Ausgabe up 02-2017 | Rubrik Politik

Lymph-Kampagne: Alle Unterschriften sind in Berlin angekommen

vom: 23.01.2017

Die Petition zur Lymph-Kampagne hat die Politik in Berlin erreicht. Nun liegt es am Bundestag und an Gesundheitsminister Gröhe, gegen die fragwürdige Änderung der Heilmittel-Richtlinie vorzugehen – und die Versorgung mit Lymphdrainage zu sichern.

Am 19. Januar 2017 fuhr Jenny Werner mit dem Zug von Kiel nach Berlin. Mit im Gepäck hatte die Physiotherapeutin, up-Redakteurin und Initiatorin der Lymph-Kampagne ein Paket mit Unterschriften – als Symbol für die 67.765 Unterstützer der Lymph-Petition. Auf dem verschneiten Rasen vor dem Bundestag übergab sie den Stapel an Dr. Roy Kühne, Mitglied des Gesundheitsausschusses im Bundestag. Er wird den gängigen Weg für Petitionen einleiten und die Unterschriften an den Petitionsausschuss weiterreichen. Dieser wiederum soll sie Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe übermitteln.

Folgenreiche „Klarstellung“ der Heilmittel-Richtlinie

Alles begann im Mai 2016. Der G-BA winkte eine „Klarstellung“ der Heilmittel-Richtlinie durch. Ihr zufolge sollen Therapeuten die Kompressionsbandagen erst nach den 30, 45 oder 60 Minuten MLD anlegen, ohne für die zusätzliche Zeit eine Vergütung zu erhalten. Diese Änderung hatte der GKV-Spitzenverband angeregt. Sie geschah nebenbei, im Rahmen eines Beschlusses, der sich eigentlich mit dem langfristigen Heilmittelbedarf befasste. Damit verstößt sie unseres Erachtens gegen die Prozessregeln des G-BA (wir berichteten in up 08-2016).

Seit dem 1. Januar 2017 verdienen Therapeuten, die sich an die Vorgaben halten, mit der MLD noch weniger Geld als bisher: statt 14 Euro nun 25 Euro weniger pro Stunde im Vergleich zur KG. Wer sich nicht an die Regelung hält, riskiert, dass die Krankenkasse die Kosten absetzt.

Zehntausende Menschen wenden sich an die Regierung

Also entschlossen wir uns, etwas gegen diese Entwicklung zu tun und riefen die Lymph-Kampagne ins Leben. Der erste Schritt ist getan: Wir wenden uns mit den Stimmen von fast 68.000 Menschen an die Politik. Gesundheitsminister Gröhe soll seine Rechtsaufsicht über die Krankenkassen wahrnehmen, um die Neuregelung der Heilmittel-Richtlinie zur MLD zurückzunehmen. Außerdem soll er dafür sorgen, dass Therapeuten für Zertifikatsleistungen wie die MLD endlich fair bezahlt werden.

Parallel dazu teilte uns die Plattform Open Petition (www.open-petition.de) mit: Sie wird den Gesundheitsausschuss des Bundestags anschreiben und um Stellungnahme zu unserer Petition bitten, weil wir mehr als die Hälfte des vorgegebenen Quorums erreicht haben.

Wie es weitergeht: Wir werden unter www.up-aktuell.de und in der Märzausgabe von up | unternehmen praxis über Reaktionen auf die Kampagne berichten.

Themen: Alle Artikel, Lymph-Kampagne

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  • Ich bin vor knapp zwei Jahren diagnostiziert worden. Lipolymphödem KL. 2. Nach über 20 Jahren täglicher Schmerzen, sagte mir ein Arzt, dass es nicht Übergewicht ist, sondern gab dem Leid einen Namen. Die Kompression Versorgung gepaart mit zweimal wöchentlicher LD brachten einen schmerzfreien Zustand. Ich habe meine Blutdruckmittel reduzieren können, brauchte keine Antidepressiva und keine Psychotherapie mehr. Doch jetzt der Schock: mein Versuch ein neues Rezept für LD zu bekommen, scheiterte. Mein Phlebologe teilte mir mit, wegen der neuen Abrechnung könnte er Klasse 1 und 2 Patienten keine LD mehr verordnen, die Kompressionware müsse reichen. Ich bin geschockt, verängstigt und weiß nicht was ich machen soll.

    • Leider hat ihr Phlebologe unrecht, selbstverständlich können auch Lymph- und Lipödeme Stufe 1 und 2 noch LD-Verordnungen. Nur eben leider nicht mehr extrabudgetär! Deswegen sollten Sie versuchen, einen Antrag auf langfristigen Heilmittelbedarf gem. § 32 SGB V in Verbindung mit § 8a Heilmittel-Richtlinie zu stellen. Bitten Sie ihren LD-Therapeuten um Unterstützung, wenn er nicht weiter weiß darf er gern bei uns anrufen. Infos dazu finden Sie bei Gemeinsamen Bundesausschuss, der eine Patienten-Information dazu veröffentlicht hat.

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