News
10.06.2010
Ein Leser bewertete diesen Beitrag als interessant. Als interessant bewerten.
Beitrag versenden  |  Artikel drucken

Chronische Rückenschmerzen

Trainingsprogramme reduzieren Fehlzeiten

Die Diskussion um die Frage, ob körperbezogene Trainingsprogramme die Krankmeldung von Erwerbstätigen mit Rückenschmerzen senken, will nicht enden. Auf der Grundlage aktualisierter Cochrane-Reviews und weiterer Studien haben Wissenschaftler jetzt herausgefunden, dass solche Programme für subakute und chronische Rückenschmerzpatienten einen positiven Effekt auf die Fehlzeiten haben können.

Die Wissenschaftler machten aber gleichzeitig deutlich, dass weitere Forschungsarbeiten nötig seien. Zusammenfassend wiesen sie darauf hin, dass vor allem die Heterogenität der Studien, was Art und Dauer der Intervention, einbezogene Beschäftigten-Gruppe, Art der Beschwerden, Zeitpunkt der Erfolgskontrolle es erschwere, eine fundierte Bilanz zu ziehen.

Boom von Trainingsprogrammen

In den letzten Jahren hatten zahlreiche Studien den gesundheitlichen Nutzen solcher Programme gegenüber konventioneller Therapie bestätigt. Die Cochrane-Studie aus dem Jahre 2003 war zu dem Schluss gekommen, dass körperliche Trainingsprogramme in Kombination mit kognitiver Verhaltenstherapie für Arbeitnehmer mit chronischen Rückenschmerzen überaus erfolgreich seien. Fazit der 18 seinerzeit bilanzierten Studien: Solche eng mit Arbeitsplatz und Betrieb verknüpften Interventionen würde die Dauer der Arbeitsunfähigkeit im Schnitt um 45 Tage in einem Jahr senken. Dies führte seither zu einem Boom entsprechender Interventionen.

Parallel dazu gab es aber auch immer wieder Veröffentlichungen, die diesen eindeutigen Zusammenhang in Frage stellten. Daher haben die Cochrane-Forscher erneut die früheren Studien überprüft und weitere randomisierte Kontrollstudien mit einbezogen, in denen männliche und weibliche Erwerbstätige mit körperlichen Einschränkungen aufgrund von Rückenschmerzen Trainingsprogramme absolviert hatten. Unterschieden wurden dabei akute Rückenschmerzen (akute Symptome, Dauer seit weniger als 6 Wochen), subakute (Dauer 6-12 Wochen) und chronische (Dauer über 12 Wochen). In den 23 Studien waren 3.676 Beschäftigte erfasst worden.

Die körperlichen Übungen waren sehr unterschiedlich. Es gab solche, die speziell auf muskuläre und/oder neurologische Fähigkeiten zielten, aber auch solche, die die Körperkraft, Ausdauer und Atmung verbessern sollten, sowie Rückenschulen oder Techniken zum Umgang mit Schmerzen. Dabei galten als Erfolgskriterien: Der Zeitpunkt zwischen Intervention und Rückkehr zur Arbeit, der Krankmeldungsstatus zu einem definierten Zeitpunkt sowie der Zeitpunkt bis zu einer Veränderung der Arbeitsanforderungen.

Wirksamkeit nach wie vor ungewiss

Fazit: Die Wirksamkeit von körperbezogenen Trainingsprogrammen zur Verringerung von Krankmeldungen bleibt ungewiss. Bei Arbeitnehmern mit akuten Rückenschmerzen gab es keine Auswirkung auf krankheitsbedingte Fehlzeiten. Bei Erwerbstätigen mit subakuten Rückenschmerzen waren die Ergebnisse widersprüchlich, aber eine Analyse von Subgruppen legte den Schluss nahe, dass Programme, in denen auch die Arbeitsanforderungen verändert wurden, möglicherweise einen positiven Effekt haben können. Bei Beschäftigten mit chronischen Rückenschmerzen gab es aus fünf Studien Hinweise, dass auf längere Sicht gesehen (12 bis 18 Monate) ein positiver Einfluss auf die Krankmeldungen deutlich wird.

Kostenloses Abstract: Schaafsma F, Schonstein E, Whelan KM, et al. Physical conditioning programs for improving work outcomes in workers with back pain

Oder: Cochrane Database Syst Rev. 2010 Jan 20;(1):CD001822. (Review)

Tags: , , , , ,

Schreiben Sie uns einen Kommentar

* = Pflichtangabe