherte wurden bevorzugt behandelt, für sie gab es separate Wartezonen. Um den Patienten auch außerhalb des Zentrums eine abgestimmte Versorgung bieten zu können, zeigte sich der Betreiber an einer engen Zusammenarbeit mit Therapeuten interessiert. „Für solche Praxen könnte das Atrio-Med auch Empfehlungen aussprechen, allerdings bleibt der Patient frei in seiner Entscheidung“, sagte Schwabe damals. Verbindliche Kooperationsverträge etwa für eine bestimmte Patientenzahl waren nicht geplant.
Keine Resonanz bei kooperierenden Therapeuten
Wer als Therapeut auf starke Nachfrage aus den Zentren hoffte, sah sich aber meist enttäuscht. Denn das Patienteninteresse im Zentrum selbst ist von der Resonanz unter den zuweisenden Hausärzten abhängig – und die Ärzte zeigten sich von dem Konzept nicht angetan. Daran hatte auch die KV in Hamburg gehörigen Anteil. Obwohl die Kasse stets betont hatte, das Atrio-Med nicht als Konkurrenz, sondern als ergänzendes Angebot zu begreifen, hagelte es Kritik. Für Verärgerung sorgte, dass der Betreiber die für das MVZ notwendigen Kassenarztzulassungen in der ganzen Stadt aufkaufte – mit der Folge, dass in manchen Stadtteilen Versorgung zu Gunsten des MVZ-Standortes ausgedünnt wurde. Das MVZ aber steht in der ohnehin gut versorgten Stadtmitte. Die KV bezeichnete Atrio-Med in Hamburg damals als „nicht willkommen“.
Die TK schweigt sich über die Gründe für die Kündigung der Verträge aus. Auch die Atrio- Med Betreiber lehnen jede Aussage ab. Das Bundesversicherungsamt (BVA) hatte nach einer Prüfung der Verträge zwischen TK und HCM nichts zu beanstanden. Die weitere Zukunft der Atrio-Med-Zentren steht nun in den Sternen. Die Kassenärztliche Vereinigung in Hamburg geht bereits davon aus, das das MVZ in dieser Form nicht mehr lange bestehen bleibt. Therapeuten sollten die Entwicklung schon deshalb aufmerksam weiter verfolgen, weil die ärztliche Körperschaft der TK das Angebot unterbreitet hat, jetzt einen neuen, gemeinsamen Anlauf zu unternehmen, um die Idee einer integrierten und interdisziplinären Versorgung umzusetzen. In welcher Form dabei die therapeutische Versorgung einbezogen wird, ist derzeit völlig offen.
Tags: Ärzte, Ergotherapie, Integrierte Versorgung, Kooperation, Krankenkasse, MVZ, Physiotherapie

Neue Chance, neue Gefahren! Nicht nur dass die wirtschaftliche Entwicklung zu Beginn eines MVZ sehr wackelig ist, sondern auch das Kräfteverhältnis bei in Betriebnahme einer solchen Gemeinschaft kann in Alträumen enden! Ich habe bereits von zwei MVZ gehört, in denen Physiotherapeuten sehr engagiert die Planung und Organisation eines MVZ mitgetragen haben, aber durch die höheren Gesellschaftsanteile der Ärzte, dann im Laufe des ersten Betriebs- jahres rausgekickt wurden. Sehr ärgerlich, da in beiden Fällen die gesamte berufliche Existenz in der MVZ GMBH verblieb!