Vier gute Gründe, warum sich niemand vor mehr Behandlungsfreiraum sorgen muss
Ralf Buchner
Seit über einem Jahr könnte es einen Vertrag über die sogenannte Blankoverordnung geben. Die gesetzlichen Voraussetzungen dafür hat das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) geschaffen, die Heilmittel-Richtlinie ist schon seit langem vorbereitet. Und wenn die Heilmittel-Schiedsstelle ihren gesetzlichen Auftrag ernst genommen hätte, dann gäbe es Anfang 2022 bereits diverse Schiedssprüche zum Thema Blankverordnung. Davon sind wir leider noch weit entfernt. Die Einzigen, die sich auf die…
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2 Kommentare
Thomas Fiederer
Puh. Es ist schon sehr besorgniserregend das dieses Thema aktuell nirgends mehr Beachtung findet. Die Verbände sind ganz still geworden, wahrscheinlich als Reaktion auf die Kritik zum Rahmenvertrag nach dem Schiedsverfahren.
Wir brauchen diese Art der Versorgung. Einzel Krankengymnastik a 15 Minuten ist nicht zeitgemäß. Meine Untersuchung und Anamnese und ggf. Assessments dauern schon länger. Somit müsste man generell in Richtung längere Therapie Zeiten gehen. Wie oben von Ihnen, Herrn Buchner beschrieben wurde es die Kassen keinen Cent mehr kosten. Da sich die Therapien nur verschieben. Wir können uns ja nicht teilen. Im Zweifelsfall wird der Patient nur besser versorgt und gesundet eventuell, aber wer kann das wollen? Es ist immer wieder zu sehen, dass die in kurzen Zeiteinheiten durchgeführten Therapien dafür sorgen dass der Patient auch ein Patient bleibt und nicht gesund wird. Einen kooperativen Patienten kann ich ein Selbstmanagement mitgeben und ihn dann in paar Wochen nochmal kontrollieren, den anderen muss ich zwei bis drei Mal die Woche sehen und mit ihm unter Korrektur trainieren, weil dieser es einfach nicht hinbekommt die Übungen korrekt auszuführen. Und in 15 Minuten bekommt man kein erschöpfendes Training hin, dass sich eine Verbesserung einstellt bzw. Muskeln aufgebaut werden. Den nächsten Patienten muss ich erst Mal schmerztherapeutisch behandeln (Manuelle Therapie, Grüße an Dr. Eichinger in ihrem Podcast, viel Beratung und Aufklärung (explain pain)). Ich sehe in der Praxis einfach dass ich immer entweder oder machen muss. Den Schmerzpatienten bekomme ich in 15 Minuten gar nicht behandelt, weil die myofaszialen Störungen eine längere Behandlung erfordern. Nach der Schmerzbehandlung würde ich der Person gerne Übungen mitgeben - kann ich nicht, bin schon wieder 10 Minuten im Verzug.
Seit ich von der blankoverordnung gehört habe, hält mich diese Hoffnung am Therapeuten Leben! Doch wird sie noch kommen?
Nach dem Schiedsverfahren hieß es dass die Kumulation von Behandlungseinheiten nachverhandelt wird. Nichts ist passiert! Das war die einzige Revolution im neuen Rahmenvertrag/in der Leistungsbeschreibung. Und die würde wieder zurück genommen...
Kurz um: wir brauchen mehr Freiheit in der Gestaltung der Therapie.
Und wir brauchen keinen Heilmittelkatalog, der uns dirigiert. Lassen Sie uns die Einheit Physiotherapie nennen: 30, 45 oder 60 Minuten. Wie in anderen Ländern auch...
Und wenn Zertifikate erhalten bleiben, dann sollte doch jede Behandlung eines Manual oder Bobath Therapeuten besser bezahlt werden. Denn auch in der normalen KG profitieren die Patienten vom Fachwissen und Können.
