Ausgabe up 03-2017 | Rubrik Praxisführung

up|Umfrage: Wie hältst du es mit Patienten, die krank zur Therapie kommen?

vom: 21.02.2017

Die Saison für Grippe und Erkältung hält an und mit ihr kommen auch weiter die „Schniefnasen“ in Deutschlands Therapiepraxen. Die meisten Therapeuten haben natürlich keine Lust, sich anzustecken und sich ihrerseits mit Halskratzen, Husten und Schnupfen herumzuschlagen. 

Also Augen zu und durch, Desinfektionsmittel und Mundschutz – oder die Patienten nach Hause schicken? Wir haben Therapeuten in ganz Deutschland gefragt: „Wie hältst du es mit Patienten, die krank zur Therapie kommen?“

Vorgehen 1: Kranke oder erkältete Patienten müssen auf jeden Fall zu Hause bleiben!

So ein Verhalten ist eine Frechheit und gefährdet nicht nur mich, sondern auch meine Kollegen und andere Patienten. Wer krank in meine Praxis kommt, wird wieder nach Hause geschickt! Das gilt übrigens genauso für meine Mitarbeiter. Wir klären die Patienten dann mit Nachdruck darüber auf, dass sie beim nächsten Mal bitte vorher Bescheid sagen und ihren Termin verschieben.

  • Vorteil

    Mit dieser Taktik schützen Sie sich, Ihre Mitarbeiter und andere Patienten davor, sich anzustecken. Gerade in Zeiten von Grippewellen gibt es einfach keinen besseren Schutz als wandelnde Virenschleudern aus der Praxis zu entfernen.

  • Nachteil

    Wenn Sie jeden Patienten mit einer leichten Erkältung nach Hause schicken, werden sie zu Stoßzeiten vermutlich eine ganze Menge Ausfälle im Terminkalender eintragen müssen. Das sorgt schnell für Einbußen beim Umsatz. Außerdem haben einige Patienten lange Anfahrtswege zur Praxis oder akute Beschwerden, bei denen sie Ihre Hilfe brauchen – und sind dann ganz und gar nicht begeistert, wenn sie ohne Therapie wieder gehen müssen.

Vorgehen 2: Kranke oder erkältete Patienten dürfen bei uns zu Hause bleiben!

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland kann den gelben Zettel vorlegen, um sich damit von der Arbeit befreien zu lassen. Und so halten wir das auch mit der Therapie: Gelber Zettel und alles ist gut. Wir können schließlich Patienten nicht schlechter behandeln als ihr Arbeitgeber!

  • Vorteil

    Die Regel in diesen Praxen ist klar: Keine Ausfallgebühr zahlt, wer einen gelben Zettel vorlegen kann. Wer den nicht hat und trotzdem fehlt, muss zahlen. Einfache, eindeutige Regeln wie diese helfen sowohl den Patienten als auch den Mitarbeitern, die diese Vorschriften ja auch durchsetzen müssen.

  • Nachteil

    Einige „Schlaufüchse“ werden einen viralen Infekt auch gern mal als Ausrede für eine kurzfristige Absage verwenden – und vermutlich schnell einen Arzt finden, der es mit den gelben Zetteln nicht so genau nimmt. Ihre Praxis kann ja nicht nachweisen, dass die Patienten eigentlich gesund waren. Wenn dieses Verhalten die Runde macht, kann es für mehr Fehlzeiten sorgen und die Praxis teuer zu stehen kommen. Außerdem bewahrt sie dieses Vorgehen nicht vor kurzfristigen Ausfällen – schließlich können Patienten die Krankschreibung auch pünktlich zum Termin vorbeibringen, ohne vorher Bescheid zu sagen.

Vorgehen 3: Wozu gibt es Desinfektionsmittel?

