Ausgabe up 11-2017 | Rubrik Praxisführung

up|Umfrage: Wie hältst du es mit kranken Therapeuten?

vom: 18.10.2017

Während jetzt im Herbst die Temperaturen sinken, nimmt die Zahl der erkälteten und kranken Mitarbeiter zu.
Die Ausfälle, zu denen es deswegen kommt, können Praxen häufig nur schwer auffangen – die Terminpläne sind ohnehin schon randvoll. Häufig sollen also auch Kollegen mit dicker Schnupfennase noch anpacken. Doch das kommt bei Patienten und Kollegen nicht immer gut an. Deshalb fragen wir Sie: Wie hältst du es mit kranken Therapeuten?

Ein kleiner Schnupfen bringt doch keinen um

Wenn jemand richtig krank ist, gehört er natürlich geschont und soll sich zu Hause erholen. Doch ein einfacher Schnupfen ist für mich kein Grund, jemanden nach Hause zu schicken. Da muss schließlich jeder von uns mal durch. Wenn ich im Herbst und Winter jeden erkälteten Mitarbeiter nicht arbeiten lassen würde, wäre ich bald allein in der Praxis.

  • Vorteil

    Durch dieses Vorgehen werden die Lücken in den Therapeutenreihen im Herbst und Winter auf jeden Fall ein wenig geschlossen. Das gewährleistet auch in der Erkältungszeit einen reibungslosen Ablauf in der Praxis, ohne größere Ausfälle. Denn die Mitarbeiter haben sicherlich häufiger einen grippalen Infekt als eine wirkliche Grippe.

  • Nachteil

    Auch ein kleiner Schnupfen kann manchmal große Auswirkungen haben. Zum einen fühlen sich die Betroffenen für ein bis zwei Tage wirklich ziemlich krank. Entsprechend könnten ihre Arbeitsleistung und auch die Arbeitsmoral darunter leiden. Außerdem ist den Patienten in den Händen eines stark verschnupften Therapeuten auch nicht unbedingt wohl und sie haben Angst, sich anzustecken.

Das habe ich doch nicht zu entscheiden – ob krank oder nicht krank entscheidet der Arzt

Ich bin doch nicht der Arzt. Es obliegt der ärztlichen Hoheit, die Diagnose zu stellen, ob jemand wirklich zu krank zum Arbeiten ist. Aus diesem Grund halte ich mich da völlig raus. Fühlt sich einer meiner Mitarbeiter unwohl, muss er eben eine Arztpraxis aufsuchen, bevor er sich krankmelden kann, auch wenn es nur um einen Tag geht.

  • Vorteil

    Diese klare Vorgabe stellt alle Mitarbeiter gleich: Jeder darf der Arbeit nur fernbleiben, wenn er eine Krankmeldung durch den Arzt vorlegt. Niemand kann sich also ungerecht behandelt fühlen, weil der Arbeitnehmer seine Kopfschmerzen nicht so schlimm fand wie den Schnupfen der Kollegin.

  • Nachteil

    Manche ein Mitarbeiter könnte sich aus falscher Loyalität wirklich krank zur Arbeit schleppen, nur um seine Kollegen nicht unnötig zu belasten. Solch ein Verhalten gefährdet aber nicht nur die Gesundheit des Therapeuten, sondern auch jene der anderen Mitarbeiter und Patienten. Sie könnten sich leicht bei der kranken Person anstecken.

Ob jemand krank ist oder nicht entscheidet in den ersten drei Tagen jeder selbst

Ich bin doch nicht die Mutter meiner Angestellten, die wie in der Schulzeit darüber entscheidet, ob das Kind zu Schule muss und einen Entschuldigungszettel schreibt. In unserem Team ist jeder für das Wohl seiner Kollegen und auch für sich selbst verantwortlich. Für bis zu drei Tage können alle für sich einschätzen, ob sie sich noch fit genug fühlen, um zu arbeiten, oder ob sie zu Hause im Bett besser aufgehoben sind. Unter Druck setze ich jedenfalls niemanden.

