Ausgabe up 11-2018 | Rubrik Politik

Weniger Bürokratie und weniger Diagnosengruppen – Entwurf zur Neufassung der Heilmittel-Richtlinie

vom: 25.10.2018

Der G-BA hat Ende August den Verbänden die geplante Neufassung der Heilmittel-Richtlinie zur Stellungnahme vorgelegt. Erfahrungsgemäß haben die Stellungnahmen relativ geringen Einfluss auf die Neufassung, deswegen lohnt schon jetzt ein erster Blick auf die Änderungen, die vermutlich ab Oktober 2019 alle Praxen betreffen werden.

Der vorliegende Entwurf zur Neufassung der Heilmittel-Richtlinie soll die Nutzung des Heilmittel-Katalogs erleichtern. Der G-BA spricht in seiner Begründung von der „Reduzierung der Regelungskomplexität“. Dazu sind einige grundlegende Vereinfachungen bzw. Klarstellungen geplant. Hier ein vorläufiger, verkürzter Ausblick auf die wesentlichen Änderungen, die mit großer Wahrscheinlichkeit erst ab Oktober 2019 in Kraft treten werden:

  • Erst- und Folgeverordnung fallen weg: In Zukunft gibt es nur noch die Verordnung im Regelfall bzw. Verordnungen außerhalb des Regelfalls.
  • Das „behandlungsfreie Intervall“ von bisher zwölf Wochen vor Beginn eines erneuten Regelfalls soll ersetzt werden durch ein „verordnungsfreies Intervall“ von vermutlich 16 Wochen. Hört sich merkwürdig an, meint aber, dass 16 Wochen nach dem Ausstellungsdatum der letzten Verordnung, der Arzt einen neuen Regelfall beginnen kann.
  • Neuer Arzt, neuer Regelfall: Endlich wird klargestellt, dass Ärzte nur beim Vorliegen schriftlicher Unterlagen in einen bestehenden Behandlungsfall einsteigen müssen. Sonst gilt: neuer Arzt, neuer Regelfall.
  • Änderungen des Genehmigungsverfahrens: Krankenkassen müssen Änderungen des Genehmigungsverfahrens für VO außerhalb des Regelfalls in Zukunft 18 Wochen vor Inkrafttreten beim GKV-Spitzenverband veröffentlichen.
  • VO außerhalb des Regelfalls müssen nur noch medizinisch begründet werden, wenn es ein Genehmigungsverfahren gibt. Die Arztsoftware muss den Arzt beim Ausstellen der VO darauf aufmerksam machen.
  • Vorrangige Heilmittel: Für die Bereiche Ergo- und Physiotherapie können zukünftig bis zu drei verschiedene vorrangige Heilmittel im Regelfall verordnet werden. Optionale Heilmittel werden den vorrangigen Heilmitteln zugeordnet.
  • Doppelbehandlungen werden jetzt endlich ausdrücklich im Richtlinientext benannt.
  • ICD-10 Code wird Pflichtangabe: Die Angaben auf der Heilmittel-Verordnung werden etwas weniger und einfacher. Der ICD-10 Code inklusive Klartext wird verbindlich als Pflichtangabe mit aufgenommen. Der Begriff Indikationsschlüssel wird ersetzt durch die Diagnosengruppe.
  • Diagnosengruppen: Im Heilmittel-Katalog werden bei Physio- und Ergotherapeuten die meisten Diagnosengruppen zu größeren Einheiten zusammengefasst. So wird z.B. aus WS1 und WS2 die neue Diagnosengruppe WS. Erfreulicherweise werden dabei im Allgemeinen die höhere Gesamtverordnungsmenge des Regelfalls, hier 18 Behandlungseinheiten aus dem alten WS2, für alle Indikationen der Diagnosengruppe WS möglich.
  • Leitsymptomatik: Es gibt jetzt für alle Fachbereich des Heilmittel-Katalogs die Möglichkeit die Leitsymptomatik als Buchstaben und/oder als Klartext auf der Verordnung anzugeben. Die Auswahl der Art des Heilmittels ist unabhängig von der Leitsymptomatik.
  • Der späteste Behandlungsbeginn wird neu auf 28 Tage festgelegt. Es gibt die Möglichkeit, dringlichen Behandlungsbedarf zu verordnen, mit einem Beginn innerhalb von zehn Tagen.
  • Unterbrechung: Die Möglichkeit, eine Behandlung wegen Krankheit oder Urlaub länger als 14 Kalendertage zu unterbrechen, soll in Zukunft schon in der Heilmittel-Richtlinie einheitlich geregelt werden.
  • Einzel- und Gruppentherapie: Bisher konnten Therapeuten verordnete Gruppen- in Einzeltherapie umwandeln. Das wird in Zukunft auch umgekehrt möglich sein, dann kann auch Einzel- in Gruppentherapie umgewandelt werden.
  • Schlucktherapie: Für Logopäden gibt es die neue Leistung Schlucktherapie jetzt als eigenständige Therapie.

Fazit:

Über viele dieser Punkte dürften sich die meisten Praxisinhaber freuen, denn damit werden mehrere kritische Fragen endlich geklärt. Man darf gespannt sein, welche Änderungen die Verbände im Stellungnahmeverfahren noch durchsetzen können. Wir halten Sie über das den weiteren Gang der Neufassung der HeilM-RL auf dem Laufenden.

Bildnachweis: iStock: kyoshino

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