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iStock: pinkypills

Mehr Zeit für TI – kein Grund zum Abwarten 

Yvonne Millar Yvonne Millar
0 4 Minuten Lesezeit

Die Pflicht zum Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI) ist für Heilmittelpraxen derzeit gesetzlich auf den 1. Januar 2026 terminiert. Das ist in weniger als drei Monaten – und viele Praxen, die bislang noch keinen TI-Anschluss haben, werden diesen Termin kaum einhalten können. Kein Problem, das ist auch gar nicht nötig. Erstens hat das Verfehlen dieses Termins keine unmittelbaren Konsequenzen. Zweitens wird der Termin sehr wahrscheinlich ohnehin verschoben.

Die Regierungskoalition hat in dieser Woche einen entsprechenden Änderungsantrag gestellt. Der Termin für die TI-Anschlusspflicht für Heilmittelerbringende soll dann der 1. Oktober 2027 sein. Eine gute Nachricht, denn damit wird all denjenigen, die TI mit Druck statt Überzeugung verkaufen wollen, endlich komplett der Wind aus den Segeln genommen.

Wer nun aber denkt, der eigenen Praxis einen Gefallen damit zu tun, wenn die TI auf der sprichwörtlichen langen Bank landet, irrt. Denn die nächsten zwei bis drei Jahre sind entscheidend für die Zukunft. Nur wer sich jetzt mit ePA und KIM beschäftigt, sorgt dafür, dass die digitale Versorgung 2028 wirklich funktioniert.

Auf die eigene Praxis bezogen bedeutet das, das Team hat Zeit, sich nach und nach an die Arbeit mit der TI zu gewöhnen, Abläufe nach und nach umzustellen – etwa weg vom Fax hin zur Arztkommunikation via KIM. Aber jede Praxis, die sich an die TI anschließt, sorgt auch dafür, dass Stolperfallen frühzeitig auffallen und Verbesserungen umgesetzt werden können, bevor es dann 2028 mit der elektronischen Heilmittelverordnung (eHVO) losgeht.

Die Digitalisierung der Heilmittelverordnung war auch für uns ein wichtiges Thema in dieser Woche. Am Dienstag haben Ralf und Björn im up-webcast vorgestellt, welche Herausforderungen noch zu meistern sind, damit die elektronische Heilmittelverordnung eine Erleichterung für die Praxen bringt und nicht alte Probleme digital fortschreibt. Wenn Ihr nicht live dabei wart, könnt Ihr Euch hier die Aufzeichnung anschauen. Als Gast war Hannes Neumann, Productmanager bei der gematik, mit dabei und hat uns einen Einblick hinter die Kulissen gegeben.

Wie wir wissen, ist der Startschuss für die eHVO bereits gefallen. Die gematik hat die GKV, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die maßgeblichen Heilmittelverbände schon im September an einen Tisch geholt, um über die Spezifikationen der eHVO zu sprechen. Bereits jetzt werden also die Weichen dafür gestellt, wie Eure Arbeit ab 2028 aussehen wird. Das Ziel muss sein, nicht nur die derzeitigen Verordnungs- und Abrechnungsprozesse zu digitalisieren, sondern sie vorab so anzupassen, dass Praxen Verordnungsanpassungen, Zuzahlungsmanagement, Abrechnung etc. mit minimalem Aufwand durchführen können.

Darüber, an welchen Stellschrauben dafür gedreht werden muss, hat Ralf im up-podcast mit Thomas Ballast, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Techniker Krankenkasse, gesprochen. Dabei hat Ballast einen sehr treffenden Vergleich angestellt: Wir sind nicht von alten Nokia-Handys auf Smartphones umgestiegen, weil uns jemand gezwungen hat, sondern weil wir gemerkt haben, es ist besser, komfortabler und macht uns das Leben leichter. So sollte es auch mit der Telematikinfrastruktur und der Digitalisierung allgemein sein.

Mein Highlight der Woche hat auch mit Digitalisierung zu tun, aber nicht mit TI, sondern KI, also Künstlicher Intelligenz: die 6. KI-Landeskonferenz, die gestern in Lübeck stattfand. Es war interessant zu sehen, welche KI-Tools schon eingesetzt werden können und sogar in Notaufnahmen getestet werden. In Zukunft könnte es zum Beispiel so ablaufen, dass Patient:innen die Notaufnahme betreten und an einem Bildschirm ihre Beschwerden eintragen. Mithilfe der Informationen und Kameraaufzeichnungen kann eine KI dann eine Ersteinschätzung vornehmen.

Die KI kann Ärztinnen und Ärzte zudem bei der Anamnese und Dokumentation unterstützen. Einig waren sich auf der Konferenz alle: Die KI soll die Menschen in der Therapie nicht ersetzen. Sie soll unterstützen, entlasten und Möglichkeiten bieten, die Menschen in dem Tempo und bei der Menge, zum Beispiel bei der Auswertung von Daten, einfach nicht leisten können. Wenn Ihr Euch selbst einen Eindruck verschaffen möchtet, findet Ihr hier die Aufzeichnung des Livestreams der Veranstaltung.

Und zum Schluss möchte ich Euch nochmal auf unsere neue App hinweisen. Im Google Play Store sowie im Apple App Store könnt Ihr Euch unsere App „up – unternehmen praxis“ jetzt ganz einfach herunterladen und das Magazin jederzeit und überall ganz bequem auf dem Smartphone lesen oder Euch sogar vorlesen lassen. Noch Fragen? Dann findet Ihr hier weitere Infos. Viel Spaß mit der digitalen up.

Herzliche Grüße

Eure Yvonne Millar

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