Ausgabe up 11-2016

Herzlichen Glückwunsch: Erstes Ergebnis der Lymph-Kampagne und mehr als 23.000 Unterschriften!

vom: 28.10.2016

Jeden Tag steigt die Zahl der Menschen, die die Petition der Lymph-Kampagne unterschreiben. Und ein erstes Ergebnis der Kampagne hat es auch schon gegeben. Jetzt gilt es, dranzubleiben, sich mit teils harscher Kritik aus einigen Therapeuten- und Selbsthilfeverbänden auseinanderzusetzen und einen Blick auf die nächsten Schritte zu werfen.

Nach etwa acht Wochen haben mehr als 23.000 Menschen die Petition der Lymph-Kampagne unterschrieben. Der Stand zum Redaktionsschluss der Novemberausgabe von up am 25.10.2016 waren 23.247 Unterzeichner. Die Petition steht nach wie vor online auf der Plattform www.openpetition.de – und ist dort derzeit die Aktion mit den viertmeisten Unterschriften.

Petition verbreitet sich durch up und per Facebook

Die Lymph-Kampagne machte in den vergangenen Wochen vor allem über die September- und Oktober-Ausgaben von up | unternehmen praxis auf sich aufmerksam, über eine Pressemitteilung und über Facebook-Posts. Tausende Nutzer teilten unsere Beiträge in dem sozialen Netzwerk, zehntausende bekamen sie zu Gesicht. In den Diskussionen auf Facebook und openPetition beteiligten sich neben Therapeuten auch Ärzte und Patienten. Dort erhielt die Kampagne viel Zuspruch. Offenbar teilen viele Therapeuten und Betroffene unsere Besorgnis bezüglich der Lymphdrainage-Versorgung.


Die Forderung der Lymphkampagne

Die GKV hat eine Änderung der Heilmittelrichtlinie angestoßen: Therapeuten sollen Kompressionsbandagen jetzt erst im Anschluss an die Regelbehandlungszeit der MLD anlegen – ohne dass dafür eine zusätzliche Vergütung vorgesehen ist. Das senkt den ohnehin niedrigen effektiven Minutenpreis noch weiter. Außerdem missachtete der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) seine eigenen Verfahrensregeln, als er die Änderung an der Heilmittelrichtlinie zuließ.

Deswegen fordern wir in der Petition vom Bundesgesundheitsminister, der die Rechtsaufsicht über den G-BA hält: Die Änderung der Heilmittel-Richtlinie muss rückgängig gemacht werden, um zu verhindern, dass ab dem 1.1.2017 Therapeuten noch weniger Geld für Ihre Arbeit erhalten. Denn genau darauf läuft die Änderung der HeilM-RL hinaus: Zusätzliche Leistungspflicht ohne zusätzliche Vergütung.


Gegenwind von den Therapieverbänden

Auch einige Fachzeitschriften, Websites und Blogs von Therapeuten, Betroffenen und lokalen Selbsthilfegruppen informierten über die Aktion. Von einigen Interessensvertretern erhielt sie aber überaschenderweise mehr Gegenwind als Unterstützung. So kritisierten mehrere Physio-Landesverbände die Petition heftig, was wir bereits online kommentierten. Sie warfen uns zum Beispiel „Panikmache“ und eine sachlich falsche Argumentation vor und starteten einen „Ruf zur Ordnung“.

Für einige Verbände gibt es nur eine mögliche Interpretation der Heilmittelrichtlinie, und zwar jene zugunsten der Krankenkassen: Therapeuten müssen Kompressionsbandagen auf jeden Fall nach der Regelbehandlungszeit für die Lymphdrainage anlegen. Unseres Erachtens schadet diese Auslegung den Physiotherapeuten nicht nur, sie geht auch an der Realität in den Praxen vorbei. Wie sollen diese auf Dauer eine Behandlung durchführen, für die Kassen lediglich das Material – also die Bandagen – vergüten, nicht aber die Zeit? Denn einen Zeitraum legt die Leistungsbeschreibung für die Kompressionsbandagierung nicht fest.


ZVK-Landesvorsitzender will höhere MLD-Vergütung verhandeln

„Über die Gebührenhöhe entscheiden allein die Gebührenverhandlungen zwischen Krankenkassen und Berufsverbänden“, erklärt Michael Preibsch, Landevorsitzender des ZVK LV Baden-Württemberg, in einer Stellungnahme zur Lymph-Kampagne. Alle würden mehr Geld für MLD fordern, so Preibsch. „Die einzige Hürde bisher: Gebührenerhöhungen in den Verhandlungen mit den Krankenkassen sind noch durch die Grundlohnsummenbindung begrenzt.“ Und die, so Preibsch, würde ja dank Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) bald fallen.

Damit hat die Lymph-Kampagne ein erstes Ergebnis erreicht: Ein Verbands-Funktionär hat zugesagt, sich um das Problem der MLD-Vergütung kümmern zu wollen. Die Erwartungen, die Preibsch hier weckt, sind allerdings nicht so einfach zu erfüllen. Es bräuchte derzeit eine Preiserhöhung von mehr als 44 Prozent, um MLD 45 ohne Kompressionsbandagierung auf das Niveau der normalen Physiotherapie zu bringen. Bis es soweit kommt, wird es wohl noch dauern.

