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Kein Direktzugang für Therapeuten geplant

Antwort der Bundesregierung auf kleine Anfrage

Kein Direktzugang für Therapeuten geplant

Die Bundesregierung plant derzeit nicht, einen Direktzugang der Patientinnen und Patienten zur Physiotherapie ohne vorherigen Arztbesuch und ohne ärztliche Heilmittelverordnung zu ermöglichen. Das ist die Antwort auf eine entsprechende kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE an die Bundesregierung. Dabei wird deutlich, dass die Voraussetzungen für einen Direktzugang erst noch geschaffen werden müssen – etwa was Berufsausbildung und Wirtschaftlichkeitsgebot betrifft.

up 03-2011
Fotocredit: bilderdienst.bundestag.de

In einer kleinen Anfrage (Drucksache 18/6974) hatten sich verschiedene Abgeordnete der Fraktion DIE LINKE danach erkundigt, inwieweit die Bundesregierung plane, einen Direktzugang zur Physiotherapie zu ermöglich. Dabei stützen sich die Fragesteller auf aktuelle Studien sowie Erfahrungen mit dem Direktzugang in anderen Ländern.

In ihrer Antwort macht die Bundesregierung deutlich, dass man derzeit nicht plane, einen Direktzugang zur Physiotherapie zu schaffen: „Die Vorgabe, dass in Deutschland Heilmittel nur auf ärztliche Verordnung abgegeben werden dürfen, soll Gesundheitsgefahren für die Patienten ausschließen“, so die Bundesregierung in ihrer Antwort. Damit beschreibt die Antwort ziemlich genau die Intention des Heilpraktikergesetzes und ist damit inhaltlich nicht wirklich zu beanstanden. Darüber hinaus seien die Qualifikation zur Differentialdiagnose und „die dafür erforderlichen medizinischen Kenntnisse und Fähigkeiten“ nicht Teil der Ausbildung von Physiotherapeuten – eine Auffassung, die auch viele Therapeuten teilen.

Weiter weist die Bundesregierung darauf hin, dass der Arztvorbehalt bei Heilmittelverordnungen auch der Mengensteuerung innerhalb der GKV diene: „Durch die Vorgaben der Heilmittelrichtlinie und die Kontrollmöglichkeiten der Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen sind die Vertragsärzte unmittelbarer dem Wirtschaftlichkeitsgebot der GKV unterworfen als die Heilmittelerbringer.“ Damit spricht die Bundesregierung in ihrer Antwort ein zentrales Problem eines möglichen Direktzugangs an: Wie wird die Wirtschaftlichkeit der Heilmittelversorgung gesteuert?

Und bei der Beantwortung der Fragen zur Studienlage und den Erfahrungen aus anderen Ländern wird sehr schnell deutlich, dass es noch einiger Anstrengungen bedarf, um das Thema Direktkontakt in Deutschland rechtlich umzusetzen. Nicht ganz zu Unrecht merkt die Bundesregierung an, dass die Sozialversicherungssystem in anderen Ländern eben auch vollkommen andere Rahmenbedingungen schaffen, mithin also eine einfache Übertragung von Erfahrungen anderer Länder auf Deutschland nicht möglich sei. Was das Dilemma aller Therapeuten in Deutschland noch einmal auf den Punkt bringt: Es fehlen akzeptabele Studien für den Nachweis der Wirtschaftlichkeit der Heilmittelversorgung in Deutschland.

Schade, dass die Fragesteller an dieser Stelle nicht noch eine Frage mehr gestellt haben, nämlich nach der Höhe des Betrages, den die Politik beziehungsweise die Kassen für Heilmittel-Versorgungsforschung in den vergangenen zehn Jahren ausgegeben haben. Die Antwort darauf wäre ernüchternd und würde den Stellenwert der Therapie verdeutlichen: Versorgungsforschung zum Thema Heilmitteltherapie findet in Deutschland viel zu wenig statt und solange sich das nicht ändert, wird sich auch beim Thema Direktzugang nichts ändern.

Service: Die Antwort der Bundesregierung können up|plus – Kunden bei der Hotline abfragen, wir schicken Ihnen dann im PDF-Format zu.

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