  • Vorteil

    Dieses Vorgehen zeigt Ihren Mitarbeitern, wie sehr Sie ihnen vertrauen. Die meisten werden sich dadurch wertgeschätzt fühlen und versuchen, nur selten wegen Krankheit zu fehlen. Für einen Mitarbeiter mit Migräne ist es wesentlich angenehmer, sich mit seinen Kopfschmerzen einen Tag ins Bett zu legen, als einen Vormittag im überfüllten Wartezimmer zu verbringen, nur um sich krankschreiben zu lassen. Ein weiterer Vorteil für Sie: Ärzte schreiben die Arbeitnehmer meist gleich mehrere Tage krank. Mitarbeiter, die für sich selbst entschieden haben, dass sie gerade arbeitsunfähig sind, sind meist viel schneller wieder einsatzfähig.

  • Nachteil

    Es könnte immer mal ein schwarzes Schaf im Team geben, das Ihr Vertrauen ausnutzt und regelmäßig krankfeiert. Darunter leiden nicht nur Sie als Inhaber, sondern auch die anderen Kollegen, die den unberechtigten Ausfall kompensieren müssen. Hier sollte man als Chef immer die Augen und Ohren offenhalten, um Unmut vorzubeugen.

Wir sind doch hier kein Virenzuchtverein – wer krank ist, gehört ins Bett!

Kranke Mitarbeiter gehören nicht in unsere Praxis. Es ist nicht nur für die Patienten unangenehm, von einem verschnupften Therapeuten behandelt zu werden. Meistens steckt er auch mindestens noch einen Kollegen an. Und wenn es erstmal soweit ist, wird man die Erkältung im Team über den gesamten Winter nicht mehr los. Bei uns kurieren sich Kollegen mit starkem Schnupfen deshalb einfach ein bis zwei Tage zu Hause aus und sind dann schnell wieder einsatzfähig.

  • Vorteil

    Die Erfahrung zeigt: Wenn Mitarbeiter eine einfache Erkältung unterschätzen und sie verschleppen, haben sie – und auch der Rest des Teams – meist viel länger mit dem Problem zu kämpfen, als wenn sie sich einmal richtig auskuriert haben. Es ist besser, wenn der betroffene Kollege nur kurz ausfällt als mit einer verschleppten Erkältung oder einer Grippe dann mehrere Tage und Wochen. Außerdem besteht so auch für seine Kollegen keine Ansteckungsgefahr.

  • Nachteil

    In der Erkältungssaison kann es durchaus auch mal mehrere Kollegen gleichzeitig erwischen, ohne dass sie sich gegenseitig angesteckt haben. Bleiben die Therapeuten dann zuhause, um sich auszukurieren, bleibt Ihnen unter Umstände keine andere Möglichkeit, als Termine abzusagen.

Ich würde den kranken Kollegen gern nach Hause schicken, aber einen spontanen Ausfall können wir einfach nicht kompensieren

Ich finde es auch problematisch, wenn sich Mitarbeiter mit einer starken Erkältung zur Arbeit schleppen müssen. Manchmal haben sie für ein bis zwei Tage ja die gleichen Symptome wie bei einer Grippe. Allerdings kann ich mir Ausfälle in unserer kleinen Praxis einfach nicht leisten. Unser Terminplan ist zum Bersten voll und ich habe nicht genug Personal, das die Termine kranker Kollegen auffangen könnte. Termine ausfallen zu lassen kann ich mir noch viel weniger leisten. Deshalb gilt bei uns: Ohne Krankschreibung darf niemand fehlen.

  • Vorteil

    Hier ist eine klare Kommunikation an die Mitarbeiter gefragt: Wenn man ihnen die Situation beschreibt, ist für jeden die Notwendigkeit einer Krankschreibung ab dem ersten Tag verständlich. Gelingt das, fühlen die Mitarbeiter sich verstanden, entwickeln ihrerseits Verständnis für die Situation der Praxis und unterstützen Sie dabei, die Regel durchzusetzen.

  • Nachteil

    Für manche gesundheitlichen Probleme stellt der Arzt nicht zwingend eine Krankschreibung aus – für leichte Kopfschmerzen beispielsweise oder leichte Rückenschmerzen. Aber auch sie können die Leistungsfähigkeit eines Arbeitnehmers stark einschränken. Das macht es schwierig, eine Regelung zu finden, die für beide Parteien vertretbar ist. Es braucht viel Fingerspitzengefühl, über solche Szenarien und ihre Lösung nachzudenken. Beispielsweise könnten Praxisinhaber für betroffene Kollegen einen Rückzugsort schaffen oder ihnen erlauben, ihre Pause zu verlängern oder sich eine zusätzliche Pause einzuplanen. Dann muss man statt allen Terminen vielleicht nur ein oder zwei absagen.

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