Rehabilitation nach Schlaganfall
Neues Konzept für Kooperation
Die AOK Baden-Württemberg und die Universität Heidelberg wollen ab Herbst 2010 ein neues Untersuchungskonzept zur Rehabilitation nach Schlaganfall testen. Das gab der Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, Dr. Rolf Hoberg, auf dem 1. Fachkongress für Rehabilitationsforschung und Versorgungsmanagement am 6. Juli 2010 in Berlin bekannt. Therapeuten kommen in diesem Konzept allerdings nicht vor.
Ziel des Praxistests sei eine individuell auf den Einzelnen zugeschnittene Reha, die helfe, die Krankheitsdauer insgesamt zu verkürzen und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden, erklärte der Vorstandschef. Die Rehabilitation älterer Schlaganfallpatienten soll in Zukunft mit einem umfassenden Arztgespräch zusätzlich zu einer intensiven Untersuchung dieses Ziel erreichen. Dabei bemängelte Hoberg die zurzeit fehlende Transparenz und Vernetzung der Rehabilitation mit der Krankenhausbehandlung und der Häuslichen Krankenpflege und betonte: Aus der Abseitsfalle komme die Rehabilitation nur durch ein deutlich besseres Zusammenspiel zwischen medizinischer Behandlung und Prävention heraus. Die Vernetzung und Kooperation mit Physio- und Ergotherapeuten erwähnte Hoberg allerdings nicht.
Anlass des aktuellen Praxistests waren die Ergebnisse der Studie „ARISE“ (Angewandte Rehabilitationsforschung Interdisziplinäre Schlaganfall Erhebung), die vom Institut für Gerontologie an der Universität Heidelberg erstellt wurde. „Die Studie hat eindeutig gezeigt, dass bei der Entscheidung, ob und welche Rehabilitationsleistungen Schlaganfallpatienten erhalten sollen, das Lebensalter nur eine untergeordnete Rolle spielt. Körperliche, psychische und kognitive Merkmale müssen unbedingt mit berücksichtigt werden, um eine schnellstmögliche und vor allem dauerhafte Genesung zu erreichen“, sagte der Leiter des Instituts, Professor Dr. Andreas Kruse in Berlin. Diese Merkmale erkenne der Arzt jetzt im Assessment und könne dann seine Entscheidung viel besser als bisher individuell auf seinen Patienten zuschneiden.
Hintergrund des Untersuchungskonzeptes sind die explodierenden Kosten in der Pflege. Bis 2020 würde die Zahl der über 80järhigen um rund 50 Prozent ansteigen, so Hoberg. Das bedeutet Mehrausgaben von 28 Milliarden Euro für die Krankenkassen. Statt alte Menschen in die Pflege abzuschieben, sollten deren körperliche, psychische und kognitive Merkmale durch eingehende Untersuchungen identifiziert und bei der Reha berücksichtigt werden. Nur so könne eine schnelle und dauerhafte Genesung erreicht werden, forderte der AOK Chef und stellte klar: Weder Staat noch Krankenkassen könnten diese Summe ohne weiteres aufbringen. Erstrebenswert sei es deshalb, ein Leben bis ans Ende möglichst lange ohne schwere Krankheiten führen zu können.
Kontakt: AOK Baden-Württemberg
Heilbronner Straße 184
70191 Stuttgart
Tel.: 0711 2593-0
E-Mail: info@bw.aok.de

