Ausgabe up 12-2018 | Rubrik Recht / Steuern / Finanzen

Berufsgenossenschaft ändert Tarife für Praxisinhaber: Physio-, Ergotherapeuten und Podologen zahlen mehr, Logopäden weniger

vom: 23.11.2018

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat die Inhaber von Heilmittelpraxen darüber informiert, dass ab dem 1. Januar 2019 neue Tarife gelten. Diese werden zur Folge haben, dass Inhaber von Physio-, Ergotherapie- und Podologie-Praxen zukünftig mehr Geld für den Versicherungsschutz der Berufsgenossenschaft zahlen müssen. Dagegen wird der Versicherungsbeitrag für Stimm-, Sprech- und Sprachpraxen sinken.

Den Bescheid über die Änderung des Gefahrentarifs haben alle Heilmittelerbringer erhalten, die nach § 2 Nr. 9 SGB VII pflichtversichert sind. Einige Praxisinhaber haben bereits dagegen Widerspruch eingelegt. Es gebe keine „Merkmale, die eine veränderte oder erhöhte Gefährdung meiner Person und meiner Mitarbeiter erkennen lassen“, heißt es beispielsweise in einem von mehreren Widerspruchsschreiben, die aktuell im Internet kursieren.

In einer Stellungnahme schreibt die BGW dazu, dass Physio- und Ergotherapeuten in der Vergangenheit mit risikoärmeren Unternehmensarten in einer gemeinsamen Tarifstelle geführt wurden. Doch entspräche „ihr Verhältnis aus Entschädigungsleistungen und Entgelten schon über einen längeren Zeitraum nicht mehr der niedrigeren Tarifklasse.“

Anhebung der Gefahrenklasse

Den Beiträgen liegt der sogenannte Gefahrtarif zugrunde. Den muss die BGW alle sechs Jahre neu prüfen (siehe Box Hintergrund). Durch die Anhebung gilt ab dem 1. Januar 2019 für Praxen der Physio- und Ergotherapie sowie für Podologie die Gefahrklasse 4,38 anstelle von bisher 3,74. Logopädiepraxen kommen dagegen mit 2,41 auf eine deutlich niedrigere Gefahrklasse als zuvor (3,74). Der neue Gefahrtarif wirkt sich laut BGW erstmals im Frühjahr 2020 bei der Beitragsrechnung für das Jahr 2019 aus.

Berechnung des BGW-Beitrages

Die konkrete Berechnung des zukünftigen BGW-Versicherungsbeitrags kann im Prinzip jeder Praxisinhaber selbst vornehmen. Die Berechnungsregeln werden beispielsweise in den BGW-Mitteilungen erläutert: Die Entgelte aller Beschäftigten (bzw. der Versicherungssumme) multipliziert mit der gerade veränderten Gefahrklasse mal Beitragsfuß geteilt durch 1.000 ergibt den an die BGW zu bezahlenden Betrag.
Eine Musterberechnung auf Basis der Beiträge für das Jahr 2017 (BGW-Beitragsfuß für nicht gemeinnützige Unternehmen: 2,09), umgerechnet auf 1.000 Euro Entgelt der Versicherten, sieht so aus:

Beispiel für eine Physiotherapiepraxis (gilt auch für Ergotherapeuten und Podologen)

(Gefahrtarifstelle alt: 6, neu: 7)

Nach altem Gefahrtarif:  1.000 Euro x 3,74 x 2,09 : 1.000 = 7,82 Euro

Nach neuem Gefahrtarif: 1.000 Euro x 4,38 x 2,09 : 1.000 = 9,15 Euro

Bei der Zahlung von 10.000 Euro Gehältern im Jahr beläuft sich der Beitrag auf 91,50 Euro gegenüber 78,20 Euro nach altem Tarif, bei 100.000 Euro liegt der Beitrag bei 915 Euro gegenüber 782 Euro pro Jahr.

Beispiel für eine Logopädie-Praxis

(Gehaltstarifstelle alt: 6, neu: 6)

Nach altem Gefahrtarif: 1.000 Euro x 3,74 x 2,09 : 1.000 = 7,82 Euro

Nach neuem Gefahrtarif: 1.000 Euro x 2,41 x 2,09 : 1.000 = 5,04 Euro

Für Logopäden verringert sich der BGW-Beitrag ab Januar 2019 also bei Zahlung von 10.000 Euro Gehältern im Jahr von 78,20 auf 50,40 Euro, bei 100.00 Euro liegt der Beitrag entsprechend nur noch bei 504 statt 782 Euro.

Hintergrund:

In der gesetzlichen Unfallversicherung gibt es keinen einheitlichen Beitrag. Und das hat einen Grund: Die Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Branchen sind sehr unterschiedlich. Bei der BGW sind rund 640.000 Unternehmen mit über 8,4 Millionen Beschäftigten versichert – sie arbeiten in Kliniken, Altenheimen und Friseursalons genauso wie in therapeutischen Praxen, Apotheken oder in der Fußpflege. Die Einstufung in Gefahrklassen spiegelt das spezifische Risiko eines Tätigkeitsfelds wider, einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit zu erleiden: Je höher das Risiko, desto höher die Gefahrklasse. (Quelle: bgw-online.de)

Bildnachweis: Fotolia.com: vege

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