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Einen alten Baum verpflanzt man nicht

7 Tipps, wie junge Chefs Generationenkonflikte überwinden
Wenn plötzlich ein junger Therapeut eine alteingesessene Praxis und deren Mitarbeiter übernimmt, drohen Generationenkonflikte. Denn die Angestellten, die vielleicht schon seit Jahrzehnten in der Praxis sind, möchten weiterarbeiten wie bisher, der neue Chef aber möchte alles in seinem Sinn gestalten. Das birgt Konfliktpotenzial. Doch wenn Praxisinhaber ein paar Punkte beachten, können Sie die älteren Kollegen mitnehmen und für Ihre neuen Ideen begeistern. Denn mit Geduld lassen sich auch alte Bäume an eine neue Umgebung gewöhnen. Hier ein paar Tipps:
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© iStock: Zinkevych

1. Nicht gleich alles anders machen

Sie träumen seit Jahren von der eigenen Praxis. Nun können Sie all Ihre Vorstellungen endlich umsetzen. Dabei sollten Sie jedoch behutsam vorgehen, sonst senden Sie schnell die Botschaft: „Bisher lief alles schlecht, aber ich weiß alles besser.“ Das ist keine gute Grundlage für eine konstruktive Zusammenarbeit. Vielmehr stoßen Sie die Mitarbeiter damit vor den Kopf und regen zum Widerstand gegen die Veränderungen an.

Besser: Führen Sie Neuerungen schrittweise ein und legen Sie die Vorteile dar, die damit einhergehen – für Mitarbeiter und Patienten. Nehmen Sie die Angestellten mit ins Boot. Fragen Sie sie nach ihren bisherigen Erfahrungen und ermutigen Sie sie, Verbesserungsvorschläge zu machen. So werden Veränderungen nicht nur leichter akzeptiert. Sie profitieren auch vom Erfahrungsschatz der Mitarbeiter.

2. Neinsagern die Stirn bieten

„Wir haben das schon immer so gemacht“ ist ein häufiges Argument gegen Veränderungen. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen. Es wird immer Menschen geben, die mit Ihren Entscheidungen nicht einverstanden sind und Ihnen Besserwisserei unterstellen. Geben Sie diesen Angestellten Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Ändert sich nichts, gehen Sie auf ihr Störfeuer ein. Erklären Sie, was mit den Veränderungen erreicht werden soll und geben Sie ihnen die Chance, Alternativen vorzuschlagen. Machen Sie klar: Immer nur Nein sagen reicht nicht. Fordern Sie konstruktive Vorschläge und nehmen Sie Neinsager so mit in die Verantwortung.

3. Kollegen nicht vor anderen schlecht machen

Schon nach kurzer Zeit bemerken Sie, dass manche Kollegen wertvoller für die Praxis sind als andere. Sie zeigen Einsatz und denken mit, während andere nur das Nötigste machen und noch dazu häufig krank sind. So etwas ist frustrierend. Achten Sie dennoch darauf, diese Mitarbeiter nicht vor den Kollegen zu kritisieren – direkt oder durch spitze Bemerkungen nebenbei. Zum einen entwickelt sich so kein Vertrauen zwischen Chef und Mitarbeitern. Zum andern werden Sie die Ablehnung der Mitarbeiter auf sich ziehen. Klären Sie solche Probleme im Einzelgespräch.

4. Nie den alten Chef kritisieren

Betonen Sie bei Veränderungen nicht, wie schlecht das System des vorherigen Praxisinhabers war, sondern legen Sie den Fokus auf die Vorteile, die Ihre Methode mit sich bringen wird. Ihre neuen Mitarbeiter haben mitunter viele Jahre mit Ihrem Vorgänger gearbeitet. In dieser Zeit entwickeln sich Freundschaften und Loyalitäten. Sie beschwören nur unnötig Probleme herauf, wenn Sie versuchen, die Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass Sie die Praxis besser leiten als Ihr Vorgänger.

5. Altbewährtem eine Chance geben

Erfüllen Sie auch selbst die Erwartungen, die Sie an Ihre Mitarbeiter stellen. Wenn diese davon überzeugt sind, die bisherige Praxis bei der Terminvergabe hat sich besser bewährt als Ihr System, vergleichen Sie die verschiedenen Möglichkeiten möglichst objektiv miteinander. Erstellen Sie mit den Mitarbeitern etwa eine Liste von Zielen und Erwartungen und vergleichen Sie, welches System diese besser erfüllt. Vielleicht werden Sie selbst dabei eines Besseren belehrt. Für diese Möglichkeit sollten Sie zumindest offen sein. Eine Entscheidung, in die Mitarbeiter einbezogen waren, werden sie zudem bereitwilliger akzeptieren als eine Ansage des Chefs ohne weitere Begründung.

6. Aufgaben auch aus der Hand geben

Am liebsten kümmern Sie sich selbst um alles. Dann wissen Sie, dass wichtige Aufgaben auch gewissenhaft erledigt werden. Ihren Mitarbeitern senden Sie so aber auch indirekt das Signal, dass Sie ihnen bestimmte Aufgaben nicht zutrauen. So wächst kein gegenseitiges Vertrauen. Zudem sollten Sie Mitarbeiter auch einbinden, damit diese Sie im Krankheits- und Urlaubsfall vertreten können.

7. Zeit für persönliches Kennenlernen nehmen

Gerade am Anfang ist es wichtig, eine persönliche Beziehung zu den Mitarbeitern aufzubauen. Verschieben Sie dies nicht auf später, denn die Angestellten werden sich schnell eine Meinung über Sie bilden – so oder so. Planen Sie darum ebenso Zeit für das Kennenlernen der Mitarbeiter ein, wie für alle anderen Aspekte der Praxisübernahme. Erzählen Sie von sich, Ihrem beruflichen Werdegang und Ihren Gründen, die Praxis zu übernehmen. Geben Sie auch etwas Privates preis. Dann sehen die Mitarbeiter in Ihnen nicht nur den Chef, sondern auch den Menschen. Zeigen Sie zudem Interesse an den Mitarbeitern. Fragen Sie sie nach ihren beruflichen Erfahrungen, ihren Hobbys und Interessen.

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