„Die ganze Branche muss an einem Strang ziehen“

vom: 21.09.2016

Interview mit Roy Kühne, Mitglied des Bundestags

Mit der Lymph-Kampagne hat up | unternehmen praxis eine Debatte in der Branche angestoßen – und ist dabei auch auf Gegenwind gestoßen. Wir haben über das Thema mit dem Bundestagsabgeordneten und Physiotherapeuten Roy Kühne (CDU) gesprochen. Im Interview appelliert er an die Therapeuten und ihre Verbände, an einem Strang zu ziehen.

up: Herr Kühne, wie erleben Sie die Diskussionen um die Lymph-Kampagne?

Roy Kühne: Ich sehe, wie sich hier verschiedene Parteien um Details streiten, um Rechtsauffassungen und Auslegungen einzelner Paragrafen in der Heilmittelrichtlinie. Diese Detailfragen muss man klären, und es ist richtig, sie auch innerhalb der Branche zu diskutieren. Doch jetzt ist es wichtiger, dass die großen und ganz einfachen Fragen nicht in den Hintergrund geraten.

up: Worauf sollte sich die Debatte denn Ihrer Meinung nach konzentrieren?

Roy Kühne: Vor allen Dingen zählt, dass alle Therapeuten ein gemeinsames Ziel vor Augen haben. In diesem Fall bedeutet das: Ich möchte, dass  die Krankenkassen für die Zusatzqualifikation Manuelle Lymphdrainage angemessen bezahlen. Es kann nicht angehen, dass man für MLD weniger Geld bekommt als für normale Therapie. Lymphdrainagetherapeuten müssen eine Chance haben, ihr in die Zusatzausbildung investiertes Geld irgendwann wieder zurück zu bekommen. Davon sind wir noch ganz weit entfernt.

up: Und wie kann die Branche dieses Ziel erreichen?

Roy Kühne: Leider ist die Heilmittel-Branche noch nicht einmal an dem Punkt, an dem sie dieses oder andere Ziele einhellig benennen kann. Und wie will sie dann den Weg dorthin gehen? Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, einmal Geschlossenheit zu zeigen. Offensichtlich stehen viele Therapeuten hinter der Forderung nach einer angemessenen Vergütung der MLD-Position. Dieses Engagement sollten die Verbände nutzen und sich zum Wortführer dieser gemeinsamen Forderungen machen. Denn nur wenn die ganze Branche an einem Strang zieht, können Therapeuten etwas erreichen.

up: Genügt dieses „an-einem-Strang-Ziehen“, um die Ziele der Therapeuten zu erreichen?

Roy Kühne: Eine mächtige Lobby, die geschlossen die Interessen der Heilmittelerbringer vertritt, hat es bisher nicht gegeben. Dabei gibt es zehntausende von Therapeuten, die alle das Problem mit der Lymphdrainage täglich am eigenen Arbeitsplatz erleben und die dazu alle eine Meinung und noch wichtiger, eine Stimme haben. Und bei Lymphdrainage gilt: Hier sind auch Patienten persönlich betroffen. Die Lymphkampagne ist die Chance, noch mehr Mitstreiter für die Anliegen der Therapeuten zu gewinnen. Wenn sich die Stimmen von Therapeuten und Patienten vereinen, um Druck aufzubauen auf Politik und Krankenkassen, dann wird man sie auch hören.

Bildnachweis: iStock, Mikosch

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