Zum anderen benötigt auch Michael Preibsch faire Rahmenbedingungen, damit er eine Chance hat, sich in den Verhandlungen gegen die Krankenkassen durchzusetzen. Genau darum geht es uns bei der Lymphkampagne: Der Bundesgesundheitsminister soll dafür sorgen, dass Krankenkassen sich nicht einfach die Regeln nach eigenem Gusto zurechtlegen. Das ist seine Aufgabe.

Die Kassen können gerne Änderungen an Leistungsbeschreibungen anregen. Der formal korrekte Weg wäre es aber dann, gemeinsam mit den Therapeuten-Verbänden die Leistungsbeschreibung zu überprüfen. Dazu waren die Kassen nicht bereit. Deswegen gibt es die Lymph-Kampagne.


Selbsthilfeverband nimmt Petition als „Drohung“ war

Der Bundesverband Lymphselbsthilfe e. V. scheint die Argumentation der Therapeutenverbände in einer Pressemitteilung zu übernehmen. Die Kompressionsbandagierung solle im Anschluss an die MLD stattfinden und angemessen bezahlt werden. Das ist eine verständliche Forderung von Seiten der Patienten. Allerdings sollte sich der Selbsthilfeverband klar machen, dass die Leistungsbeschreibung für die Kompressionsbandagierung keine zusätzliche Zeit und damit Vergütung vorsieht. Deswegen wird sich mit der Änderung für die Betroffenen nichts verbessern, aber durch die zusätzliche finanzielle Belastung für die Therapeuten viel verschlechtern.

Der Selbsthilfeverband kritisiert zudem die „Drohung mit der Rückgabe der Zulassung zur MLD wegen Unwirtschaftlichkeit“. Doch dieses Szenario ist nicht als Drohung gemeint, sondern beschreibt den aktuellen Zustand der Heilmittelbranche in Deutschland. Therapeuten möchten ihre Patienten mit MLD versorgen, können es sich aber schon jetzt trotz allen guten Willens nicht mehr leisten. Diese Situation wird sich in Zukunft noch  verschärfen.

Petition ist eine wichtige Möglichkeit, sich zu wehren

Der Verein weist darauf hin, dass Physiopraxen wie Ärzte und Pflegedienste ihre Bezahlung mit den Krankenkassen aushandeln müssen, in einem „Kampf zwischen zwei Geschäftspartnern“. Leider stimmt das nicht. Über die jetzt beschlossene Änderung der Heilmittelrichtlinie entscheidet nur der Gemeinsame Bundesausschuss, ohne Mitspracherecht der Therapeuten.

Die Mitsprache beginnt erst in den Vergütungsverhandlungen – und dass dabei in naher Zukunft eine angemessene Bezahlung für die Kompressionsbandagierung herauskommt, bezweifeln wir. Deswegen sehen wir auch nach wie vor die Petition als einzige Chance, einer Änderung der Heilmittel-Richtlinie entgegenzuwirken, die Patienten und Therapeuten schaden wird.

Was Sie tun können: Bleiben Sie am Ball, überzeugen Sie Ihre Kollegen und Patienten. Ausführliche Anleitungen dazu finden Sie unter www.up-aktuell.de/mld. Mit diesem Heft erhalten sie außerdem ein weiteres Poster für die Praxis und eine Kopiervorlage für Unterschriftenbögen, die Sie bei sich in der Praxis auslegen können. Lassen Sie uns die nächsten 20.000 Unterschriften sammeln, damit wir deutlich machen können, wie wichtig dieses Thema für alle MLD-Praxen in Deutschland ist.


Nächste Schritte der Lymph-Kampagne

Bis Ende des Jahres sammeln wir noch weiter Unterschriften, die wir dann an das Bundesgesundheitsministerium übergeben.

Ab Januar werden einige MLD-Praxen merken, was die neue Regelung für sie bedeutet: Kompressionsbandagen können nicht mehr innerhalb der Regelbehandlungszeit der MLD angelegt werden.  Somit verlieren Praxen nicht mehr 14 Euro je Therapiestunde, sondern 25.

Das haben schon jetzt einige Praxen zum Anlass genommen, Lymphdrainagepatienten nicht mehr anzunehmen oder gleich die Abrechnungserlaubnis für Lymphdrainage komplett zurückzugeben. In einer der nächsten Ausgaben von up|unternehmen praxis erläutern wir ausführlich, was das für den Praxisalltag bedeutet und welche Konsequenzen sich daraus für Patienten und Krankenkassen ergeben.

Es geht dabei um die Frage, ob Patienten im Jahr 2017 noch einen Lymphdrainagetermin bekommen oder nicht. Wenn die Krankenkassen keine freien Termine in angemessener Zeit und Nähe nachweisen können, dann dürfen sich Patienten MLD-Therapeuten auf eigenen Rechnung suchen. Die weitere Entwicklung der Lymph-Kampagne hängt also auch davon ab, wie viele MLD-Therapeuten bereit sind, für ihre Interessen aktiv zu werden. Wir werden Sie zu gegebener Zeit informieren.

Bildnachweis: openpetition, Lymph-Kampagne

Themen: Alle Artikel, Lymph-Kampagne

Stichwörter: ,

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.