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Canberk-Sezer

Physiotherapie: Höhere Vergütung – aber Preise sind nicht das größte Problem

Yvonne Millar Yvonne Millar
0 5 Minuten Lesezeit

Ab 1. Januar 2026 steigt die GKV-Vergütung für physiotherapeutische Leistungen. Darauf haben sich die maßgeblichen Berufsverbände und der GKV-Spitzenverband geeinigt – diesmal ganz ohne Einsatz der Schiedsstelle. Der Vorteil: Die Preiserhöhung kommt pünktlich zum 01.01.2026. Es wird kein Auf und Ab bei den Preisen geben, um entgangene Erhöhungen auszugleichen, die durch verspätete Einigungen zustande gekommen sind. Wir erinnern uns hier an das Frühjahr 2025 in der Physiotherapie oder auch den Spätsommer 2025 in der Ergotherapie.

Die Preiserhöhung bedeutet für Praxisinhaber:innen höhere Einnahmen. Das nehmen Mitarbeitende oftmals zum Anlass für Gehaltsverhandlungen. Doch was ist fair? Und wie viel kann die Praxis überhaupt zahlen? Wenn Ihr bei den Antworten auf diese Fragen Unterstützung braucht, seid Ihr im Seminar „Die richtigen Gehälter in der Heilmittelpraxis zahlen“ genau richtig. Schon am kommenden Mittwoch, den 3. Dezember 2025 geht es darum, wie Ihr mit den richtigen Kennzahlen Eure Personalkosten steuern, faire Gehälter zahlen und Mitarbeitende so an die Praxis binden könnt.

Wie wichtig die Mitarbeiterbindung für den Erfolg Eurer Praxis ist, unterstreicht eine gerade veröffentlichte Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zum Fachkräftemangel. Im Branchenvergleich ist das Gesundheitswesen am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen. Mehr als 46.000 offene Stellen konnten im Jahr 2024 nicht besetzt werden. Spitzenreiter innerhalb des Gesundheitswesens ist die Physiotherapie mit knapp 12.000 rechnerisch nicht besetzbaren Stellen. Mehr als ein Viertel (26 Prozent) des gesamten Fachkräfteengpasses im Gesundheitswesen entfällt damit allein auf die Physiotherapie. Deutlich mehr als in der Pflege. Hier blieben im vergangenen Jahr „nur“ 7.174 Stellen unbesetzt. Mit 3.883 fehlenden Fachkräften landete die Ergotherapie auf Platz vier des Fachkräfteengpassrankings innerhalb des Gesundheitswesens.

Diese Zahlen bestätigen, was auch Ihr uns aus den Praxen immer wieder zurückmeldet: Der Fachkräftemangel ist aktuell das drängendste Problem unserer Branche. Ohne Fachkräfte keine flächendeckende Versorgung von Patient:innen. Es gibt lange Wartelisten und der Druck auf die Therapeutinnen und Therapeuten, die da sind, steigt. Schließlich steckt hinter jeder Terminanfrage ein Mensch, ein Schicksal, die Hoffnung auf mehr Lebensqualität.

Vor diesem Hintergrund schmilzt auch das letzte bisschen Verständnis für die Politik dahin, die es nicht schafft, eines der großen Hindernisse für die Nachwuchsgewinnung endlich aus dem Weg zu räumen: die veralteten Berufsgesetze. Schon vor drei Jahren versprach der damalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach, einen Entwurf zur Reform der Berufsgesetze in der Physiotherapie in wenigen Wochen vorzulegen. Passiert ist nichts. Das belegten nochmals die Aussagen der aktuellen Gesundheitsministerin Nina Warken beim TherapieGipfel vor zwei Wochen. Scheinbar ist noch immer nicht durchgedrungen, welche Folgen dieses Wartespiel hat. Denn mit jeder Woche, jedem Monat, jedem Jahr ohne Reform gehen Fachkräfte verloren, entscheiden sich junge Menschen für andere berufliche Wege. Sie fehlen den Praxen und Patient:innen heute, aber auch in Zukunft. Gleichzeitig kommen die geburtenstarken Jahrgänge, die das System jetzt noch am Laufen halten, mehr und mehr ins Rentenalter.

Was tun? Macht auf die Probleme aufmerksam. Fordert Eure Verbände auf, aktiv zu werden. Wendet Euch an die Bundestagsabgeordneten Eures Wahlkreises, an die Mitglieder im Gesundheitsausschuss, an die Gesundheitsministerin selbst und bringt das Thema immer wieder auf die Agenda. Am 13. Dezember 2025 lädt Bündnis 90/Die Grünen alle Interessierten zu einer Gesundheitsberufekonferenz ein. Die Veranstaltung mit dem Titel „Wie versorgen wir morgen“ findet vor Ort in Berlin statt, Ihr könnt aber auch via Zoom daran teilnehmen. Anlässe dieser Art könnt Ihr prima nutzen, um Eure Probleme aus der Praxis zu schildern und Eure Themen in der Politik zu platzieren.

Falls Ihr am Dienstag beim up-webcast live dabei wart, wisst Ihr bereits, dass der TherapieGipfel und die Berufsgesetze auch hier Thema waren. Für alle, die den Termin verpasst haben oder nochmal reinschauen möchten, gibt es den Mitschnitt jetzt in der Mediathek auf up-aktuell.de.

Wenn Ihr Euch persönlich mit Kolleginnen und Kollegen zur Reform der Berufsgesetze oder anderen Themen, die Euch gerade unter den Nägeln brennen, austauschen möchtet, kommt am 17. Januar 2026 zum up-Netzwerktreffen nach Köln. Neben den Vortragsthemen zu KI, TI und Datenschutz ist auch viel Zeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen – zum Beispiel beim Abendessen am Vorabend.

Auch wenn es die Logopädie beim Fachkräftemangel nicht in die Top 5 der Studie geschafft hat, das Problem besteht hier genauso. Und auch hier sorgt das längst veraltete Berufsgesetz dafür, dass potenzieller Nachwuchs abgeschreckt wird. Unsere Redaktionskollegin Barbara, selbst Logopädin, musste kürzlich sogar entsetzt feststellen, dass das „Gesetz über den Beruf des Logopäden“ älter ist als sie selbst. Wie alt das Berufsgesetz genau ist und warum Barbara alter Wein lieber wäre, könnt Ihr im Kurz vor Schluss der aktuellen up nachlesen.

Zum Schluss habe ich noch zwei schnelle Hinweise für Euch:

Am kommenden Freitag, den 5. Dezember 2025 findet zum mittlerweile fünften Mal das Praxisforum für Rezeptionsfachkräfte statt. Vom Einsteiger bis zum Profi sind passende Themen für alle dabei.

Und wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, dreht das „Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege“ gerade noch eine Extrarunde durch den Vermittlungsausschuss. Es wäre also möglich, dass dieses Gesetz, mit dem auch der Termin für den verpflichtenden TI-Anschluss für Heilmittelerbringer:innen vom 01.01.2026 auf den 01.10.2027 verschoben wird, nicht rechtzeitig zum Jahresanfang in Kraft treten kann. Macht Euch aber deswegen keine Sorgen. Selbst wenn die Frist nicht pünktlich zum 1. Januar 2026 verschoben sein sollte, wird das keine rechtlichen Auswirkungen für Euch haben.

Und nicht vergessen: Ladet Euch jetzt die up-App herunter – im Google Play Store und Apple App Store. Alle weiteren Infos gibt’s hier.

Habt ein schönes erstes Adventswochenende.

Herzliche Grüße

Eure Yvonne Millar

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