Ausgabe up 6-2018 | Rubrik Politik

Patienten brauchen selbstbestimmte Therapeuten: 2. Open-Space-Ideenkonferenz in NRW

vom: 07.06.2018

Rund 460 Millionen Menschen in der ganzen Welt haben das Recht und die Möglichkeit, Heilmittelerbringer als direkten Ansprechpartner bei Gesundheitsproblemen zu konsultieren – aber nicht in Deutschland! Höchste Zeit für Therapeuten, aktiv zu werden und ihre Zukunft selbst zu gestalten. Auf der 2. Open-Space-Ideenkonferenz finden Heilmittelerbringer fachübergreifend gemeinsame Lösungen zu den Themen Direktzugang, Qualitätssicherung und Selbstverwaltung: am 8. September 2018 in Essen.

Therapeuten investieren jedes Jahr rund 90 Millionen Euro in Fortbildungen. Vieles von dem, was sie dort lernen, dürfen sie aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen aber nur unter ärztlichem Indikationsvorbehalt bzw. ärztlicher „Anweisung“ erbringen. Patienten in Deutschland müssen also immer den Umweg über eine ärztliche Verordnung gehen.

Mittlerweile nimmt die Diskussion über den Direct-Access jedoch Fahrt auf. Sie zwingt aber alle Beteiligten auch dazu, darüber nachzudenken, welche Rahmenbedingungen Therapeuten brauchen, um im Falle eines Direktzugangs eine angemessene Qualitätssicherung umsetzen zu können. Braucht es dazu neue Strukturen? Funktioniert die aktuelle Fremdbestimmung durch GKV, Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und Ärzte? Oder ist es Zeit, selbstbestimmt die eigenen Berufsbilder weiterzuentwickeln?

Nicht von den Ärzten stoppen lassen

Die Gesundheitsministerkonferenz hat Ende 2017 beschlossen, eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe einzurichten, die bis Ende 2019 eine Reform der therapeutischen Gesundheitsfachberufe erarbeiten soll. Doch die organisierten Ärzte sind schon dabei, Einfluss auf diese Neuordnung zu nehmen. So lautet eine der zentralen Forderungen des Deutschen Ärztetags 2018: „Ärztliche Vorbehaltsleistungen dürfen nicht an nichtärztliches Personal abgegeben werden.“ Damit bestehen die Ärzte auf ihrem Verordnungsmonopol und wollen dieses auch für die Zukunft festschreiben.

Gleichzeitig finden viele Inhaber und Mitarbeiter von Physio-, Ergotherapie- und Logopädie-Praxen, dass die Interessen der Heilmittelerbringer und der von ihnen versorgten Patienten nur unzureichend in der Öffentlichkeit vertreten werden. Junge Kollegen überlegen, ob sie so weiter an der Versorgung teilnehmen wollen. Praxisinhaber erkennen, dass die Honorare trotz jüngster Steigerungen zu niedrig sind, um Kollegen zu halten. Patienten sehen sich immer wieder mit dem Problem konfrontiert, die medizinisch notwendige Verordnung auch zeitnah zu erhalten.

NRW: Es ist an der Zeit, gemeinsam zu handeln!

Veränderungen sind dringend nötig und jetzt ist in Nordrhein-Westfalen genau die richtige Zeit dafür. Denn mit Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann gibt es einen langjährigen Fürsprecher der Gesundheitsfachberufe, der in diesem Jahr den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz hat. Er steht dem Thema Selbstverwaltung der Therapeuten positiv gegenüber, lässt aber offen, wie genau diese in NRW aussehen könnte. Hier erwartet die Politik, dass die Therapeuten sich positionieren. Höchste Zeit also für alle Physio-, Ergotherapie- und Logopädiepraxen in Nordrhein-Westfalen gemeinsam neue Wege zu gehen!

Wir laden Sie ein…

zur Open-Space-Ideenkonferenz am 8. September 2018 in Essen. Dort möchten wir gemeinsam mit Ihnen fach- und verbandsübergreifend Ideen zum Thema Direktzugang und Selbstverwaltung in Nordrhein-Westfalen entwickeln: Wo stehen wir, was steht an und was ist zu tun, damit die Heilmittel in Nordrhein-Westfalen auch in Zukunft verfügbar sind? Wie können dazu die Interessen der Heilmittelerbringer effektiv durchgesetzt werden?

Ablauf der Ideenkonferenz

12:00 h Begrüßungskaffee und Posterausstellung der Vorbereitungsgruppe

12:30 h Begrüßung

12:40 h Einführung in die Konferenz – Vorstellung der Methode

12:50 h Kurzes Impulsreferat zum Thema

13:00 h Open Space – Hier legen Sie ihre Themen fest

13:30 h Workshops Runde 1

15:00 h Kaffeepause

15:30 h Workshops Runde 2

17:00 h Abschlussplenum – Präsentation der Highlights aus den Arbeitsgruppen

17:30 h Verabschiedung des Abschlussstatements

18:00 h Ausklang der Konferenz

Sie wollen teilnehmen oder haben noch Fragen?

Anmeldeformular zur kostenfreien Teilnahme sowie Antworten auf oft gestellte Fragen finden Sie auf www.zukunft-therapie.de

 

Was ist eine Open-Space-Ideenkonferenz?

Eine Open-Space-Ideenkonferenz macht es möglich, Lösungen für komplexe Themen zu finden, für die kein Einzelner die ganze Antwort hat. Es geht darum, viele Therapeuten zu aktivieren, um unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen. Dafür gehen wir in den Dialog, diskutieren und entwickeln gemeinsam zahlreiche Ideen, Vorschläge und Ansätze zu den Themen Direktzugang, Qualitätssicherung und Selbstverwaltung. Eine solche politisch unabhängige, nur von Sponsoren finanzierte Ideenkonferenz für Therapeuten kann es sich erlauben, Dinge zu benennen und Aktivitäten zu planen, die zum Beispiel ein Verband, der in politische und vertragliche Zwänge eingebunden ist, so nicht machen würde.

Hat es so etwas schon gegeben?

Ja, 2015 in Schleswig-Holstein – die Ergebnisse finden Sie unter www.zukunft-therapie.de/sh

Bildnachweis: iStock: digitalimagination

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