Ausgabe up 09-2017 | Rubrik Praxisführung

up|Umfrage: Wie hältst du es mit dem Duzen im Praxisteam?

vom: 16.08.2017

Viele Branchen haben so ihre Eigenheiten, wenn es um das Duzen und Siezen geht. In der Bank herrscht das „Sie“, die Angestellten an der Supermarkt-Kasse reden sich mit „Du, Frau Mayer“ an, in der Medienbranche duzt oft auch der Praktikant den Chefredakteur. Die Therapeuten sind vermutlich ebenfalls nicht unbedingt für ihre Förmlichkeit bekannt. Doch natürlich hat jede Praxis ihre eigenen Regeln und Sitten. Wir haben deswegen Praxischefs gefragt: Wie hältst du es mit dem Duzen im Team?

Vorgehen 1: Bei uns werden alle gesiezt

Das „Sie“ ist für mich eine Form der Höflichkeit im professionellen Miteinander. Auch nach außen wirkt es auf die Patienten einfach professioneller. Aus diesem Grund siezen sich bei uns alle Mitarbeiter.

  • Vorteil

    Eine klare und verbindliche Regelung sorgt dafür, dass jedem verständlich ist, wie er sich zu verhalten hat. Ein allgemeines „Sie“ schützt vor Grüppchenbildung nach dem Motto „Diesen Kollegen mag ich lieber, deshalb duzen wir uns“. Es trägt somit zu einem professionellen Klima bei. Das „Sie“ bringt außerdem immer automatisch eine Form von Respekt mit sich.

  • Nachteil

    Ein allgemeines „Sie“ ist im Praxisalltag schwierig durchzusetzen, besonders, wenn sich Kollegen sympathisch sind und unter Umständen auch ihre Freizeit miteinander verbringen. Außerdem kann das „Sie“ im schlimmsten Fall dazu führen, dass eine professionelle Distanz sich auch auf zwischenmenschlicher Ebene einschleicht. Ein kollegiales „Wir-Gefühl“ entsteht somit nur schwer.

Vorgehen 2: Bei uns wird nur der Chef gesiezt

Wenn man eng und freundschaftlich zusammenarbeitet, ergibt sich ein „Du“ doch automatisch. Damit sich neue Kollegen im Team direkt zuhause fühlen, gilt bei uns deshalb die Regel: Jeder wird sofort geduzt. Außer dem Chef, dieser wird aus Respekt immer gesiezt.

  • Vorteil

    Ein allgemeines „Du“ macht es auch gerade neuen Kollegen leichter, sich in ein bestehendes Team zu integrieren. Das „Sie“ für den Chef verleiht ihm außerdem eine natürliche Autorität: „Sie Dummkopf!“, rutscht einem bei Konflikten einfach nicht so leicht über die Lippen. Das schützt sowohl Chef als auch Mitarbeiter vor Eskalationen.

  • Nachteil

    Durch das „Sie“ wird der Chef künstlich von seinen Mitarbeitern abgegrenzt, eine klare Hierarchie entsteht. Diese unsichtbare Barriere ist zum einen zwar gewollt, kann dem Praxisinhaber aber auch den Zugang zu seinen Mitarbeitern erschweren.

Vorgehen 3: Ein Sie gibt es bei uns nicht! 

In unserem Praxisteam würde sich ein allgemeines „Sie“ seltsam anfühlen – und wäre kontraproduktiv. Es würde nur unsichtbare Kommunikationsbarrieren aufbauen, die wir nicht brauchen. Wir arbeiten täglich zusammen und müssen an einem Strang ziehen. Aus diesem Grund wird bei uns jeder gnadenlos geduzt, auch der Chef.

  • Vorteil

    Das allgemeine Du schafft automatisch ein „Wir-Gefühl“. Alle Mitarbeiter und auch der Chef sind gleichermaßen Teil des Teams. Das „Du“ erleichtert den Zugang zueinander und sorgt für ein harmonisches Arbeitsklima. Auch in der nonverbalen Kommunikation nach außen transportiert es einen gewissen Zusammenhalt.

  • Nachteil

    Beim Durchsetzen von Arbeitsanweisungen verschafft das „Sie“ einfach eine natürliche Autorität. Wird man als Chef geduzt, muss man sich diese über sein Handeln erst erarbeiten. Gerade in Konfliktsituationen kann ein „Du“ schwierig werden. Das gilt sowohl für Konflikte zwischen einzelnen Mitarbeitern, die leichter eskalieren können, als auch für Konflikte zwischen einem Praxisinhaber und seinen Mitarbeitern. Vor allem Mitarbeiter zu führen und klare Grenzen zu ziehen fällt mit einem „Du“ oft schwieriger als mit einem „Sie“.

Vorgehen 4: Ob „Du“ oder „Sie“, das muss jeder für sich selbst entscheiden

Ob jemand sich duzen lassen möchte, hängt von vielen Faktoren ab: Sympathie, Alter, den eigenen Werten und Vorstellungen und so weiter. Aus diesem Grund entscheidet bei uns jeder selbst, wer ihn duzen darf und wer nicht.

  • Vorteil

    Das „Sie“ ist in Deutschland auch immer eine Form von Respekt und eine Abgrenzungsmöglichkeit zu fremden Menschen. Die Entscheidung, ob sich jemand „duzen“ lassen möchte, ist dementsprechend ein gewisser Eingriff in seine Privatsphäre. Indem Sie Ihre Mitarbeiter selbst entscheiden lassen, geben Sie ihnen die Möglichkeit, in dieser Privatangelegenheit eigenständig Grenzen zu ziehen. Auch das kann förderlich für das Betriebsklima sein: So muss sich der ältere, sehr gut ausgebildete Kollege, mit vielen Jahren Berufserfahrung nicht zwingend auf eine Ebene mit seinem jungen Berufseinsteiger begeben. Das „Sie“ grenzt ihn ein wenig ab.

  • Nachteil

    Darf jeder selbst über „Sie“ und „Du“ entscheiden, wissen neue Kollegen nicht immer, wie sie sich zu verhalten haben. Die gewisse Distanz, die ein „Sie“ mit sich bringen kann, erschwert es schüchternen Kollegen zudem unter Umständen, sich in ein bestehendes Team zu integrieren. Außerdem wird über die Entscheidung „dieser Kollege darf mich duzen und dieser nicht“ eine gewissen Sympathiehierarchie vermittelt. Im schlimmsten Fall sorgt diese für Grüppchenbildungen im Team. Das wiederum bietet Zündstoff für Konflikte.

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