Ausgabe up 12-2017 | Rubrik Politik

„Verbandslose Therapeuten müssen sich für eine Preisliste entscheiden“

vom: 28.11.2017

Wenn Verbände und Kassen verhandeln, einige Therapeuten aber nicht Mitglied in einem Verband sind – welche Verträge gelten dann eigentlich für sie? Diese Frage hat uns der BKK Landesverband NORDWEST, der die Federführung für die Verhandlungen der Primärkassen in Hamburg innehat, per E-Mail beantwortet.

up: Wie komme ich als Therapeut in eine der Preislisten?

BKK NORDWEST: Als Therapeut mit Kassenzulassung komme ich grundsätzlich über einen anerkannten Berufsverband der entsprechenden Fachrichtung an meine Vergütungsvereinbarung. Letztlich ist dies eine der originären Aufgaben der Berufsverbände. Ansonsten gibt es im Internet genügend, zum Teil auch kostenpflichtige Plattformen und Seiten, wo sich auch verbandslose Therapeuten die vereinbarten Vergütungspreise besorgen können. Auch einige Kassenarten stellen auf ihren Homepages solche Scans als Download zur Verfügung.

Die Krankenkassen haben aus wettbewerbsrechtlichen Gründen grundsätzlich von einer Übersendung der Vergütungsvereinbarungen abzusehen, um sich nicht dem Vorwurf des Eingriffs in den Wettbewerb unter den Berufsverbänden zu unterwerfen. Lediglich im Rahmen der Aufklärung, Beratung und Auskunft (§§ 13 – 15 SGB I / Allgemeiner Teil) könnten die Krankenkassen und ihre Verbände einmalig und allgemein auch verbandslose Therapeuten informieren.

up: Können sich verbandslose Therapeuten einfach für eine der Preislisten entscheiden?

BKK NORDWEST: Einem verbandslosen Therapeuten steht die Wahl der Vergütungsvereinbarung oder Preisliste frei. Allerdings muss er sich für die Geltung einer Zulassung für eine Preisliste entscheiden und diese anerkennen (§ 124 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 SGB V). Zur Vermeidung von sogenanntem Preislisten-Hopping ist die Bindung der Anerkenntniserklärung in den meisten Fällen schriftlich auf mindestens ein Jahr festgelegt.

Der einfache Übertritt in mögliche höhere Preislisten ist damit nicht gegeben. Letztlich ist dies in Hamburg allerdings derzeit kein Problem, da in den einzelnen Heilmittelbereichen – je nach Kassenzugehörigkeit des Versicherten – die Preise in den entsprechenden Gebührenpositionen bei allen Berufsverbänden seit einigen Jahren gleich hoch sind. Im Bereich der Physiotherapie haben die Primärkassen mit allen Berufsverbänden in Hamburg die gleichen Preise vereinbart.


Hier gelangen Sie zu allen Artikeln unseres Schwerpunktthemas:

Teil 1: 9 Monate verhandeln mit dem HHVG

Teil 2: Verhandeln mit klaren Zielen und gemeinsamen Strategien + 10 Gründe, warum die GKV-Honorare um mindestens 73,5 Prozent steigen müssen

Teil 3: Kommentar: Kräftemessen mit den Kassen: Besser an einem Strang ziehe

Teil 4: Interview mit BKK NordWest: „Verbandslose Therapeuten müssen sich für eine Preisliste entscheiden“


Bildnachweis: iStock: a-wrangler

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