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Wenn die Kinderbetreuung plötzlich ausfällt

Diese Rechte haben Arbeitnehmer bei Kita-Streik und Co.
7.30 Uhr morgens, der Große hat gerade das Haus in Richtung Schule verlassen, die Kleine wird gleich in der Kita abgesetzt. Die Eltern gehen zur Arbeit. So sieht bei vielen Familien ein normaler Start in den Tag aus. Doch was, wenn Schule oder Kita geschlossen bleiben, etwa weil die Lehrer streiken oder ein Magen-Darm-Virus nicht nur die Kinder, sondern auch die Mehrheit der Erzieherinnen erwischt hat?
© simarik

Allein schon aufgrund der vielen Ferien stehen berufstätige Eltern bei der Kinderbetreuung immer wieder vor einer Herausforderung. Kommt es dann auch noch zu unvorhergesehenen Ausfällen, muss häufig ein Elternteil spontan zu Hause bleiben und sich um die Kleinen kümmern. Neben den organisatorischen Problemen, die das für die Praxis mit sich bringt, stellt sich auch die Frage, ob Eltern in solchen Fällen einen Anspruch auf Freistellung haben, wie lange sie zu Hause bleiben dürfen und wie es mit der Bezahlung aussieht.

Kinderbetreuung geht vor

Dem Arbeitgeber gegenüber haben Angestellte die Pflicht, ihre Arbeitsleistung zu erbringen. Sie müssen sich aber auch um die Betreuung ihrer Kinder kümmern – und im Konfliktfall hat die Kinderbetreuung Vorrang. Das heißt: Eltern müssen sich zwar um eine Ersatzbetreuung bemühen, dürfen aber von der Arbeit fernbleiben, wenn das nicht gelingt. Als Praxischef dürfen Sie sie in diesem Fall also nicht abmahnen oder gar kündigen.

Wichtig: Mitarbeiter müssen Sie auch in diesem Fall so schnell wie möglich darüber informieren, dass sie nicht zur Arbeit kommen und Ihnen mitteilen, warum. Möglicherweise lässt sich dann eine gemeinsame Lösung finden, etwa das Kind für einige Stunden mit in die Praxis zu bringen.

Unbezahlte Freistellung oder Urlaub als Alternative

Eltern dürfen zwar zu Hause bleiben, ob sie für die Zeit der Freistellung aber bezahlt werden – wie es etwa der Fall ist, wenn ein Kind krank ist – regelt das Gesetz nicht so eindeutig. In § 616 BGB steht, dass der „zur Dienstleistung Verpflichtete […] des Anspruchs auf die Vergütung nicht dadurch verlustig [wird – Anm. d. Red.], dass er für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird.“ Wie lange eine „nicht erhebliche Zeit“ ist oder welche Gründe nicht im Verschulden des Mitarbeiters liegen, wird allerdings nicht näher definiert.

Muss ein Angestellter nun ein oder zwei Tage wegen eines kurzfristig angekündigten Streiks zu Hause bleiben, fällt das wahrscheinlich unter diesen Paragraphen und er hat Anspruch auf eine bezahlte Freistellung.

Fällt die Betreuung für längere Zeit aus oder wurde rechtzeitig angekündigt, kann dem Mitarbeiter zugemutet werden, in der Zwischenzeit eine Alternative zu finden. Gelingt ihm das nicht, kann er mit Ihnen eine unbezahlte Freistellung vereinbaren oder sich für die betreffenden Tage Urlaub nehmen.

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