Ausgabe up 09-2016 | Rubrik Praxisführung

Wie hältst du es mit Therapieberichten für Ärzte?

vom: 22.09.2016

Seit mehr als zehn Jahren gehören Therapieberichte zu den von allen Seiten eher ungeliebten Leistungen. Die Kassen vergüten sie nicht. Ärzte finden es lästig, wenn der Therapiebericht eine Fortsetzung der Therapie empfiehlt. Therapeuten ärgern sich darüber, dass man Berichte schreiben muss, „die ja doch niemand lesen will!“

Eigentlich sollte der Therapiebericht die Kommunikation zwischen verordnenden Ärzten und behandelnden Therapeuten verbessern. Daraus wurde aber nichts – vor allem, weil die Krankenkassen sich weigerten, für den Bericht zu bezahlen. Kein Wunder, dass Praxen damit auf ganz unterschiedliche Weise umgehen. Wir haben uns umgehört unter Therapiepraxen in ganz Deutschland und gefragt: „Wie hältst Du es mit Therapieberichten für Ärzte?“

Vorgehen 1: Ist mir egal, was die Ärzte ankreuzen – ohne Bezahlung liefern wir keine Berichte.

Ich habe wirklich kein Geld zu verschenken. Wer einen guten, fachlichen fundierten Bericht von mir haben möchte, muss den auch bezahlen. Da die Krankenkassen nicht gewillt sind, diese professionelle Leistung auch professionell zu vergüten, kann der Therapiebericht nicht so wichtig sein. Insofern ist es mir egal, ob der Arzt ein Kreuz bei Therapiebericht gemacht hat oder nicht. Den meisten Ärzten fällt es sowieso nicht auf, dass ich keinen Bericht schreibe.

  • Vorteil

    Wer keine Therapieberichte schreibt, vertrödelt auch keine Zeit, die er sinnvoll verbringen und in die Therapie investieren kann. Die Gefahr, in Regress genommen zu werden, ist außerdem gering. Die Krankenkassen bekommen sowieso nicht mit, ob Therapeuten einen Bericht schreiben oder nicht.

  • Nachteile

    Trotz allem sind Heilmittelerbringer gemäß der Rahmenverträge verpflichtet, bei entsprechender Verordnung durch den Arzt (Kreuz bei „Therapiebericht ja“) einen Bericht zu verfassen. Wer sich nicht an diese Vorgabe hält, riskiert, dass es im Falle einer Überprüfung zu Beschwerden oder Regressen mit der Krankenkasse kommt.

Vorgehen 2: Ich würde ja Berichte schreiben, aber meine Ärzte lesen das doch eh nicht.

Meine Therapieberichte würden die Pateintenversorgung durchaus unterstützen. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass Ärzte die Berichte sowieso nicht lesen und falls doch, meine Empfehlungen ignorieren. Sie verordnen – oder nicht – weiter, wie sie es für richtig halten. Ich habe in meiner Praxis Besseres zu tun, als Berichte zu schreiben, die eh niemand liest. Wenn ein Arzt wirklich an einem Bericht interessiert ist, muss er mir schon einen guten Grund geben, den Bericht zu schreiben, das Kreuz auf der Verordnung reicht da nicht.

  • Vorteile

    Bei diesem Vorgehen investieren Therapeuten Zeit und Energie nur für solche Berichte, die ein Arzt ausdrücklich fordert und dann auch wirklich liest. Dafür lohnt sich dann der Aufwand.

  • Nachteile

    Wer nur an Ärzte berichtet, von denen er weiß, dass sie seine Berichte lesen, verärgert womöglich andere Ärzte. Auch wenn die sich über den fehlenden Therapiebericht nicht ausdrücklich beschweren, gibt es Ärzte, die Patienten dann dazu auffordern, zu anderen Therapeuten zu gehen – was in diesem Fall sogar rechtlich in Ordnung ist.

Vorgehen 3: Berichte sind ja schön und gut, aber was soll ich nach sechs oder zehn Behandlungseinheiten schon schreiben?

In unsere Praxis kommen viele Patienten mit komplexen und chronischen Krankheitsbildern. Therapiefortschritte stellen sich hier nur langsam ein. Was soll ich denn nach nur zehn Behandlungseinheiten in so einen Therapiebericht schreiben? Und auch nach sechs weiteren Sitzungen hat sich in den meisten Fällen noch nicht viel getan. Deshalb schreibe ich relativ knappe und nichtssagende Berichte. Kein Wunder, dass Ärzte das überflüssig finden.

  • Vorteile

    Immer die gleichen Floskeln in Berichte zu schreiben, spart Zeit und Denkarbeit. Manch ein Arzt versteht vielleicht auch die Kritik, die dahintersteht: In unserer Praxis halten wir nichts von dieser sehr kurzfristigen Betrachtungsweise des Behandlungsverlaufs.

  • Nachteil

    Dem Arzt könnte es schwer fallen, auf Grundlage von Floskeln eine Begründung dafür zu finden, weitere Heilmitteltherapie zu verordnen – vor allem außerhalb des Regelfalls. Dabei brauchen Ärzte gerade bei Patienten mit komplexen und chronischen Krankheitsbildern unbedingt genauere Informationen von den Therapeuten, um die weitere Behandlung des Patienten zu sichern.

Vorgehen 4: Kurz und knapp muss reichen, wird schließlich nicht vergütet.

