Ausgabe up 09-2016 | Rubrik Schwerpunkt: Lymph-Kampagne

Der Petitionstext: Versorgung mit Lymphdrainage in Gefahr – Änderung der Heilmittelrichtlinie abwenden

vom: 30.08.2016

Rund 25 Millionen Mal führten Physiotherapeuten, medizinische Bademeister und Masseure im Jahr 2015 die Manuelle Lymphdrainage (MLD) durch. Für diese Behandlung brauchen die Therapeuten eine spezielle, teure Zusatzausbildung. Dennoch bezahlen die Krankenkassen ihnen für die Behandlung mit MLD weniger als für gewöhnliche Krankengymnastik und Massage.

Jetzt hat der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen eine neue Regelung in der Heilmittelrichtlinie angestoßen: Therapeuten sollen Kompressionsbandagen erst im Anschluss an die MLD anlegen, ohne dafür ein zusätzliches Honorar zu erhalten. Das wird die Lymphdrainage endgültig zu einem Verlustgeschäft machen. Die Folge: Therapeuten werden sie nicht mehr in dem Maße anbieten können, in dem Patienten sie benötigen – oder sie sogar ganz aus dem Leistungsangebot der Praxis streichen.

Was wir fordern:

Wir fordern Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auf, in seiner Rolle als Rechtsaufsicht der Gesetzlichen Krankenversicherung zu reagieren: Verhindern Sie die Änderung des § 18 Heilmittelrichtlinie, die Lymphdrainage und Kompressionsbandagierung künstlich trennen und Therapiepraxen wirtschaftlich belasten wird.

Wir fordern außerdem, gegen die ungerechte Bezahlung von Heilmittelerbringern mit Zusatzqualifikationen vorzugehen. Die Krankenkassen müssen Leistungen, die eine spezielle Fachausbildung erfordern (wie die Weiterbildung in der Manuellen Lymphdrainage), zusätzlich vergüten, indem sie den Therapeuten einen höheren Stundenpreis zahlen als für herkömmliche Krankengymnastik und Massage.

Begründung

Die Manuelle Lymphdrainage (MLD) ist eine wichtige Methode der Physikalischen Therapie. Masseure, medizinische Bademeister und Physiotherapeuten setzen MLD zur Therapie von Ödemen ein. In vielen Fällen ist die Kombination mit einer Kompressionsbandagierung zwingend notwendig und wird deswegen auch in den einschlägigen medizinischen Leitlinien gefordert. Lymphödeme betreffen verschiedenen Studien zufolge in Deutschland zwischen 1,8 und drei Prozent der Bevölkerung.

Doch nicht jeder Therapeut kann und darf MLD ausüben. Zunächst müssen Masseure, med. Bademeister und Physiotherapeuten eine teure Zusatzausbildung durchlaufen. Dabei geraten sie schon heute in einen Zwiespalt: Viele ihrer Patienten benötigen im Krankheitsfall MLD. Die Therapeuten können die Kosten für die Zusatzausbildung jedoch nicht wieder ausgleichen, sondern verlieren Geld, weil die gesetzlichen Krankenversicherungen für MLD etwa 14 Euro pro Stunde weniger bezahlen als für herkömmliche Krankengymnastik.

Geht es nach dem GKV-Spitzenverband, wird sich dieser Zustand in Zukunft noch verschlechtern. Er hat über den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), das zentrale Organ der Selbstverwaltung des Gesundheitswesens, eine Änderung der Heilmittelrichtlinie durchgesetzt: Physiotherapeuten sollen ab 2017 die Kompressionsbandagierung nach der eigentlichen MLD-Behandlung durchführen – ohne dafür jedoch ein zusätzliches Honorar zu erhalten.