Was in unserer Branche schwierig ist, dass oft nur schwarz und weiss gedacht wird. Das gefällt mir bei den Hardlinern unserer Branche nicht, die nur noch aktive Therapie anbieten wollen. Meiner Meinung nach macht es die Mischung, wir sind auch Dienstleister im Sinne des Patienten. Viele unspezifische Rückenschmerzen haben auch myofasziale Ursachen, eben die Dysbalancen die mechanisch und aktiv bearbeitet werden können. Es gibt z.B. immer wieder Patienten, die aktiv sind und genügend Sport machen und trotzdem Beschwerden haben.
Wir sparen den Kassen bares Geld durch unsere Therapie. Wie viele Menschen bekommen wir früher in den Beruf zurück, bei wie vielen vermindern wir die Pflegebedürftigkeit, usw
Dies wird leider noch gar nicht untersucht. Denke das müssen wir als Branche in Zukunft machen, wenn wir den Kassen zeigen wollen wie wichtig wir sind.
Jetzt bin ich ein wenig von der Blankoverordnung abgewichen, aber diese Themen beschäftigen uns meiner Meinung nach und alles hängt zusammen. Nur mit der Blankoverordnung lässt sich nicht alles lösen was schief läuft. Aber es ist ein Anfang sinnvolle Therapie machen zu können.
Ich freue mich über einen kollegialen Austausch!
Viele Grüße
Thomas Fiederer
Physiotherapeut und Manualtherapeut mit akademischen Abschluss
Puh. Es ist schon sehr besorgniserregend das dieses Thema aktuell nirgends mehr Beachtung findet. Die Verbände sind ganz still geworden, wahrscheinlich als Reaktion auf die Kritik zum Rahmenvertrag nach dem Schiedsverfahren.
Wir brauchen diese Art der Versorgung. Einzel Krankengymnastik a 15 Minuten ist nicht zeitgemäß. Meine Untersuchung und Anamnese und ggf. Assessments dauern schon länger. Somit müsste man generell in Richtung längere Therapie Zeiten gehen. Wie oben von Ihnen, Herrn Buchner beschrieben wurde es die Kassen keinen Cent mehr kosten. Da sich die Therapien nur verschieben. Wir können uns ja nicht teilen. Im Zweifelsfall wird der Patient nur besser versorgt und gesundet eventuell, aber wer kann das wollen? Es ist immer wieder zu sehen, dass die in kurzen Zeiteinheiten durchgeführten Therapien dafür sorgen dass der Patient auch ein Patient bleibt und nicht gesund wird. Einen kooperativen Patienten kann ich ein Selbstmanagement mitgeben und ihn dann in paar Wochen nochmal kontrollieren, den anderen muss ich zwei bis drei Mal die Woche sehen und mit ihm unter Korrektur trainieren, weil dieser es einfach nicht hinbekommt die Übungen korrekt auszuführen. Und in 15 Minuten bekommt man kein erschöpfendes Training hin, dass sich eine Verbesserung einstellt bzw. Muskeln aufgebaut werden. Den nächsten Patienten muss ich erst Mal schmerztherapeutisch behandeln (Manuelle Therapie, Grüße an Dr. Eichinger in ihrem Podcast, viel Beratung und Aufklärung (explain pain)). Ich sehe in der Praxis einfach dass ich immer entweder oder machen muss. Den Schmerzpatienten bekomme ich in 15 Minuten gar nicht behandelt, weil die myofaszialen Störungen eine längere Behandlung erfordern. Nach der Schmerzbehandlung würde ich der Person gerne Übungen mitgeben - kann ich nicht, bin schon wieder 10 Minuten im Verzug.
Seit ich von der blankoverordnung gehört habe, hält mich diese Hoffnung am Therapeuten Leben! Doch wird sie noch kommen?
Nach dem Schiedsverfahren hieß es dass die Kumulation von Behandlungseinheiten nachverhandelt wird. Nichts ist passiert! Das war die einzige Revolution im neuen Rahmenvertrag/in der Leistungsbeschreibung. Und die würde wieder zurück genommen...
