Ausgabe up 09-2016 | Rubrik Schwerpunkt: Lymph-Kampagne

Die Lymph-Kampagne

vom: 30.08.2016

So kann jeder Therapeut dazu beitragen, dass Krankenkassen die Lymphdrainage besser vergüten

Masseure und Physiotherapeuten in ganz Deutschland fühlen sich der GKV ausgeliefert: Es gibt für Therapeuten, die die notwendige Versorgung der Patienten mit MLD aufrechterhalten wollen, scheinbar keine Alternative zum Verlustgeschäft Lymphdrainage. Doch mit einer gemeinsamen Kampagne können Therapeuten und Patienten für höhere Honorare eintreten.

Wenn ein Masseur oder Physiotherapeut die Zertifikatsposition Lymphdrainage erbringt, erhält er weniger Geld als für normale Krankengymnastik. Statt also die Zusatzqualifikation Lymphdrainage-Therapeut zu bezahlen, „bestrafen“ die Krankenkassen sie mit Honorarabschlägen. Das führt dazu, dass immer weniger Praxen überhaupt Termine für MLD (Manuelle Lymphdrainage) vergeben und dass Patienten dringend notwendige Therapie nicht erhalten.

Die Therapeuten, die MLD erbringen, verlieren in ihren Praxen jedes Jahr insgesamt rund 250 Millionen Euro. Durch die aktuelle Änderung der Heilmittel-Richtlinie wird sich der Verlust im kommenden Jahr auf deutlich über 500 Millionen Euro erhöhen (siehe unseren Artikel vom 26.07.2016). Es wird Zeit, etwas gegen dieses Verlustgeschäft zu tun.

Praxen können sich aktiv an der  Lymph-Kampagne beteiligen – und so dafür kämpfen, dass Therapeuten mit der MLD-Therapie endlich genug Geld verdienen, um die Kosten für die Zusatzqualifikation wieder hereinarbeiten zu können. Das geht mit drei einfachen Schritten:

1. Lokale Öffentlichkeitsarbeit

Im ersten Schritt der Lymph-Kampagne geht es darum, die Öffentlichkeit im Einzugsbereich Ihrer Praxis auf das Thema Lymphdrainageversorgung aufmerksam zu machen. Informieren Sie zunächst Ihre eigenen Patienten, indem Sie das Lymph-Kampagnen-Poster (ist der aktuellen up|unternehmen praxis-Ausgabe beigelegt) in Ihrer Praxis aufhängen. Interessierte Praxen können zusätzlich hier ein Merkblatt herunterladen, ausdrucken und Patienten mitgeben. Lymphdrainage-Patienten können bei der Behandlung direkt informiert werden.

Möglichst viele Therapeuten und Patienten sollen die Lymph-Kampagnen-Petition unterzeichnen. Das geht online unter www.openpetition.de/!mmwsh oder per Unterschrift auf Papier direkt in der Praxis (siehe Anleitung auf der Poster-Rückseite). In sozialen Netzwerken können Sie die online-Petition sowohl unter Therapeuten als auch unter Patienten weiter zu verbreiten. Jeder Kontakt und jede Unterschrift zählt.

Die Lymph-Kampagnen-Petition richtet sich an den Bundesgesundheitsminister. Wir fordern ihn darin auf, die Marktmacht der Krankenkassen zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass qualifiziertere MLD  mit höheren Honoraren vergütet wird.

Das Ziel der Lymph-Kampagne ist es, im Rahmen der Petition mindestens 100.000 Unterschriften zu sammeln. Angesichts von 150.000 Physiotherapeuten und etwas 500.000 in Behandlung befindlichen Lymphdrainage-Patienten erscheint das realistisch.

Das Ergebnis von Schritt 1: Patienten der eigenen Praxis verstehen das Problem und engagieren sich durch ihre Unterschrift dafür, dass die Versorgung mit Lymphdrainage auch in Zukunft sichergestellt ist.

2. Überregionale Öffentlichkeitsarbeit

Der Bundesgesundheitsminister erhält den Petitionstext mit all den Unterschriften, die die Kampagne unterstützen. Außerdem erreichen die Informationen alle Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Bundestags. Vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestagswahl im Herbst 2017 werden sich Parteipolitiker und Bundesgesundheitsministerium sicherlich zum Thema äußern.

Mit der Übergabe der Petition an den Bundesgesundheitsminister wird deutlich, dass hier Patienten und Therapeuten an einem Strang ziehen. Damit ist das Thema auch interessant für überregionale Medien. Und auf diesem Wege erfahren auch die nicht betroffenen Versicherten der GKV, was sich Krankenkassen durch ihre marktbeherrschende Stellung alles herausnehmen. Denn die Sachlage zum Thema ist einfach zu erklären: Therapeuten geben für die Lymphdrainage-Ausbildung Geld aus, um dann weniger Honorar als vor der Ausbildung zu erhalten.

Das Ergebnis von Schritt 2: Politiker, allen voran der Bundesgesundheitsminister, müssen sich mit dem Thema Lymphdrainage beschäftigen. Sie müssen gegenüber der Öffentlichkeit erklären, wie sie in  Zukunft die Versorgung der Patienten mit Lymphdrainage sicherstellen wollen.

