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Heilmittelworkshop in Berlin: Therapeuten, Politik und Kassen diskutieren die Zukunft der Branche

Zu einem Workshop über die Zukunft der Heilmittelberufe hatte Dr. Roy Kühne (MdB) die Vertreter der Heilmittelverbände, Krankenkassen und Politik eingeladen. Jeweils eingeleitet durch einen Impulsvortrag bearbeiteten Kleingruppen eine konkrete Fragestellung zu den drei Themenbereichen Nachwuchs, Wirtschaftlichkeit und Zukunft der Branche. Das Ergebnis waren 18 Pinnwände voller Ideen zur Zukunft der Heilmitteltherapie und reger Austausch zwischen allen Teilnehmern.
Heilmittelworkshop in Berlin: Therapeuten, Politik und Kassen diskutieren die Zukunft der Branche
© up/Felix Zinsius

Der Verband der Ersatzkassen hatte die Räume für den Workshop zur Verfügung gestellt und Ulrike Elsner als Vorstandsvorsitzende des vdek ließ es sich nicht nehmen, persönlich die gut 50 Teilnehmer des Heilmittelworkshops zu begrüßen. Kühne als Gastgeber forderte die anwesenden Therapeuten auf, Lösungsvorschläge für die Politik zu formulieren und der Vertreter des Bundesgesundheitsministerium (BMG), Joachim Becker, Leiter der Abteilung 2, unterstrich diese Aufforderung durch den Hinweis, dass man seitens des BMG diese Veranstaltung mit Interesse begleite.

Hinweis: Videos zu allen Vorträgen sowie eine Fotodokumentation der Ergebnisse und Stimmen der Teilnehmer finden Sie unter www.up-aktuell.de/hmws

Heilmittelworkshop in Berlin: Therapeuten, Politik und Kassen diskutieren die Zukunft der Branche„Was muss in den nächsten 3 – 5 Jahren passieren, damit der Nachwuchs bleibt/kommt?“

„Nachwuchs“ war die Überschrift des Impulsvortrags von Prof. Dr. Jutta Räbiger, Mitglied im Vorstand des Hochschulverbunds Gesundheitsfachberufe e. V., die unter dem Titel „Mit der Ausbildung fängt alles an“ einen inhaltlichen Rahmen für die anschließende Gruppenarbeit lieferte. Unter der Überschrift „Was muss in den nächsten 3 – 5 Jahren passieren, damit der Nachwuchs bleibt/kommt?“ sollten Kleingruppen in einer ersten Arbeitsrunde dafür mindestens zehn Handlungsfelder identifizieren. Nach 20 Minuten erfolgte ein Wechsel, alle Teilnehmer verteilten sich an andere Arbeitsorte, neue Gruppen entstanden und die Aufgabe bestand nun darin, für die in der ersten Runde erarbeiteten Handlungsfelder festzulegen, wer für den nächsten Schritt zuständig sei. Auf www.up-aktuell.de/hmws können Sie die Ergebnisse als Fotodokumentation anschauen.

Politik, Verbände oder Therapeuten – wer ist für den nächsten Schritt zuständig?

Während das Sammeln der Themen und Handlungsfelder nach einer kurzen Schreckphase („jetzt muss ich ja konkret werden…“) meistens gut voranging, war in der zweiten Runde die Zuordnung der Themen für den nächsten Schritt schon problematischer. Wer denn für eine weitere Vergütungserhöhung zuständig sei, war ein konkretes Beispiel für eine Diskussion. Ist das die GKV, die neue Preismodelle anbietet? Sind es die Verbände, die härter verhandeln? Oder ist es die Politik, die noch engere Rahmenbedingungen setzen muss? Da kamen spannenden „Henne/Ei“-Diskussionen in Gang, zum Beispiel ob für ein positiveres Bild der Therapeuten in der Öffentlichkeit erst die Therapeuten aufhören müssten zu „jammern“ oder die Politik nicht erst einmal die Rahmenbedingungen noch besser machen müsste. In der Ergebnisdokumentation kann man erkennen, dass sich einige Arbeitsgruppen schwer getan haben mit der Entscheidung, wer als nächster aktiv werden muss.

