Ausgabe up 04-2017 | Rubrik Praxisführung

up|Umfrage: Wie hältst du es mit chronisch schlecht gelaunten Mitarbeitern?

vom: 20.03.2018

„Schon wieder diese anstrengende Patientin!“ „Warum muss eigentlich immer ich die Behandlungsräume aufräumen?“ „Diese blöde Behandlungsdoku bezahlt uns doch eh keiner, wozu soll ich sie dann machen?“ Jeder hat einmal schlechte Laune und niemand kann immer nur der fröhliche Sonnenschein sein. Vor allem in der Therapie muss man am Patienten immer so viel geben, da kann es hinter den Kulissen schon mal krachen. 

Doch wie geht man mit solchen „Miesmuscheln“ im Alltag um? Einfach ignorieren, ist eine Möglichkeit – aber vermutlich auf Dauer nicht die beste. Deshalb fragen wir diesmal in den Praxen nach: Wie hältst du es mit chronisch schlecht gelaunten Mitarbeitern?

Vorgehen 1: So lange die Patienten davon nichts mitbekommen, mische ich mich da nicht ein.

Jeder Mensch ist ein Individuum und hat nicht immer nur gute Laune. Wenn mein Mitarbeiter mir den Grund für seine schlechte Stimmung verschweigt, ist das in Ordnung. Er hat ein Recht auf seine Privatsphäre. Deshalb lasse ich ihn zunächst gewähren. Wirkt sich sein Verhalten aber auch auf die Patienten aus, so ist das schlecht für die Praxis. In dem Fall muss ich als Chef dann doch intervenieren.

  • Vorteil

    Sie lassen jedem Mitarbeiter zunächst seine individuellen Launen. Doch wenn diese zu unprofessionellem Verhalten führen, greifen Sie ein bevor sie Ihrer Praxis schaden können. Manchmal hilft es, den Mitarbeiter direkt anzusprechen und zu fragen, wo denn sein Problem liegt und wie lange er braucht, um mit der Situation wieder klarzukommen. So nehmen Sie die Person ernst, signalisieren aber gleichzeitig, dass dies eine Phase sein muss, die auch bald wieder ein Ende hat.

  • Nachteil

    Für Chefs ist es manchmal schwierig mitzubekommen, ob auch Patienten unter der schlechten Laune des Mitarbeiters leiden. Vor allem in der Behandlung ist der Therapeut mit dem Patienten allein. Was dort geredet wird, erfährt der Inhaber wenn überhaupt nur über Umwege oder durch Zufall. Die Launen des Mitarbeiters nur abwartend zu beobachten, ist also riskant. Rechtzeitiges Eingreifen in Form eines Vier-Augen-Gesprächs hingegen kann die Praxis vor Imageschäden schützen.

Vorgehen 2: Wenn die schlechte Laune auf das restliche Team abfärbt, muss man als Praxisinhaber aktiv werden.

Mal ein schlechter Tag steht jedem zu. Doch Mitarbeiter, die ständig nur jammern und alles negativ sehen, gehen schnell dem gesamten Team auf die Nerven. Eine Ausrede nach der anderen, um sich vor unbeliebten Aufgaben zu drücken, sorgt dafür, dass bald alle Kollegen schlechte Laune haben. Zudem leidet der Zusammenhalt im Team. Da ist es meine Aufgabe als Chef, einzuschreiten.

  • Vorteil

    Sie mischen sich als Chef nicht in jede Kleinigkeit ein und lassen Dingen zunächst einmal ihren Lauf. Dennoch beobachten Sie solche Situationen kritisch und greifen rechtzeitig ein, bevor sie eskalieren. Wenn nötig, sprechen Sie das Problem an und bemühen sich, eine Lösung zu finden – und zwar bevor die schlechte Laune das ganze Team ansteckt.

  • Nachteil

    Hier ist viel Fingerspitzengefühl erforderlich, um die Situation nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Verpassen Sie als Chef den richtigen Moment, um einzugreifen, kippt die Stimmung im Team. Das wieder auszugleichen ist schwierig. Und bedenken Sie: Als Chef bekommen Sie nicht alles mit, was unter den Kollegen läuft. Darum ist ein Einzelgespräch mit dem „kleinen Miesepeter“ zu einem früheren Zeitpunkt manchmal besser, als später eine Krise im gesamten Team meistern zu müssen.

Vorgehen 3: Schlechte Laune? Miesmacher? So etwas gibt es in unserem Team nicht!