So wird sich der Umsatzausfall der Therapeuten pro Stunde Lymphdrainage auf 25 Euro erhöhen. Das macht die MLD noch mehr zu einem Verlustgeschäft – unter dem am Ende auch Patienten leiden. Denn immer weniger Physiotherapie- und Massage-Praxen werden es sich leisten können, Lymphdrainage anzubieten. Für Patienten bedeutet das längere Anfahrtswege und Wartezeiten. Wenn die Versorgung mit MLD sich verschlechtert oder sogar zusammenbricht, betrifft das uns alle: Jeder kann aufgrund einer Krankheit eine Lymphdrainage benötigen – und erhält sie dann vielleicht nicht mehr.

Somit fordern wir Bundesgesundheitsminister Gröhe auf, als Rechtsaufsicht des G-BA aktiv zu werden. Verhindern Sie, dass die Krankenkassen die Versorgung der Bevölkerung mit Lymphdrainage gefährden. MLD und Kompressionsbandagierung müssen eine therapeutische Einheit bleiben, so wie es die Heilmittelrichtlinie bis jetzt vorgesehen hat.

Weiterhin fordern wir, im Interesse aller Patienten und Therapeuten, gegen die zu niedrige Vergütung von Leistungen mit Zusatzqualifikation vorzugehen. Leistungen, die eine zusätzliche Ausbildung erfordern, müssen von den Krankenkassen besser bezahlt werden als herkömmliche Krankengymnastik und Massage.

Krankenkassen gefährden die Lymphdrainage-Versorgung!

Online-Petition: JETZT MITMACHEN!

Therapeuten sollen Kompressionsbandagen erst im Anschluss an die MLD anlegen, ohne dafür ein zusätzliches Honorar zu erhalten. Wir fordern Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auf, in seiner Rolle als Rechtsaufsicht der Gesetzlichen Krankenversicherung zu reagieren!

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  • Die Lymphdrainage gehört zum Standardrepertoire in der Physiotherapie – auch wenn sie nicht direkt an der Physiotherapieschule unterrichtet wird. Ich kann nicht verstehen warum die Förderung gestrichen werden sollte. Viele Menschen benötigen sie dringend.

  • Ich frage mich ernsthaft, wo das alles noch hinführen soll bzw. wird. Seit mehr als 30 Jahren erleide ich sowohl Arzt- als auch Kassenärztliche Erfahrungen (nicht ‘nur’ als Lipo-Lymphpatientin), was es heißt, KRANK zu werden bzw. zu sein.
    Entweder durch Sprüche der Ärzte, wie z.B. Nehmen sie ab … lassen sie ganz einfach die Süßigkeiten, Pizzen usw. weg … Essen sie in Maßen und nicht in Massen. Dann erledigt sich ihr Problem von ganz alleine. Was maßen sich die Ärzte überhaupt an, einen Menschen = PATIENT so zu demütigen! Schließlich waren es genau DIESE Ärzte, die meine Erkrankung zu spät erkannt (mehrere im Rhein-Sieg-Kreis) und letztendlich Schuld daran haben, dass nun auch das Lymphsystem involviert ist.
    Und, als wäre dies nicht schon STRAFE genug, schlägt jetzt noch die GKV mit der Regelung zu! Langsam komme ich mir wirklich vor, nur noch dem Land als MELK-KUH für alles andere und alle anderen zur Verfügung zu stehen, weil ich ja noch arbeiten gehe und brav meine Steuern zahle.
    Ebenso werde ich es wohl in diesem Leben nicht mehr verstehen lernen, warum HEILBERUFE … Dienst an dem MENSCHEN … so niedrig vergütet werden und damit KEINE WERTSCHÄTZUNG erhalten. TRAURIG aber leider WAHR!!!!!!!

  • Das wäre für mich eine fatale Sache. Bekomme 2 x wöchentlich jeweils 45 Minuten Lymphdrainage am Hals.
    Hatte Krebs – OP Sämtliche Lymphknoten am Hals wurden entfernt.

    Ausfälle merke ich sofort.