Heilmittelworkshop in Berlin: Therapeuten, Politik und Kassen diskutieren die Zukunft der Branche„Was aus dem TSVG genau muss umgesetzt werden und was fehlt noch?“

„Unser täglich Brot…“ lautet die Überschrift des zweiten Impulsvortrags von Ulrike Elsner, die sich dem Thema TSVG und dessen Umsetzung beschäftigte. Die Zeiten für Reformen in der Heilmittelbranche wären gut, wichtig sei es jetzt, dass die Verbände geschlossen mit einer Stimme sprächen und Forderungen konkretisierten, so Elsner. Dazu boten sich im Anschluss an den Vortrag wieder die Gruppenarbeiten an. „Was aus dem TSVG genau muss umgesetzt werden und was fehlt noch?“ lautete die Frage, auf die die Teilnehmer wiederum mindestens zehn Handlungsfelder bzw. Themen finden sollten und in der zweiten, neu sortierten Arbeitsrunde erneut festlegen sollten, wer beim jeweiligen Thema den nächsten Schritt machen müsse.

Verbände von gemeinsamen Forderungen noch weit entfernt

Bei dieser zweiten Arbeitsrunde wurde sehr deutlich, dass die Krankenkassenvertreter oft sehr viel konkretere Vorstellungen über die Zukunft der Heilmitteltherapie haben als die Verbände. Oft schlugen Kassenvertreter neue Lösungen vor, zum Beispiel die Abschaffung der Zertifikate und Einführung von Minutenpreisen. In den Gesprächen und Diskussionen darüber wurde deutlich, dass manche Verbände von gemeinsamen Forderungen teilweise noch ziemlich weit entfernt sind.

Bei manchen Forderungen, gerade von Verbandsvertretern musste man sich als Beobachter schon fragen, ob sich manche Funktionäre nicht ziemlich weit von ihrer Basis entfernt haben. Die Forderung, „Zwei Klassen Therapeuten auf jeden Fall zu verhindern“, oder die These „Logopäden wollen keine Ausbildungsvergütung“ sind zwei von vielen Beispielen, bei denen der Aspekt der wirtschaftlichen Umsetzung in der ambulanten Praxis zumindest auf den ersten Blick auf der Strecke bleibt.

Auch die Ergebnisse zu diesem Themenbereich finden sich – ebenso wie der Vortrag von Frau Elsner auf www.up-aktuell.de/hmws.

Heilmittelworkshop in Berlin: Therapeuten, Politik und Kassen diskutieren die Zukunft der Branche„Was genau muss in den nächsten 5 – 10 Jahren passieren, damit die Heilmittelerbringer Verantwortung für die Versorgung tatsächlich übernehmen können?“

„Und jetzt?“ fragte Prof. Dr. Heidi Höppner, Professorin für Physiotherapie an der Alice-Salomon-Hochschule, Berlin im dritten und letzten Impulsvortrag und unterstrich, dass die heutigen Akteure in der Heilmittelbranche eine erhebliche Verantwortung hätten, die Zukunft einer ganzen Branche und auch die Zukunft der Patientenversorgung zu gestalten. Der Begriff Heilmitteltherapie wäre ihr zwar neu, so Höppner, aber ein guter Rahmen für die Themen Akademisierung und Direktzugang.

Die Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit der Frage „Was genau muss in den nächsten 5 – 10 Jahren passieren, damit die Heilmittelerbringer Verantwortung für die Versorgung tatsächlich übernehmen können?“ Erneut wurden Themen und Handlungsfelder identifiziert und in manchen Gruppen in einer zweiten Runde die für den nächsten Schritt Zuständigen festgelegt.

Kühne: Selbst aktiv werden

Kühne bedankte sich bei allen Teilnehmern für die engagierte Mitarbeit und mahnte in Richtung Therapeuten, man möge auf Seiten der Verbände nicht auf die Politik warten, sondern selbst aktiv werden und mit eigenen Konzepten auf die Politik zukommen. Damit das klappt, müssen die Verbände sich wohl noch ein wenig abstimmen, sowohl untereinander, als auch mit ihren Mitgliedern und vernünftigerweise auch mit den Nicht-Mitgliedern. Dann könnte der nächste von Kühne avisierte Workshop konkretere Ergebnisse bringen und die Verbände könnten häufiger die nächsten Schritte bei sich selbst verorten, anstatt auf Kassen und Politik zu zeigen.

Die vollständige Dokumentation des Heilmittelworkschops mit Videos der Vorträge, Fotodokumentation der Ergebnisse und Stimmen der Teilnehmer finden Sie hier.

 

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