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„Ich mache eine Einarbeitung, die auf die Bedürfnisse des Mitarbeiters abgestimmt ist“

Praxisinhaberin Katja Borasch über ihre Erfahrungen mit neuen Therapeuten
Katja Borasch ist Inhaberin einer kleinen Praxis mit drei Mitarbeitern. Sie berichtet, davon, wie unterschiedlich die Einarbeitungen der Therapeutinnen verlaufen sind und erklärt, warum für sie eine Einarbeitung eine sehr individuelle Angelegenheit ist, für die sie keine Pläne benötigt.
„Ich mache eine Einarbeitung, die auf die Bedürfnisse des Mitarbeiters abgestimmt ist“
© Katja Borasch

Erinnern Sie sich noch an Ihre eigene Einarbeitung? Wie haben Sie diese erlebt?

BORASCH: Das kommt auf den Einsatzbereich an. In der Klinik bin ich damals als Berufsanfängerin viel mehr mitgelaufen. In der Praxis habe ich direkt mit der Arbeit begonnen. Ich konnte natürlich Fragen stellen, aber ich habe meinen Patientenplan bekommen und losgelegt. Die organisatorische Einarbeitung lief nebenbei mit. Ich selbst mache eine Mischung aus beidem: Ich lasse mitlaufen, aber auch eigenständig arbeiten.

Arbeiten Sie mit Plänen?

BORASCH: Nein, ich glaube, das würde mich zu sehr verwirren. In meiner Praxis ist das für mich persönlich auch nicht nötig. Würde ich ein großes Therapiezentrum leiten, dann wäre das wahrscheinlich etwas anderes. Da bräuchte dann auch ich vielleicht den ein oder anderen Plan.

Bereiten Sie sich auf eine Einarbeitung besonders vor?

BORASCH: Nein, ich bin ein absoluter Bauchmensch. Ich schaue mir die Menschen an und dann geht es los. Bei uns gibt es vor Arbeitsbeginn jedoch einen Hospitationstag. An diesem Tag nehmen die neuen Mitarbeiter an unserer Teamsitzung teil, wir lernen uns alle kennen, klären organisatorische Dinge, verbringen den Tag gemeinsam und behandeln zusammen die ersten Patienten. Hier ist es mir auch einfach wichtig zu sehen: Wie arbeiten wir zusammen, wie ist der Kontakt zu einem Patienten, passen wir als Team zusammen? Spannenderweise fordern die Bewerber diese Hospitationstage auch oft selbst ein. Auch sie möchten schauen, wie es bei uns in der Praxis im Alltag läuft.

Ab dem ersten Arbeitstag laufen die Mitarbeiter dann eine Zeitlang bei mir mit. Das kann eine Woche sein, aber auch zwei oder mehr. Das hängt davon ab, wie hoch der Bedarf ist. In dieser Zeit bekommen die Kollegen dann ja auch Einblicke in die Interna, die Dokumentation, Abläufe usw..

Unterscheidet sich Ihre Einarbeitung bei verschiedenen Typen von Mitarbeitern?

BORASCH: Ja, denn mir ist wichtig, dass ich den Mitarbeiter genau da abhole, wo er gerade steht. Manchmal habe ich jemanden, der etwas mehr Begleitung, Führung und Mitlaufzeit benötigt. Dann bekommt dieser Mitarbeiter so lange Unterstützung, bis es läuft. Im Gegenzug habe ich eine Berufsanfängerin eingearbeitet, die von Anfang an meinte, es würde sie stressen, wenn ich mitlaufe. Sie wollte lieber eigenständig starten und hat dann zwischendurch immer Fragen gestellt. Eine andere Therapeutin war schon länger im Beruf und hat eigentlich alles von selbst schnell und eigenständig erledigt. Ich mache eigentlich immer eine Einarbeitung, die individuell auf den jeweiligen Mitarbeiter abgestimmt ist. So unterschiedlich ist dann auch die Zeit, die wir für eine gute Einarbeitung aufwenden.

Was sind die größten Herausforderungen bei Einarbeitungen neuer Mitarbeiter?

BORASCH: Jedes neue Teammitglied stellt einen natürlich vor neue Herausforderungen. Bei mir kommt es immer auf einen gewissen Spagat an. Es gibt immer Momente, in denen ich zu präsent bin, zu kontrollierend. Dann muss ich mich zurücknehmen, weil ich merke, dass ich sonst die Eigenständigkeit und Persönlichkeit des Mitarbeiters beeinflusse und ihm meine Vorgehensweise aufdrücke. Und in wieder anderen Situationen merke ich, dass ich mich gerade zu sehr heraushalte. Aber auch das ist etwas, was von dem Persönlichkeitstyp des neuen Mitarbeiters abhängt. Dieser Spagat zwischen Eigenständigkeit und Kontrolle ist aber auch später noch wichtig. Den muss ich im gesamten Team hinbekommen – das gilt auch für die erfahrenen Kollegen.

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