Ausgabe up 05-2017 | Rubrik Praxisführung

up|Umfrage: Wie hältst du es mit rauchenden Therapeuten

vom: 20.04.2017

Rauchen ist gesellschaftlich (noch halbwegs) anerkannt und generell nicht verboten. Doch in manchen Situationen ist es ein No-go: Therapeuten, die nach kaltem Rauch riechen, wirken unprofessionell und schrecken womöglich Patienten ab. 

Und auch die Vorbildfunktion eines Heilmittelerbringers ist schnell dahin, wenn er seine Patienten rauchend vor der Tür begrüßt. Deshalb haben wir in deutschen Praxen nachgefragt: Wie hältst du es mit rauchenden Therapeuten?

Vorgehen 1: Bei uns herrscht absolutes Rauchverbot.

Wir sind eine professionelle Praxis. Nach kaltem Rauch stinkende Therapeuten passen einfach nicht in dieses Bild. Aus diesem Grund gibt es bei uns ein striktes Rauchverbot für alle Mitarbeiter und den Chef. Was jeder dann in seiner Freizeit macht, ist seine Sache, aber die Praxis bleibt rauchfrei.

  • Vorteil

    Vor allem bei kontrovers diskutierten Themen sind klare Verhaltensregeln wichtig. Klar durchgesetzt sorgen sie dafür, dass es gar nicht erst zu Diskussionen zwischen rauchenden und nicht-rauchenden Kollegen kommt. Ein einheitliches Verbot ist verbindlich und eindeutig. Den Mitarbeitern fällt es leichter, es einzuhalten als schwammig formulierte Ausnahmeregeln – und Chefs können es besser durchsetzen.

  • Nachteil

    Die rauchenden Kollegen fühlen sich unter Umständen benachteiligt. Das wiederum könnte für Reibereien im Team sorgen. Außerdem ist es schwierig, starke Raucher wirklich einen vollen Arbeitstag lang von ihrer Sucht fern zu halten. Hierauf müssen Chefs gut vorbereitet sein und mit Nachdruck reagieren können.

Vorgehen 2: Geraucht wird nur in den Pausen und danach werden Hände gewaschen und desinfiziert.

Rauchende Therapeuten wirken wirklich nicht sehr professionell. Aus diesem Grund darf bei uns nur in den Pausen geraucht werden. Und dann auch nur mit klaren Vorgaben: Therapeuten rauchen da, wo sich keine Patienten aufhalten. Nach dem Rauchen waschen und desinfizieren sie ihre Hände. Für frischen Atem danach hat außerdem jeder selbst Sorge zu tragen, dafür gibt es ja Kaugummis, Zahnbürsten und Mundwasser.

  • Vorteil

    Bei dieser Regelung wird niemand pauschal benachteiligt. Und dennoch legen die Mitarbeiter Wert darauf, dem Patienten gegenüber professionell und gepflegt aufzutreten. Wenn es gelingt, dass sich niemand durch die rauchenden Therapeuten gestört fühlt, ist dies eine entspannte Lösung für alle Beteiligten.

  • Nachteil

    Unter Umständen wird es schwierig, eine solche Regelung wirklich durchzusetzen. Nicht jede Praxis verfügt über einen geeigneten Raucherplatz, auf dem rauchende Mitarbeiter keinen Patienten begegnen, wie einen Hinterhof. Außerdem besteht die Gefahr, dass aus dem Rauchen in der Mittagspause ein Rauchen zu jeder Gelegenheit wird. Schnell bürgert es sich ein, dass die Raucher dann jede freie Minute zum Qualmen nutzen. Solch ein Verhalten dann wieder zu reglementieren, ist schwieriger, als von Anfang an ein komplettes Rauchverbot durchzusetzen. 

Vorgehen 3: Ich mag es zwar nicht, aber ich kann es meinen Mitarbeitern doch nicht verbieten.

Klar finde ich es unpassend, wenn Heilmittel-Erbringer in ihrer Behandlung nach Rauch riechen. Ich persönlich würde ja auch nicht so behandelt werden wollen. Aber als Arbeitgeber habe ich doch auch eine gewisse Sorgfaltspflicht meinen Mitarbeitern gegenüber. Und in diesem Rahmen kann ich ihnen nicht pauschal alles verbieten.

  • Vorteil

    Bei diesem Vorgehen zeigen Sie ein großes Einfühlungsvermögen für alle Ihre Mitarbeitern und gewähren ihnen ein gewisses Maß an Freiheit. So kann sich auch niemand diskriminiert fühlen.

  • Nachteil

    Wenn es keine Reglungen gibt, handhabt jeder Mitarbeiter dieses Thema, wie es ihm am besten passt. Das kann bedeuten: Manche Therapeuten rauchen, wann und wo sie möchten und machen dadurch vielleicht einen schlechten Eindruck auf die Patienten. Entscheidet der Praxischef sich um und möchte eine Regelung einführen, kann das mit Konflikten einhergehen: Schließlich haben die rauchenden Mitarbeiter sich an ihre Freiheit gewöhnt.