Kurz um: wir brauchen mehr Freiheit in der Gestaltung der Therapie.
Und wir brauchen keinen Heilmittelkatalog, der uns dirigiert. Lassen Sie uns die Einheit Physiotherapie nennen: 30, 45 oder 60 Minuten. Wie in anderen Ländern auch...
Und wenn Zertifikate erhalten bleiben, dann sollte doch jede Behandlung eines Manual oder Bobath Therapeuten besser bezahlt werden. Denn auch in der normalen KG profitieren die Patienten vom Fachwissen und Können.
Was in unserer Branche schwierig ist, dass oft nur schwarz und weiss gedacht wird. Das gefällt mir bei den Hardlinern unserer Branche nicht, die nur noch aktive Therapie anbieten wollen. Meiner Meinung nach macht es die Mischung, wir sind auch Dienstleister im Sinne des Patienten. Viele unspezifische Rückenschmerzen haben auch myofasziale Ursachen, eben die Dysbalancen die mechanisch und aktiv bearbeitet werden können. Es gibt z.B. immer wieder Patienten, die aktiv sind und genügend Sport machen und trotzdem Beschwerden haben.
Wir sparen den Kassen bares Geld durch unsere Therapie. Wie viele Menschen bekommen wir früher in den Beruf zurück, bei wie vielen vermindern wir die Pflegebedürftigkeit, usw
Dies wird leider noch gar nicht untersucht. Denke das müssen wir als Branche in Zukunft machen, wenn wir den Kassen zeigen wollen wie wichtig wir sind.
Jetzt bin ich ein wenig von der Blankoverordnung abgewichen, aber diese Themen beschäftigen uns meiner Meinung nach und alles hängt zusammen. Nur mit der Blankoverordnung lässt sich nicht alles lösen was schief läuft. Aber es ist ein Anfang sinnvolle Therapie machen zu können.
Ich freue mich über einen kollegialen Austausch!
Viele Grüße
Thomas Fiederer
Physiotherapeut und Manualtherapeut mit akademischen Abschluss
Jytte
Ehrlich gesagt gehöre ich als Physiotherapeutin und PI auch zu den Skeptikern bzgl. der Blankoverordnung. Wirtschaftlichkeitsprüfung, zusätzliche Begründungen, warum welches Heilmittel eingesetzt wurde, die Aufklärung des Patienten, ein möglicherweise aufwendigeres Abrechnungssystem und die deutlich höhere Verantwortung und damit verbundene Qualitätskontrolle eines PI, wenn MA eine Blankoverordnung umsetzen und über Zusatzqualifikationen verfügen, die der PI nicht hat.
Den in Punkt 1 und 2 als Argument angeführten Fachkräftemangel vorzubringen, halte ich für zu kurz gedacht. Ich kann mich an eine Therapeutenschwemme aus Mitte der 90er gut erinnern, und wie schwer es war, um 2004 herum überhaupt eine Vollzeitstelle zu vergeben, geschweige denn, eine zu finden. Ich habe noch mindesten 20 Arbeitsjahre vor mir. Zu Punkt 4 Wirtschaftlichkeitsprüfung gesetztlich geregelt: Gesetze können so schnell geändert werden, dass man mit dem Lesen gar nicht mehr hinterher kommt.
Wenn es um eine bessere Patientenversorgung und Behandlungsqualität gehen soll, gerade im Bezug auf gute Assesments, und Umsetzung empfohlener Leitlinien stimme ich Herrn Fiederer vollkommen zu. Dafür ist die Zeit von 15-20Min.KG gerade zu Beginn der Therapie schlichtweg zu kurz. Bei MT (-25Min) geht es gerade so, und für ZNS vielleicht auch, vielleicht auch nicht.
