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Zuzahlung vergessen? So erhalten Patienten dann nur einen freundlichen Brief – und Therapeuten sofort ihr Geld

Der Erfahrungsbericht eines Therapeuten, der zum Physiotherapeuten ging und vergaß, seine Zuzahlung zu bezahlen. Was dann geschah? Er bekam ein nettes Schreiben von seiner Krankenkasse.
Foto von Frau, die einen Fünzig-Euro-Schein aus ihrem Portemonnaie holt
© iStock: andrej_k

Wer selbst, wie ich, Physiotherapeut ist und als Patient in eine Praxis kommt, dem bietet sich oft einen interessanter Perspektivwechsel. Als Produktmanager im Softwarebereich bei buchner erzähle ich unseren Kunden auf Seminaren und Veranstaltungen regelmäßig, wie stressfrei sie das Thema Zuzahlung regeln können.

Dabei berufe ich mich jedes Mal auf den Paragrafen 43 c SGB V:

(1) Leistungserbringer haben Zahlungen, die Versicherte zu entrichten haben, einzuziehen und mit ihrem Vergütungsanspruch gegenüber der Krankenkasse zu verrechnen. Zahlt der Versicherte trotz einer gesonderten schriftlichen Aufforderung durch den Leistungserbringer nicht, hat die Krankenkasse die Zahlung einzuziehen.

Etwas einfacher gesagt: Kann oder will ein Patient die Zuzahlung beim ersten Behandlungstermin nicht bezahlen, bekommt er eine schriftliche Zahlungserinnerung. Damit ist die Pflicht des Therapeuten laut SGB V erfüllt. Entweder, der Patient bringt das Geld bei einem späteren Termin mit, oder die Praxis stellt seiner Krankenkasse bei der Abrechnung den vollen Betrag, inklusive Zuzahlung, in Rechnung. Das Geld bekommt die Praxis so oder so.

Therapeut fragte nur einmal nach der Zuzahlung

Wie das in der Praxis funktioniert, habe ich im Oktober 2016 selbst schmerzlich erfahren. Bei einem Geländespiel auf einer Kinderfreizeit blockierte ich mir eine Rippe – eine langwierige Angelegenheit. Nach einer Woche voller Leiden erhielt ich von meinem Orthopäden eine Verordnung für Manuelle Therapie. Die Behandlung war erfolgreich und nach sechs Terminen konnte ich mich wieder schmerzfrei bewegen.

Peinlich war nur, dass ich meine Zuzahlung nicht bezahlt habe. Beim ersten Termin hatte ich mein Portemonnaie nicht dabei und später habe ich es, trotz schriftlicher Erinnerung, schlicht und einfach vergessen. Doch anders, als ich es aus meiner eigenen Erfahrung als Therapeut kenne, hat mich mein Therapeut nur bei meinem ersten Termin nach der Zuzahlung gefragt. Bei den weiteren Terminen stand immer meine blockierte Rippe im Fokus.

Sieben Monate nach dem letzten Behandlungstermin in der Praxis bekam ich einen Brief von meiner Krankenkasse. Im ersten Moment hatte ich Sorge, dass mich satte Mahn- und Säumnisgebühren erwarten. Der Brief war aber wider Erwarten sehr nett formuliert:

“Sehr geehrter…
Die Kosten der Heilmittel wurden in voller Höhe mit uns abgerechnet. Für Sie bleibt lediglich die gesetzliche Zuzahlung in der oben ausgewiesenen Höhe.”

Dann erklärt das Schreiben noch, wie sich die Zuzahlung zusammensetzt und dass mir der Betrag ganz bequem mit meiner nächsten Beitragszahlung abgebucht wird.

Die Konsequenz: Ein freundlicher Brief

Für mich als Patient bedeutet das also: Wenn ich vergesse, meine Zuzahlung zu bezahlen passiert ausschließlich Folgendes: Ich bekomme ein paar Monate später einen freundlichen Brief von meiner Kasse. Ich muss nicht hin und her rennen, um den Betrag zu überweisen. Die Krankenkasse bucht ihn einfach ab.

Für meinen Therapeuten bedeutet es: Wenn er sich nach § 43 c SGB V korrekt verhält, kann er Rezepte, bei denen Patienten die Zuzahlung vergessen haben, der Kasse komplett in Rechnung stellen. Er bekommt sein Geld sofort von der Kasse und die Kasse holt es sich später freundlich vom Patienten zurück. Dieses Wissen kann vielen Praxen sicher einiges an Aufwand und die eine oder andere Diskussion mit Patienten ersparen kann.

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