Ausgabe up 1-2018 | Rubrik Branchennews

Urteil: Kasse muss in Ausnahmefällen Nagelspangenbehandlung durch Podologen übernehmen

vom: 13.12.2017

Eine gesetzliche Krankenkasse muss die Kosten für eine Nagelspangenbehandlung bei einem staatlich geprüften Podologen erstatten, wenn die Behandlung medizinisch notwendig ist und kein Arzt die Leistung erbringen kann oder will. Diese Grundsatzentscheidung hat kürzlich das Landessozialgericht (LSG) Berlin-Brandenburg getroffen.

Im vorliegenden Fall litt die gesetzlich krankenversicherte Klägerin unter einem chronisch eingewachsenen Zehennagel. Die Behandlung mit einer individuell gefertigten Nagelkorrekturspange war dementsprechend medizinisch notwendig. Die Patientin fand allerdings keinen Arzt, der die Leistung erbringen konnte oder wollte. Weder die Kasse noch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) konnte ihr einen Arzt nennen. Daraufhin ließ sich die Klägerin bei einer medizinischen Fußpflegerin behandeln, die die Nagelkorrekturspange anlegte und ihren Sitz laufend regulierte.

Bei “Systemmangel” sei Behandlung durch Podologen erlaubt

Die Kasse lehnte die Übernahme der Kosten mit der Begründung ab, sie müsse medizinische Fußpflege nur beim diabetischen Fuß zahlen. Das Gericht stimmte im Grundsatz zu, gab aber dennoch der Klägerin Recht, da sie keinen Arzt hatte finden können. Dies sei, so die Potsdamer Richter, ein „Systemmangel“, und in diesem Fall sei die Behandlung durch einen nichtärztlichen Leistungserbringer wie die Podologin erlaubt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig: Das Gericht hat die Revision zum Bundessozialgericht zugelassen (Aktenzeichen: L 9 KR 299/16).


Bildnachweis: Fotolia, lafota

(Visited 81 times, 1 visits today)
Themen: Alle Artikel, Branchennews, Branchennews Aktuell, Themen Podologen, Themen speziell für...


Wir freuen uns zu Ihrer Rückmeldung zu diesem Artikel! Lesen Sie hier mehr zu unseren Kommentarregeln und wie wir Kommentare redaktionell bearbeiten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.