Ausgabe up 12-2017 | Rubrik Abrechnung

Abrechnungstipp PKV: Das endgültige Ende der Beihilfe-Tarife

vom: 30.11.2017

Die neuen Honorarvereinbarungen zwischen GKV und Verbänden sind auch für die Abrechnung mit Privatpatienten interessant: Wenn das GKV-Honorar plötzlich über den beihilfefähigen Höchstbeträgen liegt, dann wird endgültig klar, dass die Beihilfesätze von gestern sind! Höchste Zeit, Privatpreise anzuheben.

„Liebe Beihilfe, jetzt musst Du ganz tapfer sein, 2019 wirst Du in Rente geschickt.“ Denn spätestens 2019 werden in ganz Deutschland GKV-Tarife gezahlt, die deutlich über den Beträgen liegen, die als sogenannte beihilfefähige Höchstsätze den Beamten im Rahmen der Beihilfe erstattet werden.

Für Therapiepraxen ist diese Entwicklung auch interessant, wenn es um die Gestaltung ihrer Privatpreise geht. Die privaten Krankenversicherungen werden nicht müde, zu behaupten, dass die beihilfefähigen Höchstsätze der Beamten der zentrale Maßstab für die Privathonorare von Therapeuten sind. Das war schon immer absurd, spätestens nächstes Jahr können Therapeuten das ihren Privatpatienten sogar anhand der GKV-Honorare vorrechnen.

Beihilfesätze waren und sind unzureichend

Tatsächlich sind die Beihilfesätze seit 2001 nicht mehr erhöht worden. Das ist inzwischen mehr als 16 Jahre her! Welche Preise bleiben 16 Jahre stabil? Das Bundesinnenministerium hat bereits 2004 zu Protokoll gegeben, die beihilfefähigen Höchstsätze seien für die Praxisinhaber nicht kostendeckend. Trotzdem hat sich bislang nichts getan.

Im Jahr 2001 erstattete der Staat als Arbeitgeber der Beamten 19,50 Euro für eine Einheit Krankengymnastik – genauso wie im Jahr 2017. Nimmt man nur die Inflationsrate als Maßstab, dann müsste die Beihilfe heute für die gleiche Leistung mindestens 24,45 Euro erstatten. Würde man die tatsächliche Kostenentwicklung der Praxen ansetzen, müsste die Beihilfe für Physiotherapie in diesem Jahr rund 30 Euro je Behandlung erstatten.

Natürlich waren die 19,50 Euro auch 2001 schon zu wenig. Dass die GKV-Preise in all den Jahren nicht an sie herangekommen sind, liegt daran, dass die Kostenentwicklung in der Therapiebranche die Inflationsrate seitdem niemals korrekt wiedergegeben hat.

PKV kann Handlungsbedarf nicht mehr leugnen

Jetzt, wo der Gesetzgeber die Entkoppelung der GKV-Honorarentwicklung von der Grundlohnsummenentwicklung beschlossen hat, lässt sich der Handlungsbedarf bei der Vergütung nicht mehr leugnen. Wenn PKVen weiterhin behaupten, die Beihilfesätze wären eine angemessene Vergütung, können Therapeuten ihre Privatpatienten darauf aufmerksam machen, wie sehr die Behauptung der PKV von den Entscheidungen des Bundestages abweicht. Noch deutlicher wird das, wenn nächstes Jahr unter Umständen sogar die von der Grundlohnsumme abgekoppelten GKV-Preise die Beihilfesätze überholen.

GebüTh bezieht neueste Entwicklungen mit ein

Diese Entwicklung ist in der aktuellen 9. Neuauflage der GebüTh, der Gebührenübersicht für Therapeuten, bereits berücksichtigt und trägt damit der aktuellen Entwicklung der GKV-Honorare Rechnung. Seit nunmehr zehn Jahren gibt es die GebüTh, sie ist die am weitesten verbreitete Gebührenübersicht für Heilmitteltherapie bei Privatpatienten in Deutschland. Bis heute ist die GebüTh vor Gerichten als angemessen System zur Festlegung der Therapie-Honorare für Privatpatienten bestätigt worden. Zum Jubiläumsjahr hat es die GebüTh sogar in den Bundestag geschafft. So benennt der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages, nach den Möglichkeiten einer Gebührenordnung für Physiotherapeuten gefragt, die GebüTh ausdrücklich als konkretes Beispiel für eine solche Gebührenübersicht.


Bildnachweis: iStock: wutwhanfoto

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