Ausgabe up 02-2017 | Rubrik Praxisführung

up|Umfrage: Wie hältst du es mit unmotivierten Patienten?

vom: 23.01.2018

Wer kennt das nicht: Man ist als Therapeut aufopfernd und ermutigend, aber trotz aller Mühe sind manche Patienten einfach unmotiviert. 

Das kann ganz verschiedene Ursachen haben. Doch egal, welches Problem im Einzelnen dahintersteckt, die Folge ist immer die gleiche: das Therapieergebnis wird gefährdet. Daher die Frage: Wie hälst du es mit unmotivierten Patienten?

Vorgehen 1: Ich suche die Ursache der mangelnden Motivation und arbeite dann gemeinsam mit dem Patienten an einer Lösung

Fehlender Antrieb kann vielfältige Gründe haben. Manche Patienten müssen schwere Schicksalsschläge verarbeiten, andere sind einfach therapiemüde. Abhängig davon, wo genau die Ursache liegt, handle ich dann entsprechend. Ausgangsbasis dafür ist aber immer ein gutes Vertrauensverhältnis und ein klärendes Gespräch mit den Patienten.

  • Vorteil

    Die große Offenheit stärkt das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Therapeut. Wenn Sie es schaffen, den Patienten zu „knacken“ und mit ihm neue Erfolge erarbeiten können, wird das Vertrauen sogar zusätzlich gestärkt und beide Seiten werden noch stolzer auf die erreichten Ziele sein.

  • Nachteil

    Manchmal wollen Patienten aber nicht über die Ursachen des Motivationsmangels sprechen. Oder ihnen ist selbst nicht bewusst, was genau hinter ihrem therapiegefährdenden Verhalten steckt. Gelingt es dem Therapeuten jedoch nicht, den Grund zu erfahren, rennt er gegen eine Wand an und wird kaum das Therapieziel erreichen.

Vorgehen 2: Wenn das Maß voll ist, wird die Therapie abgebrochen

Wenn Patienten nicht mitarbeiten wollen, schaue ich mir das eine Weile an. Allerdings kann ich meine Zeit nicht endlos mit erfolglosen Motivationsversuchen verschwenden. Ist ein Patient in meinen Augen nicht mehr therapiefähig, spreche ich das offen an und breche die Therapie, wenn nötig, ab. Meine Warteliste ist voll mit Patienten, die froh wären, zeitnah einen Termin zu bekommen.

  • Vorteil

    Indem Sie versuchen, auf die Probleme des Patienten einzugehen, zeigen Sie Einfühlungsvermögen und Professionalität. Auch die Entscheidung, die Behandlung irgenwann zu beenden, erfordert viel Selbstvertrauen und professionelles Verhalten. Für manche Patienten ist ein solcher Schlussstrich einfach notwendig, um sich selbst und ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen.

  • Nachteil

    Hier schnappt gern die Falle des „Helfersyndroms“ zu: Manchmal kann es schwierig sein, als Therapeut wirklich den Absprung zu schaffen. Wenn ich bereits mehrere Wochen lang mit einem Patienten intensiv gearbeitet habe – nicht nur an seinem Gesundheitsproblem, sondern auch an den Hintergründen seiner mangelnden Motivation – wird es schwierig, den richtigen Moment zu finden, die Therapie abzubrechen

Vorgehen 3: Der Weg ist das Ziel

Ich habe bemerkt, das fehlende Motivation häufig daher rührt, dass den Patienten der Sinn und Zweck ihrer Therapie nicht (mehr) bewusst ist. In solchen Momenten führe ich klare Zielgespräche mit den Betroffenen. Das ruft in Erinnerung, welches Ziel wir erreichen wollen und warum die Therapie und die eigene Mitarbeit so wichtig sind.

  • Vorteil

    Sie sind kein Psychotherapeut. Also packen Sie das Motivationsproblem an der Wurzel, die in Ihren Fachbereich fällt: Sie überdenken und überarbeiten mit den Patienten gemeinsam die Ziele der Therapie. Wenn diese wieder klar sind, steigt die Motivation praktisch von alleine.

  • Nachteil

    Manche Ursachen für mangelnde Motivation liegen einfach doch zu tief und sind nicht nur über angepasste Therapieziele überwindbar. Dann stoßen Heilmittelerbringer an ihre Grenzen. In solchen Fällen muss eine weitere Profession mit ins Boot geholt werden, um für den Pateinten ein optimales Therapieergebnis zu erreichen.

Vorgehen 4: Ich reiß‘ mir kein extra Bein für sie aus. Über das normale Maß hinaus motivieren, dass kann in der kurzen Therapiezeit nicht wirklich auch noch meine Aufgabe sein

Die Therapiezeit – zumindest bei gesetzlich Versicherten – ist sowieso schon sehr knapp bemessen. Wenn ich hier auch noch anfange, tiefgründige Motivationsgespräche zu führen, bleibt ja gar keine Zeit mehr für meine Behandlung. Selbstverständlich motiviere ich Patienten im Rahmen meiner Therapie. Aber wer zusätzliche „Streicheleinheiten für die Seele“ braucht, ist bei mir dann doch fehl am Platz.

  • Vorteil

    Therapeuten müssen sich auch von den Problemen der Patienten abgrenzen können. Dadurch fällt es Ihnen leichter, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – Ihre Therapie. Und wenn schon der Patient scheinbar momentan nicht mit vollem Einsatz dabei ist, so haben wenigstens Sie die Chance, weiterhin mit allen Ihren Mitteln an einem guten Therapieergebnis zu feilen.

  • Nachteil

    Der Grat zwischen fehlender Motivation und Unzufriedenheit ist sehr schmal. Die Gefahr, dass der Patient die Therapie abbricht oder sich einen anderen Therapeuten/eine andere Praxis sucht, nimmt also zu. Dabei reflektieren Patienten selten, ob sie womöglich selbst Schuld an dem nicht zufriedenstellenden Therapieergebnis tragen. Hier ist also Fingerspitzengefühl gefragt. Denn unzufriedene Patienten teilen ihre Frustration auch gerne mit anderen.

Vorgehen 5: Ich lasse nochmal einen Kollegen ran

Manchmal liegt mangelnde Motivation ja auch an der Person des Therapeuten. Ab und zu kommt es einfach vor, dass Menschen nicht miteinander harmonieren. Ein Therapeutenwechsel innerhalb der Praxis kann hier wahre Wunder bewirken.

  • Vorteil

    Manche Probleme sind einfacher zu lösen, als man denkt. Vor allem bei Langzeitpatienten kann ein Therapeutenwechsel neue Impulse geben. Auch wenn die Chemie zwischen Patient und Therapeut von Beginn an einfach nicht stimmt, ist eine Veränderung für beide Seiten die richtige Entscheidung.

  • Nachteil

    Liegt der Grund für die fehlende Motivation des Patienten nicht in der Person des Therapeuten, kann ein Wechsel, besonders wenn er nicht mit dem Patienten abgesprochen wurde, auch negative Auswirkungen haben. Der Patient fühlt sich möglicherweise missverstanden und abgeschoben.

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