Anzahl der Heilmittelverordnungen im Zeitverlauf betrachten

vom: 18.07.2006

Die Zahlen über die Heilmittelverordnungen des 1. Quartals 2006 sind scheinbar widersprüchlich:
Die Bundesarbeitsgemeinschaft ”Selbsthilfe” wies am Ende des 1. Quartals 2006 darauf hin, dass einige Ärzte bestimmte Heilmittel wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie zurückhaltender als noch im Vorjahr verordnen. In einigen KV-Gebieten mussten Therapeuten sogar Kollegen entlassen. Grund für den Verordnungsrückgang sei die Angst der Ärzte: Sie fürchten sich vor einer Überschreitung des Heilmittelbudgets.
Und dann meldete vor kurzem das Bundesgesundheitsministerium eine durchschnittliche Erhöhung des Heilmittelumsatzes von fast 10 % im Vergleich zum 1. Quartal des Vorjahres.
Wie kommt das? Wie können einerseits Praxen schließen müssen und andererseits Verordnungsvolumina um 10 % steigen?
Grundsätzlich muss man bei diesen Aussagen eines beachten: Zwischen dem Ausstellen einer Verordnung durch den Arzt und der Abrechnung dieser Verordnung durch den Therapeuten vergehen oft Wochen oder gar Monate. Das bedeutet, dass die Quartalszahlen das abgerechnete, nicht aber das verordnete Volumen abbilden. Das Abrechnungsvolumen entspricht also nicht 1:1 dem Verordnungsvolumen; dieses macht sich immer erst später bemerkbar. Anhand der Zahlen des 1. Quartals können Aussagen darüber, wie sich das Verordnungsvolumen im 1. Quartal verhalten hat, nicht aussagekräftig getroffen werden.
Vieles ist also Auslegungssache, es kommt immer auf den Zusammenhang an. Das 1. Quartal 2006 mit dem 1. Quartal 2005 zu vergleichen und dann zu vermelden “Steigerung um 10%” bildet die Realität nur eingeschänkt ab:

  • Vergleicht man das 1. Quartal 2005 mit dem 1. Quartal 2006, so erkennen Sie, dass auch das 1. Quartal im Jahr 2005 das Schlechteste war (siehe Tabelle ”Heilmittelausgaben 2005”). Insofern ist eine Steigerung  hier eher ein Indiz für die Rückkehr zur Normalität, denn ein Beleg für zu viele Verordnungen.
  • Deutlicher wird das Verordnungsverhalten der Äzte, wenn man die Zahlen im Zeitverlauf darstellt. Deswegen sollte man die Zahlen des 1. Quartals 2006 im Vergleich zum 4. Quartal 2005 betrachten: Die Ausgaben sind um 1,4 % zurückgegangen. (Tabelle ”Heilmittelausgaben gehen um 1,4% zurück”)
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