Ausgabe up 12-2017 | Rubrik Branchennews

Urteil: Craniosacrale Therapie auf Verordnung erlaubt

vom: 05.12.2017

Die Werbung für die Craniosacrale Therapie kann auch ohne Heilpraktikererlaubnis erlaubt sein – jedenfalls dann, wenn eine Verordnung vorliegt. Das hat kürzlich das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main (Aktenzeichen: 6 U 140/17) entschieden.

Im vorliegenden Fall hatte eine Physiotherapeutin damit geworben, die Craniosacrale Therapie nach Upledger abzugeben. Zwar erfülle die Anwendung dieser Therapie „unstreitig den Begriff der Ausübung von Heilkunde im Sinne von § 1 Heilpraktikergesetz (HeilPrG)“, so die Richter. Eine unmittelbare Gesundheitsgefährdung gemäß der verfassungsrechtlichen Gründe habe jedoch nicht bestanden (Bundesverfassungsgericht, Aktenzeichen: 1 BvR 1226/06).

Bei diesem Urteil des OLG Frankfurt hat nach Aussage eines von up befragten Experten erstmals ein Therapeut Recht bekommen. Es sei allerdings kein Urteil des Bundesgerichtshofes und gelte daher nur für den Gerichtsbezirk Frankfurt. Es werde sich zeigen, ob andere Gerichte außerhalb Frankfurts diesem Urteil folgen werden.


Bildnachweis: iStock, Nik01ay

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  • – Am 23.11.2017 gibt es eine Rechtsprechung vom BVerfG am 20.03.2007. Bei diesem Fall wurde die „Gefährlichkeit“ von „Geistheilern“ beurteilt: nicht gefährlich.
    – In Düsseldorf wurde am 8.09.2015 vom OLG in Düsseldorf entschieden, dass die Osteopathie nur von Personen mit einer Heilpraktiker-Erlaubnis durchgeführt werden dürfe.

    – Am 23.11.2017 entscheidet das OLG Frankfurt nun, dass die Craniosacrale Therapie doch nicht so gefährlich sei, wenn auf ärztliche Anordnung gearbeitet würde. Zur Begründung wird die Rechtsprechung, die die Gefährlichkeit der Geistheiler beurteilt s.o., herangezogen.

    Habe ich hier etwas falsch verstanden?

  • Sehr geehrte Damen und Herren,
    in meinem Kommentar vom 7. Januar 2018 war dann doch ein Fehlerteufel am Werk. Wahrscheinlich hat mich das Lesen der in Ihrem Artikel angegebenen Aktenzeichen konfus gemacht.
    Wäre es möglich, dass Sie die eingeschlichenen Fehler noch korrigieren? Es muss heißen:
    ….Ob der Therapeut seine Ideen durchsetzen will oder den Patienten wahrnimmt….
    Welches Gericht mag das erfassen?
    Ich danke Ihnen für Ihre Mühe und grüße Sie freundlich
    Eva-Maria Queiku-Wehrheim

  • Ob eine Therapie für den Patienten gefährlich ist oder nicht, hängt nicht so sehr von der Methode ab oder von der Qualifizierung des Therapeuten. Es geht doch vielmehr darum, ob mit dem Patienten gearbeitet wird oder über seinen Kopf hinweg. Ob der Therapeut seine Ideen durchzusetzen oder den Patienten wahrnimmt. Ob er versucht, die Lösung zu forcieren oder sich einfühlt und begleitet. Welches Gericht mag das zu erfassen?

    • Vielen Dank für Ihren Hinweis, Herr Kiefer!
      Sie haben vollkommen Recht, das Urteil ist noch keine Grundsatzentscheidung. Wir haben die Meldung noch einmal erweitert und auf die momentan eingeschränkte Aussagekraft hingewiesen.

      Beste Grüße aus der Redaktion

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