Ausgabe up 1-2018 | Rubrik Abrechnung

Warnung: Auf keinen Fall diesen Vertrag mit der HUK-Coburg abschließen

vom: 18.12.2017

Die HUK-Coburg Krankenversicherung AG hat Vertragsentwürfe an Therapiepraxen in ganz Deutschland verschickt, die keine Vorteile, aber viele Nachteile für Therapeuten mit sich bringen. Wer solche Verträge als Praxisinhaber unterschreibt, unterstützt die PKV dabei, Privatpreise für Heilmittel niedrig zu halten.

Die Ergotherapeutin Sara Engel (Name von der Redaktion geändert) wundert sich über ein Angebot der HUK-Coburg: „Die wollen, dass ich mich verpflichte, Privatpatienten innerhalb von drei Tagen zu behandeln und dafür auf keinen Fall mehr abrechne, als die HUK bereit ist zu zahlen. Das ist doch für mich als Praxis vollkommen sinnlos!“

Nicht nur Sara Engel hat Post von der HUK-Coburg bekommen, sondern auch viele andere Heilmittel-Praxen in ganz Deutschland. Die Krankenversicherung bietet den Praxisinhabern damit einen Kooperationsvertrag an. Im Anschreiben listet die HUK-Coburg auf, was sie zu bieten habe: „Welche Vorteile haben Sie von einer Kooperation mit uns?“

  • deutschlandweit ein Potential von 450.000 Privatpatienten
  • Ausbau Ihrer Marktposition
  • Internetpräsenz bei einer namhaften privaten Krankenversicherung
  • gezielte Steuerung der Patienten durch den Versicherer.“

Die HUK bietet also an, in Zukunft die freie Therapeutenwahl ihrer Versicherten einzuschränken und sie nur noch zu vertraglich gebundenen Kooperationspartnern zu schicken. Was sich aus Sicht einer Praxis zunächst gut anhört, entpuppt sich beim näheren Studium des Vertragsentwurfes jedoch als schlechte Idee.

Vertrag bürdet Therapeuten zahlreiche Verpflichtungen auf

Der Vertrag nennt eine ganze Reihe von Punkten, zu denen sich Therapiepraxen verpflichten müssen:

  • erster Termin innerhalb von 3 Tagen
  • max. 10 Minuten Wartezeit
  • patientenfreundliche Öffnungszeiten
  • qualitative hochwertige Therapie
  • Patienten müssen Übungen in Eigenregie erlernen
  • möglichst kein Therapeutenwechsel
  • hervorragende Qualität (Struktur-, Prozess-, Ergebnisqualität) muss sichergestellt sein
  • leitlinienkonforme Behandlung
  • Bindung der Kostenübernahme an eine ärztliche (!) Verordnung
  • durchgeführte Patientenbefragungen müssen der HUK zur Verfügung gestellt werden
  • Freistellung der HUK durch die Therapiepraxis für den Fall, dass die HUK wg. Behandlungsfehlern durch den Patienten in Regress genommen wird, insbesondere die Kosten einer angemessenen Rechtsverfolgung
  • Einhaltung von Mindestbehandlungszeiten, die in der Preisliste als Leistungsbeschreibung aufgenommen worden sind
  • Abrechnung der Leistung zu der Preisliste vereinbarten Höchstsätzen
  • Vertrag kann frühestens nach einem Jahr gekündigt werden

Warum Therapeuten den HUK-VErtrag nicht unterschreiben sollten

An vier Beispielen zeigt sich eindrucksvoll, warum eine Heilmittelpraxis mit diesem Kooperationsvertrag schlechter dasteht als ohne:

1. Bindung der Kostenübernahme an eine ärztliche Verordnung: Hier wird ausdrücklich festgelegt, dass ein Arzt die Diagnose / Indikation zur Heilmitteltherapie festlegen muss. Die aktuell bestehende Möglichkeit, dass ein (sektoraler) Heilpraktiker verordnet, reicht damit bei der HUK nicht mehr aus.

2. Durchgeführte Patientenbefragungen müssen der HUK zu Verfügung gestellt werden: Dadurch sichert die Therapiepraxis der HUK-Coburg eine erhebliche Zusatzleistung zu, die die Krankenversicherung nicht vergütet. Fordern private Krankenversicherung vergleichbare Informationen außerhalb eines solchen Kooperationsvertrags an, würden Praxen dafür selbstverständlich eine Rechnung schreiben.

3. Einhaltung von Mindestbehandlungszeiten: Mit der Unterschrift unter den Kooperationsvertrag verpflichten sich Praxisinhaber zur Einhaltung von Mindestbehandlungszeiten, zum Beispiel 30 Minuten für Manuelle Therapie. Das ist zum aktuellen Status Quo eine deutliche Verschlechterung, denn aktuell gibt es keine verbindliche Leistungsbeschreibung für die Behandlung von Privatpatienten. Die Freiheit der Therapeuten, die Therapie so zu planen, wie es therapeutisch sinnvoll ist, wird durch den Kooperationsvertrag der HUK also noch stärker eingeschränkt, als das bei mancher GKV-Leistung der Fall ist.