Das kommt ganz drauf an. Ein kleiner Schnupfen behindert mich ja nicht in meiner Therapie. Im Nachhinein wird ordentlich desinfiziert und dann läuft das Ganze. Wenn Patienten röcheln und niesen, kommen zusätzlich Mundschutz und Handschuhe zum Einsatz.

  • Vorteil

    Sie minimieren die Zahl der Ausfälle, wenn sie auch erkältete Patienten behandeln. Die Therapiematerialien und –liegen müssen Sie sowieso nach jedem Patienten desinfizieren. Ein Mehraufwand fällt so gesehen also auch nicht an. Außerdem zeigen Sie Ihren Patienten, dass Heilmitteltherapie wichtig ist und nicht wegen Lappalien abgesagt werden kann.

  • Nachteil

    Für Sie und Ihre Mitarbeiter könnte es irgendwann schwierig werden, die Grenze zu ziehen: Wann hat ein Patient hat nur eine leichte Erkältung und wird behandelt? Wann ist der Infekt schwer genug und der Patient gehört ins Bett statt ins Behandlungszimmer? Und auch bei leichten Erkältungen und trotz Schutzmaßnahmen kann es passieren, dass Therapeuten sich anstecken.

Vorgehen 4: Das entscheidet jeder Mitarbeiter für sich.

Bei uns in der Praxis gibt es dazu keine feste Regel. Jeder Therapeut entscheidet selbst, wen er behandelt und wen er wieder ins Bett schickt. Schließlich hat jeder Mensch ein anderes Risikobewusstsein und auch eine unterschiedlich starke Immunabwehr. Einige sind weniger anfällig für kleine Infekte. Diese Mitarbeiter stört es dann meist auch nicht, einen erkälteten Patienten zu behandeln. Manche unserer Therapeuten haben auch keine Skrupel davor, sich notfalls mit einem Mundschutz auszustatten.

  • Vorteil

    Ihre Mitarbeiter fühlen sich wohler und sicherer, wenn sie wissen, dass sie Patienten mit Grippeviren nicht zwingend behandeln müssen und wenn sie selbst die Kontrolle darüber haben. Die Patienten sind außerdem oft immer bei derselben Therapeutin und kennen sie irgendwann gut – wenn sie es ist, die sie nach Hause schickt,  erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass sie Verständnis dafür haben.

  • Nachteil

    Weniger motivierte Mitarbeiter könnten diese Freiheit ausnutzen und ungeliebten Patienten gezielt die Behandlung verweigern. Solch ein Verhalten sorgt nicht nur für Ärger bei den Patienten, sondern über längere Zeit auch im Team. Zoff gibt es spätestes, wenn Kollegen die ausgefallenen Termine auffangen und genervte Patienten wieder beruhigen müssen.

Vorgehen 5: Die Therapie fällt nur aus, wenn es der Gesundheit des Patienten schadet

Für mich gibt es nur einen Grund, warum Therapie nicht stattfinden sollte und das ist, wenn der Gesundheitszustand des Patienten das nicht zulässt. So lange keine schwere Erkrankung vorliegt, wird die Therapie auch durchgeführt. Die Intensität können wir ja daran anpassen, wie fit der jeweilige Patient ist.

  • Vorteil

    Sie zeigen ihren Patienten, wie ernst sie die Therapie nehmen – und dass eine Behandlung bei Ihnen nichts ist, was man mal einfach absagt. Wenn Patienten die Relevanz der Therapie bewusst wird, kann das für eine bessere Compliance und damit auch für ein besseres Ergebnis sorgen.

  • Nachteile

    Nicht jeder Mitarbeiter fühlt sich wohl, wenn er einen kranken Menschen behandeln muss. In der Heilmitteltherapie ist eine Hands-off-Behandlung nicht immer möglich. Stellen Sie diesen Kollegen ausreichend Material zum persönlichen Infektionsschutz (zum Beispiel Mundschutz, Handschuhe, Händedesinfektionsmittel) zur Verfügung, damit sie sich an die Regeln halten und ohne Berührungsängste therapieren können.

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