Individuelle Förderung
Mit Screening Entwicklungsstörungen erkennen
Kita-Kinder an der Ostsee werden einem Screening zur Erkennung von Entwicklungsstörungen unterzogen. Das Modellprojekt stößt bei den Erzieherinnen auf positive Resonanz.
„Auch in unserem Bundesland weisen viele Kinder bei der Einschulungsuntersuchung Entwicklungsverzögerungen auf. Daher ist es sinnvoll, möglichst frühzeitig im vorschulischen Bereich präventiv tätig zu werden. Dies erfordert jedoch verlässliche Informationen über die kindliche Entwicklung“, sagte Wolfgang Hoffmann vom Institut für Community Medicine an der Universität Greifswald.
Hoffmanns Institut führt das 2008 gestartete und vom Landessozialministerium finanzierte Modellprojekt „Kinder in Kitas“ (KiK) durch. KiK soll zur Weiterentwicklung der individuellen Förderung in Kitas in Mecklenburg-Vorpommern beitragen. Das auf 2 ½ Jahre angelegte Modellprojekt umfasst rund 1.000 drei- bis sechsjährige Kinder und rund 200 Erzieherinnen aus zwölf Kitas in den Städten Greifswald, Stralsund, Wismar sowie in den Landkreisen Ostvorpommern, Uecker-Randow und Demmin.
Nach Angaben Hoffmanns bewerten über 97 Prozent der befragten Erzieherinnen das für sie im Alltag leicht umzusetzende Testverfahren als hilfreich zur Erkennung von Entwicklungsgefährdungen. Im Projekt werden mit Hilfe eines standardisierten Testverfahrens (Screening) individuelle Stärken und Schwächen der Kinder in den Bereichen Motorik, Sprache, Kognition (Gedächtnisleistungen, Problemlösefähigkeiten, abstraktes Denken) und soziale Entwicklung untersucht. Die Aufgaben im Screening sind nach Angaben des Instituts kindgerecht gestaltet und in ein so genanntes Zirkusspiel integriert.
Dabei wird u.a. überprüft, ob ein Kind mit einem Stift ein vorgezeichnetes Kreuz nachfahren kann, ob es in der Lage ist, einen Ball zu fangen und ob es ihm gelingt, die Silben eines Wortes zu klatschen. Das Screening übernehmen zuvor geschulte Erzieherinnen. Ein sich anschließendes Übungsprogramm soll den Kindern helfen, individuell vorhandene Kompetenzen zu stärken und Defizite abzubauen. Eltern werden über die Ergebnisse zum Entwicklungsstand des Kindes informiert. Wenn ein besonderer individueller Förderbedarf
festgestellt wird, werden sie über Hilfsangebote durch die pädagogischen Fachkräfte unterrichtet. Hilfsangebote und Fördermaßnahmen sollen durch die Kindertageseinrichtung eingeleitet werden, bei der Inanspruchnahme sollen die Eltern begleitet und unterstützt werden. Nach einem Jahr werden die Kita-Kinder nochmals untersucht, um die Wirksamkeit des Verfahrens zu analysieren.
Offen ist derzeit, ob das Projekt später landesweit ausgedehnt wird. Das Greifswalder Institut betonte, dass es beim Screening nicht um „Fehlerfahndung“ gehe, sondern um optimale Förderchancen für die Kinder. Vor einer Entscheidung über die Ausdehnung müssen die Ergebnisse des Modellprojekts abgewartet werden, die im kommenden Jahr vorgestellt und öffentlich diskutiert werden sollen.
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