Immunreaktion statt Nervenquetschung
Die Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall werden nicht durch gequetschte Nerven im Rückenmark ausgelöst, sondern durch eine entzündliche Reaktion des Immunsystems. Darauf deutet eine neue US-Studie hin, die auch bei gesundem Bandscheibengewebe Entzündungsstoffe entdeckt hat.
Sollten sich die Ergebnisse der Studie, die in der Fachzeitschrift „Arthritis and Rheumatism“ erschienen ist, bestätigen, könnten neue Medikamente entwickelt werden, die gezielt die Immunreaktion bekämpfen, hoffen die US-Forscher um Mohammed Shamji von der Duke Universität in Durham, North Carolina.
Shamji und sein Team hatten für ihre Studie gesundes Bandscheibengewebe mit erkranktem verglichen. Fazit: Es konnten in beiden Geweben klare Anzeichen für eine Entzündungsreaktion nachgewiesen werden. Ferner konnten die Wissenschaftler auch den mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für diese Reaktion identifizieren, sogenannte Th17-Zellen, eine Gruppe von T-Zellen, die unter anderem an Autoimmunerkrankungen beteiligt ist. Diese Abwehrzellen treten offenbar dann in Aktion, wenn das austretende Kernmaterial nicht als körpereigen erkannt wird. Der Körper reagiert genauso wie auf Bakterien und löst eine Abwehrreaktion aus, um das fremde Material zu zerstören. Die dabei ausgelöste Entzündung greift auf die Nervenwurzeln des Rückenmarks über und lässt sie anschwellen.
Sollte es den Forschern gelingen, die Th17-Zellen zu blockieren, könnte man die Schmerzen wirksam bekämpfen und vermutlich auch einen schlimmeren Verlauf eines Bandscheibenvorfalls abwenden. Bis ein solcher Th17-Blocker allerdings zur Verfügung stehe, werde es wohl noch dauern – bislang gibt es noch keine klinischen Studien.
Studie in Arthritis and Rheumatism: Online-Veröffentlichung, doi: 10.1002/art27444
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