Ausgabe up 06-2017 | Rubrik Abrechnung

Passive Therapien entwickeln sich unterschiedlich – MLD nach wie vor zu billig

vom: 31.05.2017
Foto von Massage der Unterschenkel

Die klassische Massage verlor als GKV-Heilmittel auch im Jahr 2016 weiterhin an Bedeutung. Zum ersten Mal lassen sich jetzt auch bei Leistungen der Wärmetherapie Umsatzrückgänge beobachten. Ganz anders sieht das bei der Lymphdrainage (MLD) aus, hier wachsen sowohl Umsätze als auch verordnete Behandlungseinheiten deutlich. Allerdings hat sich 2016 nichts daran geändert, dass MLD die mit Abstand am schlechtesten vergütete Leistung der Physiotherapie ist.

Zurück zum Schwerpunkt GKV-HIS

Ärzte verordneten die klassische Massagetherapie im Jahr 2016 erneut deutlich seltener als im Vorjahr. Der Rückgang beträgt 11,4 Prozent, damit wurden erstmals weniger als zehn Millionen Massagen im Jahr abgegeben. Für Masseure und med. Bademeister bedeutet das einen anhaltendenden negativen Trend, sie mussten bereits 2015 einen Rückgang der Massage von 9,09 Prozent verkraften. Wenn die Entwicklung auf diese Weise anhält, ist es in rund sieben Jahren mit der klassischen Massagetherapie zu Lasten der GKV vorbei. Es ist aber auch durchaus möglich, dass die Massagen schon früher aus dem Heilmittel-Katalog gestrichen werden.

Abwärtstrend bei Warmpackungen stoppen

Damit sich eine ähnliche Entwicklung nicht auch bei der Warmpackung abspielt, bedarf es einiger Arbeit seitens der Physiotherapeuten. Nach zwei Jahren des Zuwachses war der Umsatz der Warmpackungen im Jahr 2016 wieder um 2,1 Prozent rückläufig. Die Anzahl der verordneten Warmpackungen ist sogar seit vielen Jahren rückläufig.

Um diese Entwicklung aufzuhalten, bietet es sich für Therapeuten an, die verordnenden Ärzte über Sinn und Zweck der verschiedenen Packungen aufzuklären. Bislang tun das vor allem Ärztevertreter selbst. Die KV Berlin etwa hat vor kurzem in einem Infoschreiben ihre Mitglieder über die die unterschiedlichen Methoden der Wärmetherapie informiert. Die Branche der Physiotherapeuten sollte überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, an dieser Stelle selbst mehr in die Kommunikation einzusteigen. Ansonsten überlassen sie einer KV, einer wirtschaftlichen Vertretung der Kassenärzte, die Deutungshoheit über die Wirkung ihrer Warmpackungen.

Lymphdrainage: Honorare steigen, sind aber immer noch zu niedrig

Die Lymphdrainage gehört weiterhin zu den absoluten Zuwachsgewinnern in der Heilmittel-Hitliste. MLD45 wuchs 2016 um 3,64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, MLD 60 sogar um 6,43 Prozent. Damit gaben Therapiepraxen im Jahr 2016 rund 26 Millionen Behandlungseinheiten MLD ab. Gleichzeitig gab es eine überdurchschnittlich Honorarerhöhungen für die Lymphdrainage.

Der Minutenpreis für MLD45 liegt im Bundesdurchschnitt trotzdem immer noch bei lediglich 55 Cent, der von MLD60 bei 61 Cent. Genauso schlecht werden sonst nur noch die Podologen bezahlt (55 Cent pro Minute), die dafür aber keine Zertifikatsausbildung erwerben müssen. Nochmals zum Vergleich: Für herkömmliche KG zahlen die Kassen 83 Cent pro Minute.

Bildnachweis: iStock: kokouu

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