Bereits bei der Auswahl meiner Mitarbeiter achte ich darauf, dass sie ins Team passen. „Miesmuscheln“, Nörgler und Dauer-Verweigerer stelle ich gar nicht erst ein. Aus diesem Grund kennen wir das Problem in unserer Praxis gar nicht.

  • Vorteil

    Wer im Vorfeld sein Team klug zusammenstellt, spart später Zeit und Nerven. Denn Streit und Unstimmigkeiten auszubügeln, ist anstrengend. Ein harmonisches Team fängt viele Probleme auf, bevor sie sich negativ manifestieren oder auf andere Kollegen auswirken. Doch eine Garantie, dass immer eitel Sonnenschein herrscht, gibt es leider nicht.

  • Nachteil

    Egal wie harmonisch es in einem Team auch sein mag, jeder hat mal einen oder auch mehrere schlechte Tage. Wenn ein Mitarbeiter das Gefühl hat, die Stimmung im Team zu vermiesen, kann es passieren, dass er sich mit seinen Sorgen und Problemen noch mehr einigelt. Was wiederum seine schlechte Stimmung weiter begünstigt. Oder aber, er versucht seine Sorgen zu überspielen. Das kann sich aber wiederum negativ auf seine Arbeit auswirken. Dieser Teufelskreis muss also rechtzeitig durchbrochen werden.

Vorgehen 4: Seine Launen kann man in der Freizeit ausleben, auf der Arbeit hat man sich professionell und freundlich zu verhalten.

Wir sind hier auf der Arbeit und nicht auf dem Schulhof. In der Therapie und auch am Empfang erwarte ich von meinen Mitarbeitern Professionalität und ein freundliches Auftreten. Ständiges Jammern wird hier nicht geduldet und auch nicht unterstützt.

  • Vorteil

    Bei diesem Vorgehen liegt der Vorteil klar auf der Hand: Allen Mitarbeitern wird signalisiert, egal ob sie sich beschweren oder nicht, jeder muss auch einmal unbeliebte Aufgaben übernehmen. Mit Nörgeln und Jammern drückt sich hier niemand davor. So fühlen sich die anderen Kollegen auch nicht ungerecht behandelt.

  • Nachteil

    Durch diese klare Linie nehmen Sie Ihren Mitarbeitern im schlimmsten Fall aber auch das Vertrauen Ihnen gegenüber. Wenn ein Angestellter das Gefühl hat, sein Chef interessiere sich nicht für seine Belange, kann das sich das zusätzlich auswirken. Im schlimmsten Fall distanziert sich der Mitarbeiter innerlich von der Praxis und seiner Arbeit. Er macht dann vielleicht noch Dienst nach Vorschrift, hat aber innerlich schon gekündigt. Da sind weitere Probleme mit Chef, Kollegen und Patienten vorprogrammiert.

Vorgehen 5: Vorbeugen ist das Zauberwort. Als Chef reagiere ich nicht erst, wenn sich die schlechte Laune schon zeigt. Ich sorge aktiv für gute Stimmung.

Agieren statt reagieren lautet mein Motto. Als Chef sehe ich es als meine Aufgabe, bereits vorbeugend tätig zu werden. Ich warte nicht darauf, dass in der Praxis schlechte Stimmung entsteht, sondern setze kontinuierlich auf Maßnahmen, die bei allen für Zufriedenheit und gute Laune sorgen, wie Gespräche und Teambuilding-Events.

  • Vorteil

    Wenn die schlechte Laune sich erst festgesetzt hat, ist es schwierig daran etwas zu ändern. Durch Ihren engen Kontakt zu den Mitarbeitern erkennen Sie Unzufriedenheiten bereits in der Entstehung. Auch bei privaten Problemen haben die Angestellten so genug vertrauen, um mit Ihnen darüber zu sprechen. Durch gemeinsame Unternehmungen im Team stärken Sie den Zusammenhalt untereinander. Die Kollegen haben so auch mehr Verständnis, wenn einer von ihnen mal einen schlechten Tag hat.

  • Nachteil

    Egal wie sehr Sie sich als Chef auch bemühen, es wird immer mal einen Mitarbeiter geben, der schlechte Laune hat und diese an Ihnen, den Kollegen und vielleicht sogar den Patienten auslässt. Dafür können äußere Umstände verantwortlich sein, auf die selbst der betroffene Mitarbeiter keinen Einfluss hat. Trotz aller Vorbeugung brauchen Sie darum auch eine Strategie, wie Sie in einem solchen Fall reagieren.

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