3. Abrechnungserlaubnis MLD zurückgeben

Wer Lymphdrainage gegenüber GKV-Versicherten erbringen und abrechnen will, der braucht dazu eine besondere Abrechnungserlaubnis zusätzlich zur eigentlichen Zulassung. Diese Zulassung ist an die Qualifikation der einzelnen Therapeuten gebunden. Was hindert eine Praxis daran, den Krankenkassen mitzuteilen, dass aktuell die Voraussetzungen für die Abrechnung von MLD nicht mehr vorliegen? Jeder Therapeut hat das Recht, irgendeine Therapie nicht mehr durchführen zu wollen.

Wenn Patienten dann keine Therapeuten mehr finden, die Lymphdrainage durchführen, müssen die Krankenkassen aktiv werden und geeignete Therapeuten und freie Termine nachweisen. Gelingt ihnen das nicht, dürfte das den Druck auf sie erhöhen, sich mit dem Thema ernsthaft zu beschäftigen. Möglicherweise stärkt das die Position der Verbände in ihren Verhandlungen mit den Kassen über bessere Honorare.

Das Ergebnis von Schritt 3: Den Krankenkassen gehen die Lymphdrainagetherapeuten aus. Dann müssen die Patienten die MLD als Privatleistung selbst kaufen und sich das Geld von der Krankenkasse erstatten lassen (wenn die GKV keinen Therapeuten mit freiem Termin nachweisen kann). Oder Therapeuten und Patienten „schummeln“. Wie das geht, und warum das nicht gut wäre, lesen Sie hier und hier.

Krankenkassen gefährden die Lymphdrainage-Versorgung!

Online-Petition: JETZT MITMACHEN!

Therapeuten sollen Kompressionsbandagen erst im Anschluss an die MLD anlegen, ohne dafür ein zusätzliches Honorar zu erhalten. Wir fordern Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auf, in seiner Rolle als Rechtsaufsicht der Gesetzlichen Krankenversicherung zu reagieren!

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  • Totaler Schwachsinn, was soll es bringen meine Qualifikation abzugeben? Glaubt ihr somit erhöht ihr den Druck auf die Krankenkassen? Die freuen sich doch dann das sie weniger bezahlen müssen, weil sich nicht jeder Pat. Ein privat Rezept leisten kann/bzw was glaubt ihr wie viele Patienten sich das Geld zurück holen werden?
    Desweiteren schadet man mit sowas die Gesundheit der Patienten! Wenn manche ihre MLD nicht regelmäßig bekommen wird es wieder schlimmer…. und wer ist dann schuld ? Die Krankenkassen? Nein das werden die Therapeuten sein!

    • Vielen Dank für Ihren Beitrag. Es wäre schön, wenn Sie versuchen könnten mit Sachargumenten Ihre Meinung zu untermauern.
      Im Gegensatz zu Ihnen gehe ich davon aus, dass schon heute eine Problem besteht, allen Lymphdrainagepatienten zeitnah Behandlungstermine nachzuweisen. Kann eine Krankenkasse einem Patienten keinen Behandlungstermin in angemessener Frist nachweisen, hat der Patienten das Recht, sich auf eigenen Kosten die Behandlung zu organisieren. Dann muss die Krankenkasse die für den Patienten entstandenen Kosten in voller Höhe übernehmen. Das ist keine Fiktion, sondern ein z. B. im Hilfsmittelbereich häufig praktiziertes Vorgehen. Das klappt, vorausgesetzt 10 bis 20 Prozent der MLD Therapeuten geben ihre Abrechnungserlaubnis zurück und Patienten und Therapeuten beachten bestimmt Formalien.
      Insofern sehe ich hier durchaus eine Option für alle MLD-Therapeuten. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.

      • Was ist unsachlich an “Schmitti’s” Kommentar? Vielmehr scheint Mister Buchner noch immer nicht verstanden zu haben, dass er hier implizit der Reduzierung des Leistungsanspruchs des Patienten das Wort redet, anstatt den Verbänden Beine zu machen, einfach mal besser zu verhandeln. Herr Buchner hat sich mit der Petition kräftig vergaloppiert, aber nicht den A**** in der Hose, sich dies einzugestehen, wahrscheinlich weil sein Blatt sich mit Fakenews und Hetze einfach besser verkauft. Amerika lässt grüßen. Viel Spaß beim Zensieren!

      • Ich bin kein Mitglied in einem Berufsverband, deswegen kann ich auch keinem Berufsverband “Beine machen”, das ist die Aufgabe der jeweiligen Mitglieder. Und für den Fall, dass ich das nicht klar rüberbringen konnte: Es geht überhaupt nicht darum, die Leistung des Patienten zu “kürzen”, sondern zu verhindern, das MLD-Therapeuten immer weniger verdienen.
        Sollten Sie fehlerhafte Nachrichten und/oder Hetze in unserer Publikation bemerken, würde ich mich freuen, wenn Sie das konkret benennen könnten, damit wir die Chance haben, solche Fehler zu korrigieren.

  • ich wäre sofort dabei bei einer kampagne von den physio praxen zu unterschreiben…denn die therapeuten geben sich mehr als mühe und müssen ja sogar noch die schulungen selbst bezahlen..wenn ich nicht so einen guten therapeuten hätte, wüsste ich nicht wie dick meine extremitäten angeschwollen wären und könnte mich dann kaum bewegen.
    in einer lymphreha habe ich solche patienten zur genüge gesehen!!!

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