4. Abrechnung der Leistung zu Höchstpreisen: Geht eine Therapiepraxis den Kooperationsvertrag ein, darf sie Patienten keine höheren Sätze in Rechnung zu stellen, als die HUK in ihrem Heilmittelpreisverzeichnis festgelegt hat. Zu- oder Aufzahlungen von Privatpatienten sind damit praktisch ausgeschlossen. Außerdem sind die HUK-Preisewirtschaftlich unsinnig. Sie liegen zwar vereinzelt über den Sätzen der beihilfefähigen Höchstätze von 2001, durch die Bindung an Mindestbehandlungszeiten aber teilweise unterhalb der GKV-Sätze. Ohne Vertrag kann eine Therapiepraxis beliebige Honorar mit dem Patienten vereinbaren, die dann entweder vollständig oder wenigstens zum Teil von seiner PKV erstattet werden müssen.

Patientenzuweisung kann gar nicht funktionieren

Sara Engel ist sich sicher, dass sie dieses Vertragsangebot der HUK-Coburg auf keinen Fall unterschreiben wird. Denn ganz abgesehen von den oben beschriebenen Gründen hat sie festgestellt, dass die von der HUK in Aussicht gestellte Patientenzuweisung sowieso nicht funktionieren wird. Im Vertrag steht ausdrücklich, dass die HUK jederzeit das Recht hat, mit anderen Praxen ähnliche Verträge abzuschließen. „Das ist eine Riesensauerei,“ findet Sara Engel. „Da gaukeln die mir Zusammenarbeit vor und in Wirklichkeit wollen sie nur die Preise drücken. Hoffentlich macht da keine Kollegin mit!“

Einziger Lichtblick für Sara Engel an der Aktion ist die von der HUK vorgeschlagenen Höchstpreisliste. Denn wenn in Zukunft eine Krankenversicherung behauptet, die beihilfefähigen Höchstsätze oder noch schlimmer die GKV-Sätze wären der Honorarmaßstab, dann kann sie ganz entspannt auf die HUK-Preisliste verweisen und damit klarstellen, dass dieses Argument vieler PKVen auf einer Lüge basiert.

Kommentar: HUK hat sich als Vertragspartner disqualifiziert!

Manche Krankenversicherungen scheinen Therapeuten für vollkommen unterbelichtet zu halten. Anders lässt es sich nicht erklären, warum die HUK ein so offensichtlich unsinniges Vertragsangebot macht. Eine lange Liste von Verpflichtungen für Therapiepraxen, die dafür im Gegenzug nicht den geringsten Vorteil erhalten!

Wer so etwas verschickt, der zeigt damit auch, was für eine Meinung er von seinem Gegenüber hat – und disqualifiziert sich selbst als Vertragspartner.Denn mit Institutionen, die ihre „Partner“ offensichtlich für dumm halten, will man keine Verträge abschließen. Glücklicherweise sind Therapeuten nicht dumm und wissen, dass die aktuelle Rechtslage viel besser ist als das, was ihnen der Vertrag mit der HUK verspricht.

Bildnachweis: iStocks, julief514

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  • Danke! Da werde ich doch mal meine beiden HUK- Verträge kündigen (Haftpflicht und KFZ). Eine Versicherung mit derartigen „Angeboten“ ist kein Partner, sonder ein „Verdummer“. So werde ich mal meine Kosten dämpfen!

  • Ach, da winkt eine neue kleine Leibeigenschaft……
    Ein ganz klares Nein gegenüber solch einem „ Angebot“…
    Mein Vertragspartner ist der Privatpatient, nicht seine Versicherungsgesellschaft!

  • So manchmal erhalte ich den Eindruck, Fragen zu wollen, ob es sich um einen privaten oder gesetzlichen Anbieter handelt. Jeder Anbieter definiert sich durch sein Angebot und seine Verhaltensweise, ist meine Meinung.

  • Lest einmal bei http://www.captain-huk.de, da könnt ihr euch ein Bild auch bzw. insbesondere von der rechtswidrigen Schadenregulierung nach Kfz-Schäden seitens der HUK-Coburg machen. Mittlerweile sind beinahe alle Versicherer auf das Pferd der Schadensteuerung aufgesprungen. Möglich war dies, weil die Kfz-Reparaturbetriebe die Gefahren der Abhängigkeit verdrängten. Macht nicht den gleichen Fehler.

  • Solche geplanten Knebelverträge, mit privaten Versicherungen dürfen auf keinen Fall durch den Praxisinhaber unterschrieben werden. Sie dienen einzig und allein dazu, die Praxis ans Gängelband and zu legen, analog der GKV und einseitig vorteilhafte Regelungen und Preise zu diktieren.
    Auf solche dreisten Vorstöße habe ich schon lange gewartet. Ohne mich!

  • Ich habe auch diesen Vetrag erhalten.
    Lustig fand ich das irgendwo ich glaube im Anschreiben stand : zur Kostendämpfung der Heilmittel Preis Entwicklung.
    Ich halte wenig von einer Kostendämpfung auf unsere Kosten.

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