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GKV-Finanzen: Sparpläne gehen in die nächste Runde

Yvonne Millar Yvonne Millar
0 5 Minuten Lesezeit

Ende März hat die FinanzKommission Gesundheit (FKG) ihre Empfehlungen zur Stabilisierung der GKV-Beitragssätze veröffentlicht. Darin sind auch Sparmaßnahmen für den Heilmittelbereich enthalten. Zu Beginn dieser Woche kündigte Bundesgesundheitsministerin Warken an, dass sie etwa drei Viertel der Vorschläge umsetzen und so 2027 bei den GKV-Ausgaben rund 20 Milliarden einsparen möchte. Seit gestern können wir in einem Referentenentwurf sehen, wie die Pläne der Gesundheitsministerin konkret aussehen.

Kleiner Spoiler: Statt die Weichen für die Zukunft zu stellen, geht es eher zurück in die Vergangenheit – und dabei zeigt sich das BMG noch planlos. Denn als Alternative zu den geplanten Maßnahmen steht im Entwurf einfach: Keine. Man könnte auch sagen, die vorgelegten Sparpläne sind alternativlos. Das Wort kommt Euch bekannt vor? Tja, es wurde 2011 zum “Unwort des Jahres” gekürt. Begründung der Jury: „Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe“. Das lasse ich jetzt mal einfach so stehen.

Zurück zu den Sparplänen von Warken: Die FKG hatte die Rückkehr zur Bindung von Preis- und Vergütungserhöhungen an die Grundlohnrate empfohlen – nicht nur aber auch für die Heilmittelerbringenden. So steht es nun auch im Referentenentwurf. Ebenfalls übernommen wurde die Empfehlung, die versorgungsbezogene Pauschale der Blankoverordnung abzuschaffen. Zudem sieht der Gesetzentwurf eine Erhöhung der Zuzahlungspauschale je Verordnung von 10 auf 15 Euro vor. Hier haben wir uns den Gesetzentwurf einmal genauer angeschaut und ordnen ein, was die geplanten Maßnahmen für Euch bedeuten.

Mit dem Referentenentwurf soll es nun auch zügig vorangehen. Geplant ist, dass das Bundeskabinett bereits am 29. April 2026 einen entsprechenden Gesetzentwurf beschließt, der dann seinen parlamentarischen Weg durch die Ausschüsse geht und noch vor der Sommerpause von Bundestag und Bundesrat verabschiedet wird.

Kritik an den Sparplänen der Ministerin gibt es reichlich. Sie kommt von allen Seiten, auch aus den eigenen Koalitionsfraktionen und natürlich von Seiten der Leistungserbringenden, u. a. den Heilmittelverbänden. Die Kritik des SHV am Referentenentwurf könnt Ihr zum Beispiel hier nachlesen. Denn eins ist klar, eine Rückkehr zur Grundlohnsummenbindung wäre keine Stabilisierung der Versorgung, sondern ein Rückschritt. Die Preiserhöhungen der vergangenen Jahre sind eine Folge der zuvor herrschenden Unterfinanzierung – die übrigens auch mitverantwortlich ist für den Fachkräftemangel, unter dem die Branche nach wie vor leidet. Durch die geplanten Maßnahmen würde dieser sich noch weiter verschärfen und die Versorgung der GKV-Versicherten verschlechtern.

Die geplante Bindung der Vergütung an die Grundlohnrate wird auch dafür sorgen, dass sich immer mehr Praxen aus wirtschaftlichen Gründen dafür entscheiden, bei Zeitintervallen, die Behandlungszeiten so kurz wie möglich zu halten. In der Physiotherapie heißt das dann z. B.: 15 Minuten Therapie, dann ist schon der nächste Patient an der Reihe. Vier Patienten in der Stunde, macht 32 Patientinnen und Patienten an einem Acht-Stunden-Tag. Hinzu kommt die Dokumentation. Das ist Fließbandarbeit – für Therapeut:innen und Patient:innen. Die Lösung: Statt 15 lieber 20 oder 25 Minuten behandeln und dafür geringere Minutenpreise in Kauf nehmen, könnte in Zukunft noch weniger attraktiv werden. Zum Glück gibt noch eine dritte Option: Die Patient:innen investieren in ihre Gesundheit und kaufen sich Behandlungszeit dazu.

Physiotherapeut und Praxisinhaber Thomas Senff-Binder setzt ein solches Konzept bereits in seiner Praxis um und hat positive Erfahrungen damit gemacht, von denen er uns im Gespräch berichtet.

Rechtlich ist es kein Problem, diese zusätzliche Behandlungszeit als private Zusatzleistung zu verkaufen. Ihr müsst nur ein paar Spielregeln beachten. Zum Beispiel dürft Ihr die GKV-Behandlung nicht davon abhängig machen, ob jemand bereit ist, private Zusatzleistungen dazuzukaufen.

Mein Highlight der Woche ist Jacira Bachmann. Die Podologin hat sich getraut, investiert und eine Praxis genau nach ihren eigenen Vorstellungen gebaut. Seit Dezember 2024 führen sie und ihre Mitarbeiter:innen ihre Behandlungen nun in einem lichtdurchfluteten Holzhaus durch. Und der erste Umbau steht auch schon an. Jacira erweitert die Praxis um einen zusätzlichen Behandlungsraum, um Platz für den Nachwuchs zu schaffen. Denn im September werden drei Podologieschüler den praktischen Teil ihrer Ausbildung bei ihr im Podologischen Fußzentrum Ries absolvieren.

Jaciras Ziel ist es natürlich, die angehenden Podologen auch nach Abschluss der Ausbildung in ihrer Praxis zu halten. Denn neue Mitarbeitende zu finden, ist nicht nur in der Podologie schwierig. Umso wichtiger ist es, dass sich die Therapeutinnen und Therapeuten, die schon in der Praxis sind, wohlfühlen und bleiben.

Ein Mittel, um dies zu erreichen, sind gute Mitarbeiterarbeitergespräche. Vor einiger Zeit hatten wir Euch in der up die Logopädin und Praxisinhaber Cordula von Hacht vorgestellt, die bei ihren den Mitarbeitergesprächen neue Wege geht. Nun gibt Cordula Ihr Wissen im Online-Seminar „Mitarbeitergespräche, die wirklich etwas bewirken“ weiter. Schaut mal rein.

Herzliche Grüße

Eure Yvonne Millar

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