Da Therapieberichte nicht vergütet werden und es in der Physiotherapie nicht einmal eine separate Befundposition gibt, muss ein sehr kurzer, knapper Therapiebericht reichen. Ein Dreizeiler mit dem Hinweis, dass ich für Rückfragen gern telefonisch zur Verfügung stehe, ist das höchste der Gefühle. Ich bin nicht bereit, noch mehr unbezahlte Zeit zu investieren. Mir schenkt schließlich auch niemand etwas!

  • Vorteile

    Einen knappen Therapiebericht lesen Ärzte vermutlich eher als einen seitenlangen Arztbrief. Enthält dieser Bericht die relevanten Informationen, ist er also vermutlich hilfreicher als ein allzu langer Text.

  • Nachteile

    Knappe Berichte bringen die Gefahr mit sich, dass wichtige Informationen nicht kommuniziert werden. Dieses Wissen können Ärzte bei der weiteren Verordnung von Heilmitteln und in der Therapieplanung dann nicht berücksichtigen. Außerdem haben viele Ärzte keine Lust, Informationen hinterher zu telefonieren – die Chance einer weiteren Verordnung sinkt.

Vorgehen 5: Therapieberichte schreiben wir grundsätzlich in der Behandlungszeit

Therapieberichte sind ein wichtiger Teil unserer Behandlung. Und weil diese Arbeit niemand extra vergütet, schreiben wir die Berichte während der Therapiezeit. Vorgefertigte Formulare für Standardberichte helfen uns, Zeit zu sparen. Unsere Patienten finden es sogar ganz gut, zu erfahren, welche Informationen wir auf diesem Weg an den Arzt weiterleiten.

  • Vorteile

    Auf diese Weise verfasste Therapieberichte erfordern keine zusätzliche Arbeitszeit. Wer Berichte mit Patienten bespricht, holt diese außerdem aktiv mit ins Boot. Therapeuten können so Erfolge und bestehende Defizite mit Patienten besprechen und weitere Lösungen gemeinsam suchen und vereinbaren. Dieses Kommunikationsinstrument eignet sich auch hervorragend für den Verkauf therapeutischer Zusatzleistungen.

  • Nachteile

    Manche Patienten verstehen den Wert davon nicht, mit einbezogen zu werden – und beschweren sich über die kürzere Therapie. Viele Therapeuten sind für diese Art der Arbeit zudem ungenügend ausgebildet und haben Schwierigkeiten, zum Punkt zu kommen.

    Für ausführlichere Therapieberichte, wie sie von Zeit zu Zeit notwendig sind (zum Beispiel, wenn es darum geht, einen Patienten langfristig mit Heilmitteln zu versorgen), bleibt in der Therapiesitzung zu wenig Zeit. Hier müssten Therapeuten dann wieder mehr Zeit investieren, damit Patienten zufrieden sind.

Vorgehen 6: Therapieberichte schreibe ich gerne. Das bringt auch die Arztkommunikation voran.

Gute, aussagekräftige Therapieberichte sind der perfekte Weg, mit Ärzten zu kommunizieren. Ärzte kommunizieren untereinander fast ausschließlich auf diesem Weg und nehmen schriftliche Berichte ernst. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass wir uns an die Spielregeln halten, die Ärzte in ihrer schriftlichen Kommunikation pflegen. Deswegen verwenden wir eine höfliche Anrede und ein Dankeschön für das Ausstellen der Verordnung. In den Bericht kommen dann nur Informationen, die für ihn und seine weiteren Entscheidungen auch relevant sind. Daran halten wir uns, und deswegen klappt’s auch mit den Ärzten!

  • Vorteile

    Wer für Ärzte relevante Therapieberichte verfasst, wird es auch leichter in seiner sonstigen Arztkommunikation haben. Außerdem unterstreichen gute Therapieberichte die eigene Kompetenz. Sie geben Ärzten die Chance, zu verstehen, was konkret in der Therapie stattfindet. Das könnte für deutlich mehr Empfehlungen durch Ärzte sorgen.

  • Nachteile

    Da die Krankenkassen die Leistung Therapiebericht schlecht bis gar vergüten, muss der Therapeut für ausführlichere Berichte Zeit und Geld selbst investieren. Wer sich genau an die Spielregeln hält, kann außerdem das, was er eigentlich schreiben will, nicht mitteilen. Das empfinden manche Kollegen als „schleimen“.

Vorgehen 7: Ich finde Therapieberichte extrem wichtig, deswegen schreibe ich auch möglichst ausführlich.

Ein guter Therapiebericht kann nicht in drei Sätzen formuliert werden. Er beleuchtet die gesundheitlichen Probleme und körperlichen Einschränkungen ausführlich aus therapeutischer Sicht. Oft übersehen die Ärzte Aspekte, die ich mit meinen Berichten ergänzen kann. Deswegen nehme ich mir gerne Zeit, ausführliche Berichte zu formulieren. Das sind mir meine Patienten einfach wert! Schreiben kann ich die Berichte ja auch gut nach der Arbeit von zu Hause aus.

  • Vorteile

    Gut formulierte Therapieberichte unterstützen Ärzte bei der Verordnung von Heilmitteln und helfen ihnen bei der Regressprophylaxe. Patienten können Dank ihnen ihren Therapiebedarf bei den Krankenkassen besser durchsetzen. Den Therapeuten erleichtert ein guter Bericht die Arztkommunikation.

  • Nachteile

    Wer so viel Zeit für seine Patienten opfert, verliert entweder viel Therapiezeit und somit Geld oder investiert seine eigene Freizeit. Handeln viele Therapeuten so, wird sich an der mangelnden Vergütung für diese Leistung kaum etwas ändern.

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