Vorgehen 4: Ich ärgere mich täglich darüber und muss meine Leute ständig ermahnen.

Es ist ein leidiges Thema mit dem Rauchen. Ich bitte meine Therapeuten darum, es während der Arbeitszeit zu unterlassen. Jeden Tag muss ich sie aufs Neue ermahnen: „Ihr sollt hier nicht rauchen! Wascht Euch die Hände nach dem Rauchen!“ Aber von allein kommt niemand auf die Idee, darauf zu verzichten. Ich komme mir vor, als müsste ich trotzige Kinder erziehen.

  • Vorteil

    Mitarbeiter, die ihr Chef darum bittet, während der Arbeit nicht zu rauchen, fühlen sich dadurch weniger bevormundet als durch ein striktes Verbot. Einige werden trotzdem aus freiwilligen Stücken auf das Rauchen verzichten. Sie wirken dann auch gleich als gute Vorbilder für andere oder neue Kollegen. So entsteht durch das soziale Gefüge im Team vielleicht sogar ein ungeschriebenes Rauchfreiheits-Gesetz.

  • Nachteil

    Gilt das Rauchverbot jetzt nur vor der Praxis? Und nicht zur Mittagszeit? Ist es überhaupt wirklich verboten? Wenn es keine klaren Regeln gibt, halten viele Raucher sich vermutlich auch nicht an die Bitten des Chefs. Es hilft also höchstens, wie bei der Kindererziehung, immer wieder zu ermahnen und an die weichen Vereinbarungen zu erinnern. Das kann beiden Parteien auf Dauer auf die Nerven fallen.

Vorgehen 5: Wieso Raucher? Die werden bei mir gar nicht erst eingestellt.

Ich rauche nicht. Würde ich auch niemals tun. Als Nichtraucher empfinde ich den Gestank von kaltem Rauch als sehr belästigend. Ein Raucher kann sich noch so gut die Hände waschen und einen Kaugummi essen, er wird immer diesen unangenehmen Geruch in seinen Haaren und der Kleidung tragen. Aus diesem Grund stelle ich keine Mitarbeiter ein, die rauchen.

  • Vorteil

    Sie packen das Problem bereits an der Wurzel und sorgen dafür, dass das Thema Rauchen in Ihrer Praxis gar nicht erst zu einem Problem werden kann.

  • Nachteil

    Dieses Vorgehen verstößt gegen geltendes Recht. Wenn ein Arbeitgeber Bewerber ausschließt, weil sie rauchen, ist das eine Form der Diskriminierung und gesetzlich nicht zulässig.

Vorgehen 6: Ist das ein Problem? Ich rauche doch selbst!

Da ich selbst Raucher bin, kann ich auch von meinen Mitarbeitern nicht verlangen, dass sie ganz auf dieses Ritual verzichten. Man muss da einfach klare Regeln für alle finden. Und Kaffee bei Kaffeetrinkern fördert schließlich auch keinen guten Atem…

  • Vorteil

    Wenn Sie als Chef selbst Raucher sind und mit gutem Beispiel vorangehen, werden Ihnen Ihre Mitarbeiter vermutlich leichter folgen. So können Sie gemeinsam mit den anderen Rauchern Rituale schaffen und kontrollieren: Sie rauchen dann in der Mittagspause und im Hinterhof – und zwar ausschließlich.

  • Nachteil

    Wenn der Chef selbst raucht, besteht die Gefahr, dass rauchende Mitarbeiter denken, sie hätten dadurch einen Freibrief. Dann rauchen sie, wann und wo sie wollen. Sie dann wieder einzufangen, wird mit der Zeit immer schwieriger.

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  • Praxis ist rauchfrei und ob Mitarbeiter rauchen oder nicht ist nicht relevant.
    In Anbetracht des Stellenmarktes und der dauerhaften Unterversorgung mit Therapeuten kann man da eh nicht wählerisch sein.
    In den Pflegeheimen stinkt es nach Fäkalien und bei so manchem Hausbesuch würde man am Liebsten wieder rückwärts rausgehen.
    Desinfektionsmittel steht überall herum und ein Mundspray kostet nicht die Welt – ganz ehrlich: Ist nicht schon wieder Zeckenzeit?

  • Es bleibt doch generell jeden selbst überlassen ob er raucht oder nicht.
    Ich bin seit 6 Jahren Nichtraucher u. mich stört es in keinster Weise.
    Die Einmischung von diesem Hrn. Schmidt, Rauchen an in gewissen Örtlichkeiten zu verbieten, hat nur der Gastronomie geschadet.
    Beschäftigt euch bitte mit wichtigen Sachen.

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