Warum darf nur eine Therapieeinheit pro Tag abgegeben werden? Warum nicht 2 oder gar 3 und nur über den "Umweg" Doppelbehandlung. Wenn ein Berufsanfänger in der Praxis anfängt, würde es sehr helfen, die Zeit zu ermöglichen und die Arbeitszeit vergütet zu bekommen . Oder bei komplexen Krankheitsbildern, wo die Anamnese schon 20Minuten verschlingt und die Therapie einfach mal 40 Minuten dauert und mal 20 Minuten. Natürlich brauchen wir Physiotherapeuten mehr Flexibilität um sowohl medizinisch sinnvoll als auch wirtschaftlich gut zu arbeiten. Aber ist die Blankoverordnung der Stein der Weisen?
Die Blankoverordnung wäre aus meiner Sicht nichts anderes, als ein Überweisungsschein zum Facharzt. Überspitzt gesagt: Kümmere du dich drum, schreibe mir einen ausführlichen Bericht, und wenn die Therapie zu teuer wird, dein Problem.
Der Direktzugang sähe deutlich anders aus.
Liebes buchner-Team und alle anderen Leser, ich freue mich auf einen guten Austausch
LG Jytte
Ehrlich gesagt gehöre ich als Physiotherapeutin und PI auch zu den Skeptikern bzgl. der Blankoverordnung. Wirtschaftlichkeitsprüfung, zusätzliche Begründungen, warum welches Heilmittel eingesetzt wurde, die Aufklärung des Patienten, ein möglicherweise aufwendigeres Abrechnungssystem und die deutlich höhere Verantwortung und damit verbundene Qualitätskontrolle eines PI, wenn MA eine Blankoverordnung umsetzen und über Zusatzqualifikationen verfügen, die der PI nicht hat.
Den in Punkt 1 und 2 als Argument angeführten Fachkräftemangel vorzubringen, halte ich für zu kurz gedacht. Ich kann mich an eine Therapeutenschwemme aus Mitte der 90er gut erinnern, und wie schwer es war, um 2004 herum überhaupt eine Vollzeitstelle zu vergeben, geschweige denn, eine zu finden. Ich habe noch mindesten 20 Arbeitsjahre vor mir. Zu Punkt 4 Wirtschaftlichkeitsprüfung gesetztlich geregelt: Gesetze können so schnell geändert werden, dass man mit dem Lesen gar nicht mehr hinterher kommt.
Wenn es um eine bessere Patientenversorgung und Behandlungsqualität gehen soll, gerade im Bezug auf gute Assesments, und Umsetzung empfohlener Leitlinien stimme ich Herrn Fiederer vollkommen zu. Dafür ist die Zeit von 15-20Min.KG gerade zu Beginn der Therapie schlichtweg zu kurz. Bei MT (-25Min) geht es gerade so, und für ZNS vielleicht auch, vielleicht auch nicht.
Warum darf nur eine Therapieeinheit pro Tag abgegeben werden? Warum nicht 2 oder gar 3 und nur über den "Umweg" Doppelbehandlung. Wenn ein Berufsanfänger in der Praxis anfängt, würde es sehr helfen, die Zeit zu ermöglichen und die Arbeitszeit vergütet zu bekommen . Oder bei komplexen Krankheitsbildern, wo die Anamnese schon 20Minuten verschlingt und die Therapie einfach mal 40 Minuten dauert und mal 20 Minuten. Natürlich brauchen wir Physiotherapeuten mehr Flexibilität um sowohl medizinisch sinnvoll als auch wirtschaftlich gut zu arbeiten. Aber ist die Blankoverordnung der Stein der Weisen?
Die Blankoverordnung wäre aus meiner Sicht nichts anderes, als ein Überweisungsschein zum Facharzt. Überspitzt gesagt: Kümmere du dich drum, schreibe mir einen ausführlichen Bericht, und wenn die Therapie zu teuer wird, dein Problem.
Der Direktzugang sähe deutlich anders aus.
Liebes buchner-Team und alle anderen Leser, ich freue mich auf einen guten Austausch
LG Jytte