  • Nach Krebs-OP und Bestrahlung bin ich seit über 30 Jahren durch beidbeiniges Lymphödem geschädigt. Ich brauche 3-4 x in der Woche Lymphdrainage , um wenigstens einigermaßen am Leben teilheben zu können. Trotz der schweren Erkrankung habe ich immer noch gearbeitet, ein Kind großgezogen und meine Steuern gezahlt. Ich frage mich, was dieser Schwachsinn soll, den sich da oben einige NIchtbetroffene und Bürokraten ausdenken!
    Ich frag e mich manches Mal, wenn solche Ablehnungen der Reha oder das Herunterspielen der Wichtigkeit dieser Therapie seitens der Ämter und Kassen kommt, ob ich mich entschuldigen muß, daß ich den Krebs ( im Alter von28 Jahren) überlebt habe und nun dem Staat Geld koste.
    Angesichts dessen, was sonst so indiesem Staat an Geldern zum Fenster heraugeschmissen wird und vor allen Dingen WEM man das Geld , welches wir erwirtschaftet haben hinterher schmeisst , kann ich nur sagen : SCHÄMT EUCH ! Schämt Euch, dass die Therapeuten, die mir und anderen Patienten das Leben erleichtern, die sich aufopfernd diesem chronischen postoperativ entstandenen Schaden annehmen und dafür sorgen, dass ich einigermaßen normal leben kann, nicht ordentlich bezahlt werden. Es ist eine Schande! Ich dachte eher, dass ein neues Gesetz sich mal finanziell nach oben orientiert, damit die Therapeuten, die Dienst am Menschen leisten, nicht unterbezahlt werden . Stattdessen schlägt man den Heilberuflern mit solchen Vorgaben und Gesetzen die Faust ins Gesicht.

  • … wer eine solch wahnwitzige Regelung befürwortet oder gar mit “angeschoben” hat, dem sei gewünscht… dass er selbst mal in die Lage versetzt wird, eine Lymphdrainage dringend notwendig zu haben – damit er begreift, dass es eine dringend notwendige & gleichberechtigte Behandlungsmethode ist, wenn andere Massage- bzw. Gymnastikarten nicht hilfreich sind oder entsprechend des Krankenbildverlaufes, auch gewisse Behandlungswechsel erforderlich sind !
    Was ich hier niedergeschrieben habe, sind keine Vermutungen… sondern das ist Wissen aus eigener Erfahrung, da ich z.Zt. MLD-Patient bin – leide unter einer halbseitigen Gesichtslähmung, wodurch sich das betroffene Lymphsystem gerade neu bilden muss & in der Reaktivierungsphase befindet !!!

  • Für uns als “Lymphologische Schwerpunktpraxis” und das Lymphnetz Freiburg ist es eine Katastrophe die Bandage nicht bezahlt zu bekommen. Unsere Kernkompetenz ist die Entstauungsphase selbstverständlich mit Bandage. Selbst in Freiburg, in der Nähe der Földiklinik, ist Bandagekompetenz nicht selbstverständlich. Es ist möglich, daß sich unsere Praxis so dann nicht mehr trägt. Viele der chronisch kranken Menschen die zu uns kommen, sind von der Therapie abhängig. Wo sollen die Patienten hingehen?
    Viele Patienten haben keine oder deutlich weniger Wundrosen. Im Team mit Arzt und Wundmanager haben wir chronische Wunden geheilt, sogar den einen oder anderen vor einer Amputation gerettet. Krankenhausaufenthalte werden reduziert oder vermieden, dadurch Kosten eingespart. Es macht Freude den Patienten zu helfen. Zu sehen wie Schmerzen gelindert weden, Mobilität zurückgewonnen wird und chronische Wunden heilen. Ich muß aber von meiner Arbeit leben können ! Die katastrophale Bezahlung steht jetzt schon in keinem Verhältnis zum Aufwand.

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