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Tanzstunden lieber im Urlaub

Wenn Sie eine neue Sportart ausprobieren oder vielleicht einen Tanz erlernen möchten, planen Sie dies für die zweite Woche Ihres Urlaubs ein. Tanzstunden am Ende einer stressigen Woche sind nämlich möglicherweise keine gute Idee bzw. rausgeworfenes Geld. Denn ein gestresstes Gehirn ist nicht gut darin, neue Bewegungen zu erlernen.
Tanzstunden lieber im Urlaub
© Vac1

Und wem können Sie für diese Erkenntnis danken? Mal wieder den lieben Mäusen – und den Forschern der Universität Bonn. Sie haben sich mit dem Zusammenhang zwischen Stress und Bewegung beschäftigt. Denn während man weiß, dass chronisch gestresste Menschen oft auch motorische Auffälligkeiten zeigen, waren die Gründe dafür noch weitgehend unbekannt.

Um den Zusammenhang aufzudecken, haben die Wissenschaftler einen Teil der Mäuse für einige Tage stressigen Situationen ausgesetzt. Sie fertigten zudem Aufnahmen vom Gehirn der Nager an, genauer, von dem Teil der Hirnrinde, die für die motorische Steuerung und das Erlernen neuer Bewegungen zuständig ist. Sie konnten so ein und dasselbe Neuron zu verschieden Zeitpunkten beobachten. „Wir konnten daher sehen, ob und wie es sich durch den Stress verändert“, erklärt Dr. Anne-Kathrin Gellner, Ärztin in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn.

Und tatsächlich zeigte sich, dass die untersuchten Neuronen nach stressigen Situationen einen Teil ihrer Synapsen verloren. Statt dass sich neue Kontakte zwischen den Nervenzellen bildeten oder bestehende gestärkt wurden – wie es bei Lernvorgängen üblich ist – verloren die gestressten Mäuse 15 Prozent ihrer Synapsen. Die Nager entwickelten motorische Defizite. Sie sollten erlernen, Futterkügelchen mit einer Pfote in ihr Mäulchen zu befördern. Nach fünf Tagen gelang dies den gestressten Mäusen bei jedem zehnten Versuch, der nicht gestressten Kontrollgruppe bei etwa jedem dritten.

Selbst die Tiere, die mit dem Stress gut umgehen konnten und kaum Auffälligkeiten entwickelten, zeigten ähnliche große Schwierigkeiten beim Erlernen der neuen Fähigkeit wie die empfindlicheren Mäuse. „Möglicherweise eignen sich motorische Tests daher sehr gut, um stressbedingte Störungen wie etwa eine Depression zu erkennen, bevor sich andere Symptome zeigen“, hofft Prof. Valentin Stein vom Institut für Physiologie II der Universität Bonn.

Die Studie wurde in der Zeitschrift Translational Psychiatry veröffentlicht.

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