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22.07.2010
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Gesundheitsinformation im Internet

Netzwerker, Smarte, Forscher und Co

Das Internet und so genannte Soziale Medien wie Facebook und Twitter werden auch für Patienten von Therapeuten immer wichtiger. Sie diskutieren dort über Leistungserbringer und Therapien, loben und kritisieren. Eine Studie gibt Aufschluss darüber, wer sich im Netz wie informiert.

© Günter Menzl - Fotolia.com

Die von der Kommunikationsagentur MS&L und dem Marktforschungsinstitut SKOPOS vorgestellte Gesundheitsstudie (n=1000)  zeigt, wie intensiv sich die Nutzer heute im Netz über Gesundheitsthemen austauschen. Danach informieren sich zwei von drei Personen online aktiv zum Thema Gesundheit. Aus diesem Personenkreis gaben vier von fünf Nutzern an, sich auch ohne konkreten Anlass im Internet über Gesundheitsthemen zu informieren. Für die klassischen Medien Fernsehen, Print und Radio gaben dies nur 55 Prozent an.

Gesundheitsportale besonders beliebt

Im vielfältigen Angebot werden Gesundheitsportale (zu 55 Prozent), Gesundheitsforen und -communities (41 Prozent) sowie spezielle Blogs (20 Prozent) genutzt. Sie erreichen Zufriedenheitswerte zwischen 47 und 57 Prozent. Hohe Zufriedenheit besteht auch mit den Internetangeboten von Krankenkassen, Online-Apotheken, gemeinnützigen Organisationen und Ministerien. Geringe Zufriedenheitswerte erreichten die Seiten von Pharmafirmen und von Bewertungsportalen von Leistungserbringern. Das höchste Vertrauen erreichten Seiten mit Beratungsangeboten von Ärzten, gefolgt von Krankenkassen und Gesundheitsportalen. Wenig Vertrauen haben die Nutzer dagegen in Internetseiten von Pharmaunternehmen und in Blogs, die sich mit Gesundheit beschäftigen.

Die meisten Menschen nutzen das Internet als Informationsquelle, um Daten und Fakten zu Krankheiten zu erhalten, gefolgt von dem Wunsch, Informationen über Medikamente zu erhalten und nach Rat bei gesundheitlichen Problemen. Rund jeder vierte Onlinenutzer, der sich aktiv um Gesundheitsthemen kümmert, sucht nach Daten und Fakten zu neuen Therapien. Als Vorteile der Internetrecherche gaben die Nutzer an, dass sie nicht an Zeiten gebunden sind, dass die Informationen umsonst sind und dass sie auf Seiten verschiedener Institutionen zurückgreifen können.

User fühlen sich besser informiert

Rund jeder zweite Online-Nutzer fühlt sich nach der Suche im Internet besser informiert. Jeder dritte sieht sich in der Lage, Informationen besser zu bewerten und viele von ihnen geben an, neue Therapien kennen gelernt zu haben. Weniger als 20 Prozent stellen ihre Verhaltensweisen um. Weitere Ergebnisse: 57 Prozent gleichen die Informationen aus dem Internet mit weiteren Quellen ab. 46 Prozent achten auf Leserbewertungen bzw. Kommentare anderer Nutzer. Genauso viele meiden grundsätzlich Quellen, die ein kommerzielles Interesse haben.

Wer aber sind die Nutzer, die sich im Internet über ihre ernstzunehmenden oder vermeintlichen Erkrankungen austauschen? Die Studienautoren haben dazu eine Typologie entwickelt, die die wichtigsten Akteursgruppen im Gesundheitsweb wie folgt: identifiziert:

  • Netzwerker (= 26 Prozent): Netzwerker sind vor allem weiblich, jung (18 – 39 Jahre), aktiv, selbstbewusst und offen für alles, was das Web bietet: Foren, Chats, Diskussionen. Teil einer Gemeinschaft zu sein und sich aktiv einzubringen steht ganz oben auf der Agenda der Netzwerkerin.
  • Smarte (= 17 Prozent): Ähnlich wie die Netzwerkerin, aber auf höherem Bildungsniveau und mit einem deutlich kritischeren Blick auf die Absender der Gesundheitsinformationen, so kann die überwiegend weibliche und junge Smarte beschrieben werden. Der Wunsch nach besseren Informationen zu Gesundheitsthemen, die kritisch hinterfragt und überprüft werden, und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein und das kollektive Wissen zu nutzen, kennzeichnen ihr Nutzungsverhalten im Web.
  • Forscher (= 16 Prozent): In den besten Jahren und mit hoher formaler Bildung durchstreifen die überwiegend männlichen Forscher das Netz und sind vor allem auf der Suche nach Informationen zum Thema Gesundheit. In einer Gemeinschaft mit anderen zu sein, sich auszutauschen, ist für sie nicht wichtig. Eher schon die Qualität der Quellen, die sie nutzen, denn wird es kommerziell, erlahmt der Forscherdrang.
  • Beobachter (= 15 Prozent): Zu finden in allen Bildungsschichten – vor allem bei den 40 bis 49-Jährigen. Passiv und eher zurückhaltend, so könnte man das Engagement des Beobachters im Web am besten umschreiben. Er weiß, was Foren und Blogs sind, und schaut sich auch den einen oder anderen Beitrag an, aber selbst zum Autor in Sachen Gesundheit zu werden, das ist ihm fremd – da verlässt er sich lieber auf die Empfehlungen und Bewertungen anderer.
  • Zaungast (= 13 Prozent): Beobachten das Geschehen aus sicherer Entfernung, denn eine aktive Beteiligung an der Diskussion von Gesundheitsthemen im Web kommt für sie nicht in Frage. Der Zaungast, der meist nur über einen mittleren Bildungsgrad verfügt, ist eher männlich als weiblich, älter als 40 Jahre und in vielen Fällen verheiratet.
  • Traditionalist (= 13 Prozent): Meist älter als 50 Jahre, besitzt einen formal eher niedrigen Bildungsgrad und lebt in einer festen Partnerschaft. Web-Anwendungen nutzt der Traditionalist – wenn überhaupt – nur selten. Er verlässt sich auf den Arzt, den er regelmäßig konsultiert und auf die Online-Angebote von Krankenkassen, Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsendern, denn denen vertraut er.

Die Typologien soll es Unternehmen und Institutionen einfacher machen, zielgenau die richtigen Personen im Netz anzusprechen, wenn es um Dialog in den Sozialen Medien geht.

Die komplette Studie unter: www.virtuelles-wartezimmer.de

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